Eddy Cue, Taylor Swift und die Macht von passiv-agressiven Strategien

Ihr dürftet es mitbekommen haben. Erst kam der Aufruhr der Indies über Apples dreimonatige Einführungsphase von Apple Music, ohne einen Cent an die Künstler zahlen zu wollen (so hatten das die Major-Label mit Apple ausgemacht). Von Apple kam darauf hin kein Wort. Die übliche Funkstille aus Cupertino halt.

Aber dann kam Taylor Swift! Erst mit der üblichen Ansage: mein Album könnt ihr euch für euer Streaming an den Hut stecken (das macht sie mit Spotify auch nicht anders). Dann aber mit einem Brief, der alle Register zieht.

Apple ich hab dich so lieb, aber du raubst die armen Künstler aus, wirklich Apple, du bist toll, wir könnten dich alle knuddeln, aber das ist doch echt unfair, oder? So der Tenor. Voll mit perfekt durchexerzierten Klassikern des passiv-agressiven Trotzverhaltens. Hätte man besser nicht machen können. Hätte auch niemand anders so machen können ausser Taylor Swift.

Taylor Swift der Robin Hood der Entrechteten (mit allein 59 Millionen Twitter-Followern um die Tumblr, Instagram, YouTube etc. Massen nicht aufzählen zu müssen). Das wiegt schwer in einem Musikbusiness, in dem ein paar wenige Stars schon mal über die bottom line des gesamten Business entscheiden.

Und dann diese Tweets:

Tweets, die Apple auf einen Schlag mindestens zweistellige Millionenbeträge kosten dürften. Die teuersten Tweets überhaupt könnten wir uns vorstellen. Und war Taylor Swift dafür verantwortlich? Ja.

“When I woke up this morning and saw what Taylor had written, it really solidified that we needed to make a change. And so that’s why we decide we will now pay artists during the trial period.”
Eddie Cue Quote von Hollywoodreporter.com

Eddy Cue (Apple’s senior vice president of Internet Software and Services) hat natürlich auch noch eben mal bei Taylor durchgeklingelt. Wir sind fast verwundert, das die ganze Geschichte nicht mit ein paar Herzchen-Emoticons garniert wurde.

So schräg das alles klingen mag und so sehr wohl niemand glauben sollte, dass Apple so etwas wirklich mit einem lapidaren Tweet entscheidet (vermutlich lag der Plan eh die ganze Zeit im Giftschrank), es ist trotzdem verblüffend (und in gleichem Maße erschreckend wie hoffnungsvoll), wie eine einzige Stimme eine solche Macht über radikale Veränderungen in der Musikindustrie haben kann. Definitiv aber zeugt es davon, dass die großen Damen der Popmusik tatsächlich derzeit das Geschäft fundamental beeinflussen können. Eine Stärke, die sie hoffentlich in der kommenden Zeit bewahren und einsetzen werden.

Darauf gerne noch mal das Superheldinnen-Video von Bad Blood (obwohl ich eigentlich nur Shake It Off mag).

Update: Wie viel Apple während der dreimonatigen Testphase zahlt, weiss übrigens niemand und wird auch wohl erst viel viel später mal herauskommen, falls jemand sein Statement im Nachhinein veröffentlicht.

Cue says Apple will pay rights holders for the entire three months of the trial period. It can’t be at the same rate that Apple is paying them after free users become subscribers, since Apple is paying out a percentage of revenues once subscribers start paying. Instead, he says, Apple will pay rights holders on a per-stream basis, which he won’t disclose.
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