Mehr Streaming, schon wieder das Gleiche, nur etwas hübscher

Netflix ist wie erwartet in Deutschland gestartet und – ebenso – wie erwartet ist das Angebot nicht sensationell. Wir würden es einiges unter den Konkurrenten Maxdome, Watchever und etwas unter Amazon Prime einordnen, knapp über Sky Snap, Sky Go spielt in einer anderen Liga.

Wir hatten damit gerechnet, dass sie nicht auch nur annähernd an die Auswahl in den USA rankommen. Die Frage ist jetzt, wie schnell holen sie auf, welche Trümpfe eigener Produktionen (Orange Is The New Black, Fargo, The Killing) können sie noch ausspielen, welche Exclusivserien bekommen sie darüber hinaus (auch wenn das für Video Streaming generell eher behindernd ist) und wie tief bohren sie in den Archiven (immerhin, Firefly!). Auf jeden Fall hat Netflix viel aufzuholen, wenn es um Inhalte geht.

Der klare Vorteil von Netflix: es sieht einfach besser aus und das Interface ist verflixt schnell. Während die bestehenden Angebote in der Navigation manchmal wie exakte Kopien von Netflix in den USA wirken und sich z.B. in der Navigation extrem gleichen, ist die Suche bei Netflix ungeschlagen, weil sie anscheinend lieber von Google lernen. Ich habe “Dex” noch nicht ganz ausgeschrieben und schon steht Dexter vor mir. “Emi”… flupps, Liste mit allen Schauspielern die mit “Emi” anfangen und Emily Erdbeer. Zwar hat z.B. Watchever auch eine “Instant”-Suche, die beschränkt sich aber auf das Suchfenster (sieht also eigentlich so aus, wie die Netflix-App schon immer aussieht), während bei Netflix sofort eine ganze Seite bereitsteht. Auch wenn da erst mal nicht sonderlich viel zu finden ist, für die Zukunft ist schon mal gesorgt.

Auch die Darstellung des Videos im kompletten Browserfenster ist eine echte Erholung, wirkt irgendwie auf der Höhe der Zeit, lässt alles gleich viel besser aussehen und gibt einem das Gefühl nicht so lange auf den Stream warten zu müssen. Am schlimmsten hier bei der Konkurrenz, die Resterampedarstellung bei Amazon.

Ganz gut auch, die Möglichkeit verschiedene Profile anzulegen, dann hat man nicht immer die Kinderfilme der Kleinen als heiße Empfehlung. Was Apps und die Bespielung des heimischen Geräteparks betrifft ist Netflix mit Watchever ziemlich gleich auf, startet also nicht mit diesen technischen No-Go-Zonen, mit denen die anderen von Anfang an etwas zu kämpfen hatten. Nur Silverlight als Plugin bleibt uns beim Browser leider erhalten (Update: nicht sicher ob das stimmt, sieht möglicherweise nur so aus). Großer Vorteil aber hier, auf Chromebooks geht es trotzdem auch ohne Linux-Umwege, hier schnarchen die Konkurrenten.

Man spürt an der Oberfläche ein wenig die Macht und auch die daraus folgende Entwicklerzeit, die Netflix in den USA angesammelt hat, in den Verträgen mit den Filmverleihen ist das allerdings noch nicht angekommen. Letzte Vorteile von Netflix: 4K, wer’s mag, ist aber auch etwas teurer und zusätzlich zu englischen auch deutsche Untertitel. Originalversionen sind Pflicht.

Zeit umzusteigen. Wohl eher nicht, auch wenn man den kostenlosen Probemonat zum eingewöhnen allein schon wegen Fargo und Orange Is The New Black wagen sollte, aber Netflix ist definitiv auf dem richtigen Weg. Jetzt gilt es einen stetigen Blick auf die wiederum nicht gut sortierten Neuerscheinungen zu werfen, um herauszufinden wann oder ob Netflix hier schnell eine Art Tipping Point erreichen kann.

Bis sich auf diesem Markt die Konkurrenz so weggeprügelt hat, dass man sagen könnte, ja, der eine Service reicht mir, der hat alles was ich brauche, werden wohl noch ein paar Jahre in Deutschland vergehen. Wer gewinnt, ist bei den kurzen Kündigungsfristen der meisten eigentlich auch egal, lieber wäre uns Wettbewerb, aber wir glauben nicht, das sonderlich viele am Ende übrig bleiben können. Vermutlich fährt man zur Zeit am besten damit eine Art Streaming-Hopping zu fahren. Ein paar Monate hier, ein paar Monate da und dazwischen immer neidisch auf das rüberschielen, was die anderen haben.

Serviceblabla: Preise, 7,99 für ein Gerät, 8,99 zwei Streams gleichzeitig plus HD, 11,99 vier Streams plus 4K. Alleinstellungsmerkmale: 4K, englische Untertitel, Profile für mehrere Nutzer (auch spezielle für Kinder), läuft auf Chromebooks und Linux.

One Response

  1. streaming sucks

    was’n hippster bericht – hauptsache immer die neuste serie sehen…

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