Bomb Girls meet Mad Men feat. Oppenheimer

Erinnert sich noch jemand an die Zeit in der Männer noch Männer waren und Atombomben bauten? Frauen hießen damals Computer und waren zu Überstunden mit frischen Strümpfen zu überreden.

Das Manhattan-Projekt bekommt seine eigene Serie. Nach dem Halberfolg von Salem geht die erst zweite Serie des eher unbekannten Kabelsenders gleich in die Vollen. Der Rüstungswettlauf schlechthin. Konzeptuell Salem nicht ganz unähnlich ist auch hier eine lockere Mischung aus Geschichte und Fiktion angesagt. (Haben die Kinder der mexikanischen Haushilfen nun Läuse oder Krebs?) Und auch hier hat man sich mit Thomas Schlamme (West Wing) einen Serien-Star als Regisseur ins Boot geholt.

In der staubigen Szenerie der Wüste, mit den immer etwas steifen Verkleidungen der 40er, wird der Spagat versucht zwischen überlastetem Physik-Genie und nuklearer Familie in Rüschenkleidern, die einem eine Welt zwischen Spionage, Wissenschaft, Macht, Militär, deformierten Wüstenprimeln und unheimlicher Normalität der US-Kriegsjahre nahebringen soll, einen nicht zu distanzierten Blick auf diese Ausnahmesituation zu schaffen.

Sollte das gelingen, wird es ganz am weiblichen Cast liegen, die vor allem viel Freizeit haben (aber auch um längen besser besetzt sind), während die Männer so in ihre Rollen zwischen Wissenschaftlern in panischen Nachtschichten, Geheimhaltungsphantasmen und Vorahnungen ihres zerstörerischen Kreativpotentials eingespannt sind, dass sie auch ohne die staubigen Anzüge holzig wirken müssen. Obendrein sind weder “ich bau die größte Bombe der Welt, ich bin so verzweifelt” noch “ich hab das tollste Equipment” noch “wir haben die größten Hirne” sonderliche Sympathieträger.

Immerhin wissen wir jetzt, das rechenfreudige Frauen früher “Computer” hießen, während die IBM-Dinger noch mit “Maschine” vorlieb nehmen mussten.

Als Social-Media-Kampagne haben sie sich übrigens selbstgebastelte Propaganda-Poster mit dem Hashtag #DontTalk ausgedacht, die das Geheimnis (blöderweise historisch ja jetzt weitestgehend ein offenes) ins Zentrum der Geschichte rücken sollen, aber den Nebeneffekt haben, dass man sie gelegentlich für realistischer und mehr in der Zeit empfindet, als die Serie selbst, deren Charaktere zu oft so wirken, als hätten sie eine Überdosis von Filmen aus dieser Zeit noch gut vertragen können, um nicht ganz so modern zu wirken.

MAN_Wild_girl_low res

Ob die Musik nun wirklich von Sigur Rós’ Jónsi und Alex Somers stammt, konnten wir nicht wirklich rausfinden.

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