Berlin in den 80ern, zwei Filme

In der Arte Mediathek gibt es ab heute den “B-Movie” zu sehen, der von Berlin in den frühen 80ern aus der Sicht von Mark Reeder erzählt, den die meisten sicher als Macher des Trance-Labels MFS kennen, der aber mit Die Unbekannten und anderen auch ein paar eher kurzlebige Bands in den 80ern hatte.

In einer sympathischen linearen Erzählweise, die vor allem historische Bilder (aus einem riesen Fundus), gelegentlich mal Neuinszenierungen zeigt, geht es um die Entdeckung der Stadt aus dem Blick eines Mancunians mit einem Hang zu deutscher Elektronik. Das kaputte Berlin, total sexy, die Hausbesetzer, die Straßenkämpfe und natürlich Musik, Musik, Musik.

Das klingt mehr und mehr wie ein Märchen und auch wenn das Intro auf die Fiktivität der Handlung und Geschichte hinweist, wirkt das wilde Berlin am Ende doch fast wie aus einem Spielfilm. Ein Hauch zu schön in seiner Kaputtheit, zu glatt in seiner Rebellion, zu sehr vielleicht an ein paar Größen dieser Zeit orientiert.

Muss man aber dennoch unbedingt sehen, nicht nur weil es so verführerisch inszeniert ist, sondern weil die Szenen aus dieser Zeit einen dann doch immer wieder mitreißen und B-Movie diese Szene eben in einer solchen Perfektion inszeniert, die die Sehnsucht, die es erzeugt, kaum ausweichbar macht.

Eine direktere Herangehensweise liefert der Film von 1984 über das SO 63 von Manfred Jelinski und Jörg Buttgereit, den man auf YouTube sehen kann. Da rollen stellenweise so schräge, den meisten sicher völlig unbekannte Bands so unvermittelt wild durch das Bild, die die Berliner Musikszene ein paar Jahre später immer noch in diesem Trubel der frühen Tage halten, dass man sich irgendwie unmittelbarer dabei fühlt und mehr das Gefühl bekommt, dass die Grenze, die Mauer und die politische Situation überhaupt gar keine Rolle spielt, weil Berlin eben doch eine Insel war, in der man über den eigenen Kiez nicht unbedingt hinaus muss.

Am besten sieht man sich beide zusammen an, dann rundet sich das Bild der Szene von 80 bis 85 sehr gut ab.

2 Responses

  1. KID

    Super! Gerade auf FB gesehen, danke für den Hinweis! :)

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  2. Stylons.de

    Hier in Berlin sind wir ja echt gesegnet, weil der Streifen noch immer in zahlreichen Kinos zu sehen ist.
    Für alle anderen, war das Screening auf Arte echt ne super Sache.
    Vor allem auch, da der Film ja erst im Sommer erschienen war, ist so ein frühes Free-Screening lobenswert und bestärkt mich in meiner Liebe zu Arte.

    Cheers,
    B

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