Nur nicht wirklich mit so vielem kompatibel

Roli Bocks sieht auf den ersten Blick so aus, als hätten die Macher des relativ sensationellen Seaboard Rise jetzt ein Stück von ihrer Noise App für iOS in Hardware umgesetzt. Und dann fragt man sich natürlich gleich: warum? Da ist doch schon ein Touchscreen, der einiges kann.

Da die Webseite eigentlich nur beschreibt, wie man den immerhin 200 Euro teuren Controller (die beiden Mini-Toolbars kosten noch mal je 100 Euro extra) mit der App nutzt, dürfte jeder, der Roli nicht kennt, zunächst mal stutzig werden, warum man 400 Euro für ein paar schicke Controller nur für eine iPhone-App ausgeben soll.

Was sie nur im Kleingedruckten und nach einer etwas übertriebenen Scroll-Orgie sagen, ist, dass der Lightpad Block genauso über USB und Bluetooth als Midi-Controller dienen kann. Die Besonderheit: wie das Roli Seaboard versteht er sich auf MPE, aka Multidimensional Polyphonic Expression.

Über mehrere MIDI-Kanäle für einen Sound lassen sich mit MPE noch mehr Parameter gleichzeitig kontrollieren. Vorausgesetzt man hat die richtige Software, denn mit Bitwig, Logic, Max, GarageBand (?) und ein paar anderen funktioniert das teilweise problemlos, Ableton aber z.B. stellt sich quer und erfordert mindestens viel Gefussel, wenn man es überhaupt nutzen will. Welche Instrumente in diesen DAWs dann damit können (oder überhaupt davon profitieren) ist noch mal eine andere Frage.

MPE jedenfalls wurde extra für Controller entwickelt, die eigentlich mehr könnten als ein Kanal MIDI begreifen würde und die Blocks (zumindest das Lightpad) sind welche dieser Art. 5D Touch nennt Roli das überschwänglich. Die Beschreibungen für die Blocks sind auch voller Buzzwords: “Modulares Musikstudio”, “Lego”, “Demokratisierung der Musikproduktion”, “Steve Aoki”.

Das Lightpad ist ein drucksensitives Minipad mit LED Leuchten im Hintergrund, das wohl 25 Noten oder 16 (bzw. 4) Drumpads abbilden kann. Mit den Zusatz-Blocks lassen sich dann andere Funktionen der App (möglicherweise auch umständlich konfigurierte Midi-Befehle) ansteuern. Loops, Scales, etc. Warum man dafür zwei einzelne brauchte ist etwas unklar. Auch warum man mehrere von diesen Blocks kaufen soll, wenn man die Funktionen der beiden kleinen Controller ebenso auf dem iPhone oder iPad regeln kann, weiss ich wirklich nicht, aber so ist das halt modularer. Ein gutes Buzzword, aber, wie schon bei der Mac Touch Bar, man vermutet dahinter irgendwie auch nur eine Auslagerung einer Toolbar in teure Hardware.

Es bleibt auch sehr undurchsichtig, was genau die 5 Dimensionen hier sein sollen, Glides, Vibrato, Velocity und…? Snarerolls? Auch der Versuch, ständig die “Anfänger” anzusprechen wirkt etwas unbeholfen, denn am Ende bedient der dann ja wirklich nur diese eine App, Noise. Die ist nett, aber viel mehr auch nicht und hat weder IAA, noch Audiobus noch Link. Ihr fehlt also sehr viel, was man als jemand, der Audio-Apps auf iOS kreativ auch als Anfänger nutzt, eigentlich braucht.

Nicht falsch verstehen, es gibt sicherlich gute Gründe so ein Lightpad einsetzen zu wollen, aber die liegen in einem Bereich, den Roli selbst kaum anspricht und der dank spärlicher Unterstützung und umständlichem Einsatz von MPE für viele auch noch eine Weile verschlossen bleiben sollte. Wer aber ein Roli Keyboard hat und sich ähnliche Variabilität und Sensitivität in einem Pad wünscht, für den ist so ein Lightpad sicherlich ein Schnäppchen, zumindest falls klarer wird, was es wirklich kann.

Ich würde z.B. gerne noch wissen, wie man die einzelnen Pad-Konfigurationen im Lightpad umschaltet, wenn man keine Zusatz-Blocks gekauft hat und Noise als App nicht verwenden will.

Leave a Reply