Es gibt einen gewissen Futurismus, der wird nie alt, egal wie sehr er sich im Laufe seiner Existenz von Oldschool-Mythen, -Geschichten und -Erfahrungen überlagert hat. Das gilt definitiv für das “Goldene Zeitalter” von Drum and Bass. Das kommt nie zurück, ist aber in all seinen Versprechen immer noch genau so präsent, wie es in den 90ern war. Und warum wir darüber reden, vermutlich schon wieder? Weil es ein Metalheadz-Album gibt, dass diese Zeit neu aufrollt.

Es dürfte ein Zeichen sein, dass das Album von OneMind mit “The Timeless” beginnen darf. Schließlich weder irgendein Titel, noch eine Selbstverständlichkeit auf einem Label wie Metalheadz. Aber eine Ansage. Vom ersten Moment an sitzt dieser Track so tief im dem Sound, den Metalheadz Mitte der 90er mitbestimmt und vorangetrieben hat. Die lockeren Breaks, die schnittigen Filter, diese Fähigkeit Gewalt und Schönheit zugleich auf einen Punkt bringen zu können, dieser Moment in dem alles im Groove untergeht und Sounds zu einer Sprache werden, die, einmal verstanden, einfach alles sagen kann.

Was OneMind aka James Rowbotham und Stephen Redmore, beide schon mit ein paar EPs auf Metalheadz zusammen, aber auch mit ihren Projekten DLR und Mako einzeln eine Weile präsent, hier schaffen, ist genau das: diesen Moment neu Aufgreifen, diese Sprache perfekt sprechen, in Drum and Bass Tracks, die damals, heute und morgen noch futuristisch klingen. Völlig losgelöst von der Zeit. Die meisten der Tracks hätten so auch rings um 1995 erscheinen können, sie wären gefeiert worden, als neueste Offenbarung eines Sounds. Und das ist hier keine Nostalgie, sondern ein Lob, nicht nur für die Köpfe, die immer noch glauben, dass nach damals dieser Punkt sowieso nie übertroffen wurde.

Dabei können sie alles, vom verträumten sphärischen Roller, dem massiv geschliffenen Killerbreak bis hin zum vertrackt dubbigen Steppertrack. Und es geht um weit mehr als dieses Können, das Abarbeiten an einer Logik von Sound, denn diesen Sound mit genau dem Leben zu füllen, der jeden Track essentiell macht, die nicht selten angedeutete Spiritualität aufzurufen, aber dennoch immer slammend einzusetzen, als hätte man gerade das allererste Mal Source Direct, Dillinja oder all die vielen anderen entdeckt, das geht weit darüber hinaus.

Ein Fest dieses Album und irgendwie immer noch verwirrend, dass es genau so jetzt erscheinen kann. Und vielleicht ist genau das das Testament von Drum and Bass, selbst dort, wo es sich nicht vom Fleck zu bewegen scheint, sein Zukunftsversprechen immer noch genau so erfüllen zu können.

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