Google bekommt Aufsichtspflicht über Verwendung aller Klarnamen im Netz

Normalerweise wird die heute veröffentlichte Entscheidung des EuGH über Titel wie: Recht auf Vergessen verbreitet. Frei nach dem Motto: da steht was doofes auf Google über mich, das muss weg.

Google muss kritische Links löschen, das kann nicht schlecht sein, Google muss sich an europäisches Datenschutzrecht halten, auch wenn die Server im Ausland stehen, auch gut. Nur wenige finden das etwas problematisch oder übers Ziel hinaus geschossen.

Abgesehen aber mal davon, wie man es findet, lohnt sich die banale Betrachtung darüber, was genau da eigentlich vergessen heißen soll, bzw. was weg muss, denn einige sagen schon jetzt: Zensur!

Kurz oben das Bild ansehen. Es geht um den zweiten Abschnitt da oben. Genauer gesagt um den Link dahinter. Der führt auf eine Seite auf der legalerweise der Name des gesuchten auftaucht in Verbindung mit persönlichen Dingen über ihn, die ihm nicht gefallen. Im Snippet selbst ist also erst mal nix vom Namen zu sehen. Was der EuGH jetzt tatsächlich von Google und allen anderen Suchmaschinen verlangt, ist folgendes: Der Index ihres Datensatzes dieser speziellen Seite muss um den Klarnamen “Mario Costeja González” bereinigt werden. D.h. es darf keine relationale Beziehung zwischen dem Klarnamen und dem Link bestehen, damit nu ja keiner da drauf clickt, der den Namen als Suchbegriff eingegeben hat.

Es geht also nicht um die Löschung, oder gar das Vergessen von Daten, sondern um die Löschung von Beziehungen von Daten. Und keinesfalls da wo die Daten sichtbar im Netz sind (völlig unabhängig von der Legalität dieser Webseite), sondern dort wo eine Webseite (in diesem Fall Google) auf diese andere Seite linkt.

Unsere erste Frage wäre natürlich, über wie viele Hops geht dieser Scheiß? Können Suchmaschinen jetzt einfach diesen Link auf eine Suchseite verlinken, die nicht mehr den ursprünglichen Klarnamen trägt und von da aus auf die Seite weiter?

Und welche Seiten betrifft sie noch, ausser Search-Engines? Social Networks? Wikipedia oder die 1000 Seiten die Wikipedia kopieren? Wirkliche Gründe warum all die von dem Urteil ausgeschlossen sein sollten, fallen mir auf die Schnelle nicht ein.

Letztendlich ist diese Entscheidung vor allem eins. Wir übertragen die Verantwortung für die ordentliche Verwendung von Klarnamen und damit in Beziehung stehenden Webseiten nicht auf die Orte an denen personenbezogene Daten stehen, sondern auf die Datenbanken, in denen die ungewünschten Orte im Netz, die wir löschen wollen, sonst noch so verzeichnet sind. Und damit übertragen wir Google die Aufsichtspflicht über Verwendung aller Klarnamen im Netz.

Wir sind sicher in den üblichen Abmahnbüros laufen jetzt schon die Kreativabteilungen heiß.

PS 1: Wer sich durch solche Gesetzgebungen irgendwie auch ein wenig mehr Privatsphäre jenseits von Google erhofft, wie es gelegentlich in den Kommentaren mitschwingt, kann sich das Abschminken, denn die zugrunde liegende Richtlinie ist ganz klar: staatliche Schnüffelei und persönlicher Datenschutz sind da säuberlich und an zig Stellen ultra-ausdrücklich getrennt.

(2) Diese Richtlinie findet keine Anwendung auf die Verarbeitung personenbezogener Daten,

– die für die Ausübung von Tätigkeiten erfolgt, die nicht in den Anwendungsbereich des Gemeinschaftsrechts fallen, beispielsweise Tätigkeiten gemäß den Titeln V und VI des Vertrags über die Europäische Union, und auf keinen Fall auf Verarbeitungen betreffend die öffentliche Sicherheit, die Landesverteidigung, die Sicherheit des Staates (einschließlich seines wirtschaftlichen Wohls, wenn die Verarbeitung die Sicherheit des Staates berührt) und die Tätigkeiten des Staates im strafrechtlichen Bereich;

PS 2: Bonuspunkte für diejenigen, die mir sagen können, ob das Medienprivileg auch für Wikipedia gilt und wenn ja ob auch für die via Creative Commons weiterverbreiteten Inhalte der Wikipedia.

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Schreibmaschine. Tippse. Reviewweltmeister und so Dinge.

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