Streaming entdeckt derivative Inhalte, aber die Probleme werden absehbar nicht weniger.

Es ist noch nicht so lange her, da wurde klar, dass man auf Apple Music jetzt auch die eigenen DJ Mixe streamen kann und nicht nur den hauseigenen Apple DJs zuhören darf. Das ganze wurde (und wird) realisiert über MixBank, einem Service von Dubset und soll für eine gerechte Verteilung der Gelder sorgen, d.h. KünstlerInnen bekommen etwas ab, auch wenn ihr Track sich in irgendeinem Mix befindet. Ja sogar DJs sollen irgendwie beteiligt werden.

Das Ende von Soundcloud wurde ausgerufen. Wie jedes Mal, wenn es irgendeine Neuigkeit im All zwischen Streaming und DJs zu melden gibt. Und jetzt ist Spotify dran. MixBank hat gemeldet, dass auch sie jetzt DJ-Mixe über den Service von Dubset bekommen werden. Hintergrund dürfte sein, dass die “Dance Music Streams” das am stärksten wachsende Streaming-Segment überhaupt sind. Wer würde darauf verzichten wollen?

Und schon wieder wird das Ende von Soundcloud ausgerufen. Der Grundärger mit Soundcloud, dass man Mixe hochlädt, Tracks von dem Algorithmus erkannt werden, die Mixe nicht veröffentlicht werden dürfen, hat für viel Ärger in der Community gesorgt, Spekulationen gar, dass Soundcloud sich ganz und gar von Mixen verabschieden würde (was Soundcloud selbst heftig dementiert).

Warum jetzt alle blind glauben, das wäre auf anderen Plattformen anders, besonders wenn sie einen Fokus auf Rechteinhaber haben, bleibt ein Rätsel. Wer sich bei Mixbank genauer umsieht, wird feststellen, dass es dort einen sehr komplexen Ablauf für die Veröffentlichungen von DJ Mixen gibt. Alles wird da kontrolliert. Und nicht nur von Algorithmen, sondern von Mixbank Admins und den Rechteinhabern zusätzlich.

Klar ist: hat ein Rechteinhaber einen Track nicht für das Streaming freigegeben, dann wird auch der schönste DJ Mix auf dem Weg über Mixbank zu Apple Music und Spotify steckenbleiben.

Und auch beim Format muss man aufpassen, denn Apple Music z.B. will nur FLAC oder WAV. Ja sogar das Artwork ist streng vorgeschrieben. Das beste aber: Einen Mix über Mixbank auf Apple Music platzieren geht gar nicht.

About Apple Music: Apple Music is not currently accepting or distributing mixes at this time. To find out more about best practices for distributing your “unofficial” remixes to Apple, click here. Mixbank Help

Und ist der Mix via Mixbank dann doch mal irgendwo angekommen, dann gibt es für Künstler denen z.B. aus irgendeinem Grund die Existenz eines Mixes nicht gefällt immer noch die Möglichkeit eine Takedown Notice anzustreben.

Die glorreiche und als so einfach versprochene Zukunft der derivativen Werke (DJ Mixe, Remixe, Mashups etc.) in Streaming Services hat also jede Menge legale Fallstricke und Gatekeeper.

Wie genau sich dieses trotzdem wünschenswerte System ausbildet ist bislang überhaupt noch nicht abzusehen, von der Idee, dass man darüber unkompliziert mal eben einen DJ Mix hochladen kann und die Welt einem zujubelt, während irgendwo für alle im Hintergrund magisch Gelder generiert werden, darf man aber getrost vergessen.

Und wir sind noch nicht mal da angekommen, wo es von der Präsenz eines Mixes zur Popularität kommt. Denn zum einen verschwinden die Mixe ja manchmal hinter der Paywall (bei Apple Music z.B.) und sind dort befreit von den üblichen Freundschaftszusammenhängen (social ist Apple nicht gerade), zum anderen ist überhaupt nicht klar, in welcher Form DJ Mixe z.B. bei Spotify wirklich in den eigenen Spotify-Kosmos integriert werden.

Ja, die Streaming Services werden mit ihrer Öffnung zu derivativen Werken ein weit größeres Portfolio anzubieten haben, man wird mehr Musik hören können, aber wie man sie finden wird, ob die Direktheit der Verbindung von DJ zu Hörer wie bei Soundcloud auch nur annähernd mühsam wieder erreicht werden kann, all das ist völlig unklar.

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