Wie man den Streaming-Goldrausch kurzfristig überleben könnte

Ihr (liebe Musiker) wisst alle, von Streams kann man nicht leben. Die bringen einfach zu wenig Geld, wenn man nicht gerade ein paar Millionen Follower im Rücken hat. Gerade hat z.B. die New York Times durchblicken lassen, dass Apple Music für die dreimonatige Einführungsphase 0,2 Cent pro Stream bezahlt. Die gehen aber natürlich nicht an die Urheber, für die bleibt aber sicher auch etwas von den 0.047 Cent übrig, die an die Musikverlage pro Stream gehen.

Wir überlassen euren Rechenkünsten, wie sich das in Mindestlohn übersetzt, aber es gibt Strategien damit dennoch zu überleben, auch wenn man das alles, wie es z.B. der VUT macht, durchaus als “fair” bezeichnen kann, denn andere zahlen ja ähnliche Beträge. Für Spotify hat Ohm and Sport z.B. Eternify.it gebastelt. Eine Webseite über die man 30-Sekunden Snippets (so viele Sekunden braucht es wohl, damit die Datenbank von Spotify das als zu bezahlenden Song akzeptiert) im Endlos-Loop hören kann, um den Künstlern, die man besonders gern hat, etwas mehr Unterstützung zukommen zu lassen. Dufte? Sicher, aber sicher auch nicht auf ewig eine Lösung, da Spotify einen ähnlichen Versuch von Vulfpeck (das Album hieß passenderweise “Sleepify” und enthielt nur Stille in 30-Sekunden Stücken) nach ca. 20.000 Dollar Einspielergebnis gelöscht hat. “Violating terms of service” war die Begründung.

Wir nennen diese Versuche mal provisorisch Stream-Farming, in Anlehnung an das Gold-Farming in MMOGs. Und was ist Streaming letztendlich, wenn nicht eine andere Form von Massiv Multiplayer Online Game? Natürlich wird Stream-Farming in Zukunft immer am Rande der Legalität der “terms of service” arbeiten müssen (bzw. Arbeiten lassen müssen), aber wir vermuten, es wird dennoch eine massive parasitäre Industrie daraus entstehen, wenn die Download-Felder erst mal komplett abgegrast sind. Und das sollte mit dem Einstieg von Apple ins Streaming schneller geschehen, als so manchem Executive lieb sein dürfte, denn Apples iTunes hält bislang fast zwei Drittel des Downloadmarktes. Bricht der weg, weil auch die ehemaligen iTunes-Download-Nutzer nur noch streamen, brechen auch (schätzen wir) 15% der Einnahmen der Musikindustrie weg. Und die gesamte Musik-Ökonomie wird neu aufgemischt.

Wir empfehlen also cleveren (und leicht sarkastisch veranlagten) Musikern zusätzlich zum Blick auf die Abgründe der Stream-Farming-Minen immer einen Mini-Tune auf jedem Release parat zu haben, ganz nach dem Vorbild von Demolition Man (Musik = Werbung = Musik = Oldies = Goldies).

Irgendwas knapp über 30-Sekunden, spart Zeit, spart Geld, bringt Gold! Ist ja schließlich auch eine künstlerische Herausforderung, wenn man sich beschränken muss. Und nennt die Mini-Tunes nicht auch noch auffällig offensiv charmant den “Wie ich Streaming melke”-Mix. Ja, wir glauben auch, dass es bei den Mini-Tunes ein nicht zu unterschätzendes Advertorial Crossover-Potential gibt, aber übertreibt es damit bitte nicht. Und bitte vergesst auch nicht die armen ausgebeuteten Farmer in emerging markets und die ganze Energie die der Wahnsinn frisst (all die Atomkraftwerke, die das Internet so für’s Streaming braucht!). Und denkt an die Spätfolgen, wie parasitäre Inflation, e-waste etc. Also macht eure Jingles möglichst “sustainable” bzw. denkt zumindest zusätzlich darüber nach, dass ähnlich wie Fake-Facebook-Likes, all das eine recht flüchtige und obendrein imperiale digital neokoloniale Ökonomie ist. Denkt also besser zusätzlich noch an block chains (wie bei Bitcoin) als Zukunft, distributed stream farming und so, vielleicht auch gleich Richtung Stream-Coins. Oder, noch besser, denkt einfach bei der nächsten Vertragsunterzeichnung vor allem daran, alle Passagen die nach Streaming riechen, komplett zu überdenken.

Optimistischer Ausklang…

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