Nein, diese Platte ist nicht von damals, als die Welt noch in Ordnung war, weil man die Zukunft gerade in Detroit entdeckt hatte… auch wenn ich keinerlei Vorstellung davon habe, wie man sie hören kann, ohne diese Geschichte gelebt zu haben. Antenna ist aus der Ukraine (mittlerweile, könnte auch schon ewig so sein, Rotterdam), aber spielt das eine Rolle? Nur wenn man doch noch mal eben nachsehen musste, ob einem Clone da nicht doch ein übersehenes Meisterwerk aus den 80ern neuaufgelegt reinmogeln wollte.

Wichtiger: er könnte ca. 99% aller Acts beibringen, wie Gesang in House wirklich funktioniert. Wie untrennbar so ein “I want to say nothing, at the lake of X” mit der Magie des Tracks verbunden ist, wenn es nur in seinem einfachen Hallraum so perfekt, wie ein in den scheibenglatten See gefallener Stein, seine Kreise durch den Track zieht. Antenna scheint es zu lieben, die einfachen Dinge des Lebens (eine Melodie, ein Groove, eine Bassline, ein Plinkern) weniger als Dichte zusammenzuschmelzen, als vielmehr in ihrer klaren Einzigartigkeit durch die Räume perlen zu lassen. Die Stille im Hintergrund ist wie ein Rausch, der nicht Minimalismus sondern die Klarheit der überschaubar direkten Intensität nur noch deutlicher macht.

Wenn ich verliebt wäre (mach dir nichts vor!) würde ich jetzt eine halbe Stunde über die Intonation von “thing” in “nothing” reden.

“Atomic” ist auch so ein Track, der einen mit seiner klaren Schönheit (die Nostalgie am Anfang, haben wir längst verinnerlicht und vergessen, sie ist bestenfalls noch Gefühl) sofort anblitzt. Langatmig gewundene Basslines, klingelnde Melodien, Strings wie ein Sommerwind, angedeutete Harmoniewechsel, kurze Szenen in denen die klassische Drummachine ihren quantisierten Funk ausleben darf, mehr, mehr, mehr… Selbst so nach dem Break den Fader nicht ganz in time hochzuziehen, wird hier als überschwängliches Glück empfunden.

Und selbst wenn die Klänge mal etwas angezerrter sind, wie auf “Harpy Dance”, spricht aus jedem Ton dieses Glück der elementaren Momente. Ein kleiner Rückwärtsloop, dieser eine Ton, der sich so badend in der eigenen körperlichen Mechanik streckt, wie ich das nur von meinen Katzen kenne, dieses kurze Tänzeln auf den Vokalen einer unwirklich zarten Stimme, die knuffige Bassline. Wie er es schafft, aus dieser Aufzählung von Momenten einen Track zu zaubern, der so weich, funky, geschichtsverliebt und doch frisch zugleich strahlt, bleibt für mich ein Geheimnis, egal wie offen diese Platte sich gibt.

Wenn Musik eine Geschichte erzählt, weil sie ein Bild aufruft – auf “New Life” wäre das irgendwas zwischen einer Sonnenuntergangssteppe und der glitzernden Mechanik eines Stahlgerippes – dann ist es aber auch kein Wunder, wenn die Erzählung völlig anderen Mustern folgt: Schwellwerten, einer organischen Mechanik des Überlaufens, einer Konkretion durch uneingrenzbare Wiederkehr, Schleifen, Resonanzen. Und selbst wenn es Vocals gibt, so wie hier, ist es konsequent, wenn sie unlesbar, unverständlich bleiben, aber sich doch in ihrer Nähe zu ähnlichen Stimmen im Houseuniversum ganz konkret “verstehen” lassen.

Ich denk’ jetzt nicht weiter drüber nach, ich hör die einfach noch mal, macht süchtig.

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Schreibmaschine. Tippse. Reviewweltmeister und so Dinge.

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