Medium is the message, leicht zu merken, tut uns auch nicht so weh

Als heute Morgen die Meldung reinrauschte, dass Sigmar Gabriel morgen, total Industrie 4.0, sich den beinharten Twitterfundamentalisten für eine coole Social-Media-Aktion (#fragsigmar) zur Verfügung stellen würde, wurden sämtliche Fettnäpfchen der Hashtag-Generation geblitzdingst, bis sie vor Hohn und Gelächter nur so glänzten.

Aber man darf sich nicht immer nur lustig machen, wenn die Beleidigung durch Technik ganz offensichtlich so tief saß, dass man ein ganzes blödes Hype-Medium für Jahre links (iiiih! links!) liegen lässt. Man muss nach neuen Wegen suchen, die mehr Zukunft, mehr digitalen Thrill, mehr Bodenständigkeit in den rasanten Zeiten des Medienwandels versprechen.

Und wo sonst sollte man da hinschauen, wenn nicht über den großen Teich?

Da wird nämlich an den kommenden, lässigst nativen Plattformen für Politiker und ihre zarten Gehversuche in digitaler Volksnähe schon mächtig geschraubt.

Buzzfeed z.B. begleitet die Campus-Tour von Hilary Clinton, oder, anders gesagt, der Launch der “BuzzFeed News Candidate College Tour” – passend zum Android-App-Start von Buzzfeed – wird von Hilary begleitet. Ist das app-gefahren?

Und CNN Money hat auch den money-quote dazu:

But the startup is opting against having a television partner for this fall’s campus tour. Instead it’ll share video clips via Snapchat.

Auf Snapchat! Finger drauf, ansehen, weg. Jetzt mit doppelter Haltbarkeitsdauer im Paid-Premium. Genial.

Aber es geht noch besser. Denn CNN selbst legt eins drauf. Die wird nämlich die heiße Debatte der demokratischen Kandidaten (ja, da gibt es noch Bernie) gleich live in virtueller Realität gestreamt. Wer darin jetzt neunmalklug ein Anschubsfinanzierungsprojekt für Samsungs gerade erst veröffentlichte Gear VR Brille sieht, der weiß einfach noch nicht, was es für eine Erholung es sein kann, wenn man sich, wie CNN selbst sagt, ganz auf die Interaktionen jenseits des Screens konzentrieren kann.

CNN says viewers will get a “front-row seat” from the perspective of an audience member, with the immersive stream allowing people to “hold a gaze on a particular candidate, catch off-screen interactions, and more.”

Sollte es also wirklich zu einer Kanzlerkandidaten-Elefantenrunde mit Merkel ganz allein kommen, hoffen wir ernsthaft, dass bis dahin Snapchat auch endlich in VR läuft.

Bis es aber endlich soweit ist, raten wir allen deutschen Politikern bei ihren genialen Social-Media-Coups unbedingt auf diese hippen, frischen Medien zu setzen, die nicht nur unter den Kids so richtig beliebt sind, die Politik mit ck buchstabieren. Sonst muss Merkel sich das nächste Mal doch schämen, wenn sie wieder mit Bono und Zuckerberg vom gleichen Tisch isst. Also, Heiko Maas, weißte Bescheid, das nächste Gesetz unbedingt auf Product Hunt launchen.

Update: Uns kam grad noch ne ganz tolle Idee, wie man Bürgerpartizipationsproblemchen mit dem Internet of Things lösen könnte. (Teilen wir gerne, auf Nachfrage).

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