Es gibt Platten, denen muss man ganz viel Raum geben. Fontarrian forciert das auf seiner EP für disko404 mit einem Eingangsstück, das sich genüsslich über 16 Minuten schleift. Das lässt man dann am besten auch, wie den Geruch aus einem im Topf schmorenden Eintopf, langsam die Wohnung füllen. Das muss alles volldampfen, mit seinen kleinen verdrehten Schleifen in die hintersten Ecken kriechen, zu einem Wesen werden, in dem man überleben möchte, in dem man den Titel in seiner ganzen Schlichtheit aufnimmt: “To desire things that will destroy you in the end”. Wenn man schon aufgegeben hat, es loswerden zu wollen, aber dieses Aufgeben als Hingabe empfindet, dann beginnt der Track erst zu atmen, seine dekonstruktiven Loops fangen an in diesem unwahrscheinlichen Verständnis der Maschinen in Zusammenhängen zu leben, die in jeder Sekunde neue Verbindungen in der Einfachheit ihrer nebeneinander ihre Kreise ziehenden Drehungen finden. Die Machtlosigkeit des Verstandes gegenüber der knäuligen Wirklichkeit. Anytime.

Die Rückseite der EP ist klassisch musikalischer (hey, Beats!), aber immer noch von diesem ephemeren Glück beseelt, dass Musik nicht als etwas sieht, das man bestimmen kann, sondern als eine Erzählung, die von weither einfällt, die Stimmen, Klänge und Grooves eher wie eine Landschaft inszeniert, in der die Entdeckungen hinter den flauschig vertrackten Elementen wie ein Stein umgedreht werden wollen unter dem sich die nächste Welt wie ein Gewusel von unwahrscheinlichen Tieren offenbart.

Für “moon’s space, an aged dream” begibt sich die Platte auf die Reise leicht verdrehter Orgelsounds und kaputter Alleinunterhalter-Grooveromantik, die mit bluesigem Soul dennoch wie die Brandung von Lichtwellen am nachtleuchtenden See aufschlägt.

Digital (Bandcamp!) endet “Meta-Finite” mit einem weiteren dieser um die Ecke gedachten inneren Funkmomente, die Hoffnung, Verlassenheit, den Moment des Zögerns vor dem Glück und die Auflösung in diesen Zwischenräumen zur dieser Perfektion umgestalten, die man nicht erreichen muss, weil man mit ihr zusammen auf eine Nähe hintreibt, aus der es keinen Ausweg geben braucht.

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