Kurz vor Veröffentlichung ihres neuen Albums „III“ und vor dem Beginn der kommenden teilweise bereits ausverkauften Tournee habe ich mich mit Gernot Bronsert von Moderat unter anderem über die Anstrengungen einer Albumproduktion unterhalten. Trotz des großen Erfolgs ist die Band erstaunlich bodenständig geblieben und macht weiterhin nur die Musik, die ihnen selber gefällt. Von Julius Brodkorb

Habt ihr bei diesem Album etwas anders als beim letzten gemacht und wenn ja was?

Gernot Bronsert: Sagen wir es mal so – wir haben länger gebraucht als wir vorher dachten und wir haben die Platte mit einem anderen Ansatz als die letzte gemacht. Beim zweiten Album hatten wir ein wenig eine Selbstfindungskrise, weil wir solange Pause dazwischen hatten. Da waren ja fast sechs Jahre dazwischen. Bei dieser Platte jetzt kamen wir ja noch relativ frisch von der letzten, dadurch ist uns das irgendwie leichter gefallen. Ich glaube, das war der generelle Hauptunterschied, dass wir noch ein bisschen im Flow waren. Daher sind die Songs von „III“ dem von „II“ ähnlicher als dem ersten Album. Außerdem haben wir uns ein bisschen mit Songwriting befasst.

Abgesehen davon, dass es diesmal länger gedauert hat, gibt es noch andere Dinge, die du beim nächsten Album anders machen würdest?

Gernot Bronsert: Ja, definitiv! Wir sind uns alle einig, dass wir wegfahren müssen, wenn wir das nächste mal eine Platte machen. Weg von allem, was mit dem alltäglichen Leben zu tun hat, weil man sonst zuviel Ablenkung hat. Man hatte jede Menge andere Sachen um die Ohren und dadurch hat alles relativ lange gedauert.

Ist auch manchmal die Konstellation mit drei Personen problematisch und eine vierte neutrale Person wäre hilfreich?

Gernot Bronsert: Wir haben ja Szary, der ist ja neutral. Es ist ja nicht so, dass es eine Modeselektor/Apparat-Kombination ist, sondern eine Gernot/Szary/Sascha-Kombination. Aus der Hinsicht ist es schon sehr ausgewogen und das ist auch jetzt nicht das große Problem.

Ich hab beim ersten Hören des Albums bzw. des ersten Stückes „Eating Hooks“ gedacht, dass das schon in Richtung klassischer Popmusik geht, aber beim zweiten Stück „Running“ hört man sofort wieder den Club-Background durch. Wie wichtig ist euch dieser Hintergrund noch?

Gernot Bronsert: Das ist ja ein bisschen meine Aufgabe, auch wenn ich es nicht unbedingt Club-Sound nennen würde. Ich es würde es eher als Live-kompatibel spielbar bezeichnen, denn richtige Club-Musik wollen wir ja nicht machen. Man könnte es auch funktional nennen. Das ist nach wie vor sehr wichtig, aber bei weitem nicht so wichtig wie mit Modeselektor beispielsweise. Wir genießen ja letztendlich die Situation, dass man nicht mehr dem ganz so speziellen Klischee des jeweiligen Projekts wie Modeselektor oder Apparat gerecht werden muss und man etwas eigenes machen kann. Ich würde schon sagen, dass die neue Platte im Wesentlichen poppiger ist, im Vergleich zu den Sachen, die wir davor gemacht haben. Das hat einzig und allein damit zu tun, dass wir das neue Element von Saschas Stimme einfach besser benutzen können.

Ich meine auf dem Stück „Ghostmother“ sogar Bläser gehört zu haben.

Gernot Bronsert: Wir hatten ein richtiges Brass-Ensemble im Studio. Wir haben aber auch Strings aufgenommen und richtig viele Schlagzeug-Sessions gemacht, allerdings haben wir am Ende davon wenig oder gar nichts genutzt. Aber wir haben sehr viele Analog-Sounds erzeugt, mit Modularsystemen oder Percussions aufgenommen, auf Euro-Paletten rumgekloppt.

Ich kann mich noch an eine Clap-Session erinnern, als ich bei euch im Büro war. Ich kam herein und niemand war im Büro, weil alle zum Klatschen in einem Hinterzimmer verschwunden waren.

Gernot Bronsert: Stimmt, das war für das Stück „The Fool“.

Sebastian Szary, Sascha Ring & Gernot Bronsert (Foto: Flavien Prioreau)

Sebastian Szary, Sascha Ring & Gernot Bronsert (Foto: Flavien Prioreau)

Bei eurer letzten Tour wollte ihr ja ursprünglich keine Visuals, seid dann aber wieder davon abgerückt, als es um die Realisierung ging. Dennoch habt ihr ja mit der Pfadfinderei eine innovative Lösung für die Visuals gefunden. Gibt es schon etwas über die kommende Tour zu sagen?

Gernot Bronsert: Wir versuchen mal wieder zu reduzieren, wie schon beim letzten Mal. Schauen wir, ob es klappt. Wir sind gerade in der heißen Phase, aber darüber erzählen kann ich jetzt gerade noch nichts. Wir wollten ein bisschen von dem Objekt weg, das man auf der Bühne hat, was so einen hohen Wiedererkennungswert wie das Kreuz von der letzten oder das Triptychon von der ersten Tour hat. Der Focus soll jetzt mehr auf uns gelegt werden, wir sind mittlerweile etwas mehr bereit, aus der Anonymität zu treten.

Die Tour selber war dieses Mal extrem schnell ausverkauft und musste oft hochverlegt werden, obwohl das Album nicht mal erschienen ist. Habt ihr damit gerechnet?

Gernot Bronsert: Damit haben wir natürlich nicht gerechnet. Das war schon überraschend. Ich kann dir auch nicht sagen, warum das so ist. Das ist natürlich schon ein Unterschied, das letzte Album war in den Deutschland auf Platz 10 in den Albumcharts. Aber eigentlich geht es uns in erster Linie darum, eine coole Platte zu machen und tolle Konzerte zu spielen.

Singt Szary eigentlich wieder die zweite Stimme auf dem Konzert?

Gernot Bronsert: Ja, und auf „Ghostmother“ haben wir sogar alle drei gesungen. Das werden wir beim Konzert wahrscheinlich auch tun.

Euer Label 50WEAPONS ist ja jetzt Geschichte, ihr habt die Anzahl der Releases auf 50 beschränkt und die sind alle erschienen. Gibt es schon ein neues Sublabel-Projekt oder bleibt Monkeytown erstmal euer einziges Label?

Gernot Bronsert: Erstmal sind wir mit Moderat beschäftigt.

Und was machen die ehemaligen 50WEAPONS-Artists jetzt?

Gernot Bronsert: Phon.o ist jetzt auf Tectonic, Cosmin TRG ist sowieso mit seinem eigenen Label beschäftigt und um den Rest mache ich mir auch keine Sorgen.

Zum Abschluss noch mal ein aktuelles Thema, der Golden Pudel, in dem ihr ja oft gespielt habt, hat gebrannt.

Gernot Bronsert: Ich hab Ralf (Köster, einer der Macher des Pudels, Anm. d. Red.) gleich angerufen, als ich das gelesen habe. Wir haben ja gerade im Pudel unsere 50WEAPONS-Closing-Party gemacht und dadurch war unser letzter Besuch ja noch ganz frisch. Da haben wir auch schon von der Versteigerung gehört. Das ist natürlich schlimm und man kann spekulieren, was da passiert ist, aber das sollte man anderen überlassen. Da gab es ja im Vorfeld schon genug böses Blut. Aber tragisch ist es schon, denn das ist schon der geilste Club Deutschlands, das muss man mal so sagen, der Club mit den coolsten Bookings der Welt. Die Sonntagsveranstaltungen von Ralf Köster waren die erste Liebe, die wir außerhalb von Berlin erfahren haben. Wir hatten gerade unsere erste Platte rausgebracht und die waren sofort bei uns auf der Matte. Die sind halt wahnsinnig an Musik interessiert und haben sich dadurch auch einen Kultladen erspielt. Jeder hat dort oder möchte dort spielen. Ich kann mich noch an unsere erste Modeselektion-Tour vor etlichen Jahren erinnern, wo wir mit SBTRKT, Ramadanman und Siriusmo im Tourbus unterwegs waren. Am Sonntag haben wir dann Zwischenstopp im Golden Pudel gemacht und da begann auch direkt die große Liebe zwischen Ramadanman aka Pearson Sound und dem Club, so dass er direkt zwei Monate dort mit Pangaea und Ben Ufo gespielt hat. Das ist einfach ein wichtiger Ort für Hamburg und eigentlich auch für Deutschland und den gilt es zu erhalten.

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