Ungarns Internet geht auf die Straße

In Ungarn gibt es die pfiffige Idee des Finanzministeriums, jedes Gigabyte im Internet zu besteuern. Die Service Provider sollen ca. 50 Cent dafür zahlen. Bei wem die Kosten am Ende wirklich landen werden, ist den Ungarn offensichtlich klar.

Denn die gingen am Wochenende auf die Straße und haben – sozusagen als Abschlusskundgebung – ihren Elektroschrott beim Finanzministerium abgeladen. Bis zu 10.000 Demonstranten sollen es gewesen sein.

Definitiv die eigenwilligste Internetdemonstration, der wir je begegnet sind. Und eine die zeigt, wie sehr Zugang zum Netz sich zu einer Grundversorgung entwickelt hat, bei der man sich nicht so einfach den Hahn abdrehen lassen will. Vielleicht noch denkwürdiger daran, wie sehr diese Demonstration exemplarisch zeigt, dass das Internet und die Straße längst zusammengewachsen sind.

Fast schon entspannend, das nach all der Glatzen-Randale in Köln zu sehen.

Das Ministerium in Ungarn hat seine originelle Finanzlochstopfidee nach diesem Wochenende dann gleich etwas zurückgerudert und will jetzt nur noch maximal 2,30 € für jeden Gigabyte-Verschwender verlangen, aber allein die Bindung an die Datenverbrauchsmenge dürfte genügend Zündstoff für weitere Proteste und andere schlechte Ideen in diesem Sektor sein.

Völlig unklar ist dabei, wie die EU sich zu solchen Plänen verhält, denn der Aufbau des digitalen Marktes gilt ja als eine der zentralen Aufgaben für die Zukunft.

Wir sind gespannt mit was geworfen wird, wenn Günther Oettinger mit seinen Plänen für Abgaben von Bürgern und Firmen auf geistiges Eigentum im Internet rausrückt. Geist wird es nicht sein.

Via Reuters.

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