Es kommt, wie es kommen musste, Nacktbilderleakdrohung als Waffe gegen offenen Feminismus

Irgendwer von euch hat sicher die Rede von Emma Watson vor der UN gehört. Herzzerreißendes Plädoyer hart an den Tränen für Feminismus, ein Ende dieses Blödsinns, dass Frauen sich nicht mehr trauen, zu sagen, dass sie Feministinnen sind, dass Feminismus etwas anderes sei als Gleichberechtigung und all das als Aufruf für HeForShe. Standing Ovations von der UN waren ihr sicher.

Es kommt wie es kommen muss. Die radikale Boygroup auf 4Chan will sich rächen. Warum? Ich glaube Frau sagt was reicht mittlerweile als Auslöser. Oder ihnen war nach #gamergate einfach zu langweilig und die letzten Nacktfotoleaks hatten nicht genug Masku-Troll-Dumpfsinn?

Gesagt getan, Webseite emmayouarenext ins Leben gerufen, registriert in Panama, Countdown installiert, die typische Lyrik verfasst:

“It is real and going to happen this weekend. That feminist bitch Emma is going to show the world she is as much of a whore as any woman.”deathandtaxes hat ein paar davon gesammelt

Egal ob das nun einfach ein Fake, ein Witz (wat hamwer jelacht), eine Provokation oder schlichtweg irgendjemand ist, der es versteht den schrägen 4Chan-Humor in mediales Kapital zu verwandeln, auf 4Chan selber ist die Diskussion über die Echtheit dieser Geschichte entbrannt, denn auf 4Chan gibt es eigentlich keine Meinung, selten etwas auf das sich genug einigen können, dass es schlagkräftig wird, wenn aber, ist die Hölle los im Internet.

Mit dem üblichen Sammelsurium an Meinungen von “hoffentlich war die auf den Nacktfotos erst 12”, über “wer ist dieser Hacker Namens 4Chan?”, irgendwas mit feministischer Verschwörung, Hinweise darauf, dass 4Chan eigentlich als ganzes doch Emma Watson mag, ob Schwule Nacktbilder von Emma Watson auch gut finden oder nicht, bis hin zu schlichten kann-nicht-sein-weil Postings, nicht selten im Tenor von “I bet that femnazi has never even taken a nude photo” und der stellenweise alles bestimmenden Frage: was sind eigentlich “Knickers”, ein Thread der vor allem typisch für 4Chan ist. Einig sind sie sich aber in einem: Emma Watson Nacktfotos wären der heilige Gral von 4Chan.

Sturm im Wasserglas? Jein. Erstens findet sich jetzt bestimmt jemand, der mindestens Photoshop anlegt, um in ein paar Tagen daraus “Realität” zu machen, zweitens ist dieser Reflex, dass solche Geschichten auftauchen, allein schon Grund genug, erneut zu wissen wie nötig solche Reden überall immer noch sind, drittens reden nicht immer alle nur noch von Nacktbildern, sondern mehr von Feminismus, selbst wenn die Einstiegsdroge Nacktbilderleakdrohungen sind.

The secret of happiness? LOWER your expectations! 😉

Update: In der Tat war emmayouarenext.com ein Hoax, der es gut verstanden hat, auf dem viralen Potential von 4Chan zu spielen. Die höchst undurchsichtige Agentur Rantic hatte das Ding über ein Outlet Namens Foxweekly gelauncht, behauptet von “celebrities” dafür bezahlt worden zu sein, mit dieser “Kampagne” auf die Gefährlichkeit von 4Chan hinzuweisen. Damit erreicht sie im Nachhinein vermutlich eher das Gegenteil, selbst wenn sie jetzt sagen können 48 Millionen Besucher auf der Webseite und 7 Millionen Facebook-Likes würden zeigen wie gefährlich das alles ist.

” We have been hired by celebrity publicists to bring this disgusting issue to attention. The recent 4chan celebrity nude leaks in past 2 months have been an invasion of privacy and is also clear indication that the internet NEEDS to be censored. Every Facebook like, share & Twitter mention will count as a social signature — and will be one step closer to shutting down http://www.4chan.org. ”

Das Internet zensieren will nun wirklich deshalb hoffentlich keiner.

Die Frage ist aber längst nicht geklärt, ob das jetzt nun als die dahinter steckende Absicht ernst zu nehmen ist, oder einfach ein Ausdruck dessen, in welcher mehrfach gespiegelten Form voller Tricks und Täuschungen solche Diskussionen zur Zeit eben einfach Ablaufen.

12 Responses

  1. mph

    Wer mit hashtags wie #killallmen kommt, braucht sich nicht zu wundern, dass Trolle in die sexistische Mottenkiste greifen.

    Aber hey, Feminismus ist ja nur für Gleichberechtigung, oder?

    https://www.youtube.com/watch?v=1oqyrflOQFc #womenagainstfeminism) aus ihren Reihen zur Räson zu bringen, haben Anti-Feministen allen Grund zu protestieren.

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    • mph

      (Toll, eure Kommentarfunktion hat die hälfte meines Textes für einen HTML-Tag gehalten… hier noch mal der ganze Text)

      Wer mit hashtags wie #killallmen kommt, braucht sich nicht zu wundern, dass Trolle in die sexistische Mottenkiste greifen.

      Aber hey, Feminismus ist ja nur für Gleichberechtigung, oder?

      https://www.youtube.com/watch?v=1oqyrflOQFc – Eine Feministin der alten Schule, Autorin von Büchern wie “Who Stole Feminism?: How Women Have Betrayed Women”, “The War against Boys: How Misguided Feminism Is Harming Our Young Men”, Proffessorin für Philosophie und Ethik, die mit dem Hassfeminismus der tumblr-Generation nicht in einen Topf geworfen werden möchte.

      Radfem, Differenz-Feminismus, gynozentrischer Feminismus uvm haben die Idee der Gleichberechtigung gekapert und nutzen ihn zur Entlagung ihres Hasses gegen alles was männlich ist oder an ihrer Ideologie Kritik übt.

      Solange sich Leute wie Emma Watson, die Gleichberechtigung fordern, nicht offen gegen den kreischenden Hassfeminismus aussprechen und für “gender egalitarian” appelieren, und der Feminismus es nicht schafft, Chauvinistinnen und Faschistinnen (“reduce male population to 10% and keep them in ghettos”), die teilweise sogar andere Frauen angreifen und bedrohen (- #womenagainstfeminism) aus ihren Reihen zur Räson zu bringen, haben Anti-Feministen allen Grund zu protestieren.

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  2. Max

    Wie jetzt “LOWER your expectations!”
    Wer klickt den auf /b rum und hat hohe Erwartungen dort was anderes als random trash zu finden.
    Mich berühren auch diese Grabenkämpfe überhaupt nicht, ein weiterer Fall für die trashbox.

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    • Max

      Ich finds auch sehr unschlau von der Dame mal kurz gender equality als buzzword fallen zu lassen und dann über feminismus zu sprechen, dann kann man auch gleich sagen mich interessieren nur frauenrechte. Fail.

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    • Max

      Bevor jetzt jemand mault, die starren stereotypen Mann Frau Dinger interessieren doch keinen mehr. Wenn man da nicht auch alle zwischen den Stühlen mit einschließt ist gender equality doch nur heiße Luft. Eine tolle Botschafterin für gender equality ham se da.

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  3. hylyn

    Feminismus ist ein frei-zirkulierendes Konzept, eine Idee, die in das kollektive, kulturelle Bewußtsein eingegangen ist und eine Jahrhunderte alte theoretische Evolution durchlebt hat. Wer seine Idee des Feminismus kurzlebigen Hassthreads aus dem Internet entnimmt und nicht in der Lage ist, sich eine Meinung von der Bedeutung dieser Ideen im kulturellen und historischen Kontext zu machen, sollte sich eigentlich besser gar nicht äußern.

    Feminismus kann, genau so wie andere offene und freie Konzepte, keine Garantie für eine Vereinnahmung innerhalb verschiedener Kontexte übernehmen und unterliegt dem gleichen Prozess der diskursiven Permutation wie alle Konzepte und Ideen. Es gibt weder ein zentrales Gremium des Feminismus, dass seine Mitglieder „zur Räson“ bringen kann, noch kann man genau genommen von „dem Feminismus“ sprechen. Der Wikipedia-Eintrag listet bereits zehn verschiedene Ansätze, die sich auch nicht selten gegenseitig widersprechen, also genauso in diskursivem Austausch begriffen sind, wie alle theoretischen Strömungen.

    Man muss also seinen eigenen Denkapparat benutzen, und für sich die einfache Frage beantworten, ob man – jenseits von negativen, persönlich-biographischen Erfahrungen – für die Gleichheit der Geschlechter ist oder nicht. Und wenn man diese Frage für sich mit ja beantworten kann, ist man bereits ein Feminist. Denn das ist die Forderung eines großen Teils des Feminismus.
    Man kann dann, wenn man will, in den Diskurs einsteigen und wird sicher im feministischen Spektrum auch viele Kritikerinnen eines radikalisierten Feminismus finden.

    Wer sich auf Randstatements wie „reduce male population to 10%“ kapriziert, steht in Verdacht schon von vornherein eine selektive Wahrnehmung und ein negativ-generalisierendes Weltbild zu pflegen. Männer, die keine Ressentiments gegenüber Frauen haben, sollten kein Problem mit der Forderung nach Gleichberechtigung haben.

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    • wollepelz

      Es geht im Feminismus schon lange nicht mehr um Gleichberechtigung. Der Begriff wurde erfolgreich ausgetauscht.

      Kein normaler Mann hat etwas gegen Gleichberechtigung. Das wird immer nur herangezerrt, um eine kranke feministische Ideologie als etwas zu verkaufen, was sie nicht ist. Allein schon am Begriff “Feminismus” sollte deutlich werden, was das Zentrum ist: Es ist die Frau und das grenzenlos.

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  4. David

    “Wer sich auf Randstatements wie „reduce male population to 10%“ kapriziert, steht in Verdacht schon von vornherein eine selektive Wahrnehmung und ein negativ-generalisierendes Weltbild zu pflegen. ”

    Bin ich also intolerant gegenüber Intoleranz bin ich per Definition intolerant, gut zu wissen.

    Niemand der aktuelle Auswüchse des modernen und radikalen Feminismus kritisiert richtet sich gegen Gleichberechtigung von Mann und Frau, meistens ist sogar der Glaube an diese Gleichberechtigung der Grund zur Kritik.

    Und dieses ganze Geschwurbel von dir hört man so oder so ähnlich immer öfter mittlerweile, dient eigentlich nur dem ziemlich durchschaubaren Zweck “Feminismus” unangreifbar zu machen indem man ein Pauschal-Urteil über Leute fällt die es sich erlauben bestimmte Punkte anzusprechen oder zu kritisieren.

    Interessant an deinem Kommentar ist übrigens dass du scheinbar sehr wohl verstehst dass Feminismus ein Kollektiv aus unzähligen Individual-Meinungen ist, du aber gleichzeitig überhaupt kein Problem mit diesem Machwerk an Artikel hast der quasi ein ganzes Forum beleidigt und verurteilt hat, aufgrund einer Aktion die mit 4chan letztendlich nicht das geringste zu tun hatte.

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