Amazon Dash ist ein feiner fieser Trick

Amazons Krieg gegen den realweltlichen Einzelhandel geht mit Dash in eine neue Phase: Mit dem smarten Scanner-Schlüsselanhänger macht Amazon es noch einfacher, den Supermarkt oder den Tante-Emma-Laden als lebendigen Katalog zu benutzen, um dann günstiger und mit Bewertungen und Empfehlungen und Optionen angereichert online einzukaufen, natürlich bei Amazon.

Dash ist ein Zeichen dafür, wie gewieft-gefährlich Amazon ist. Es ist ein praktisches Werkzeug für Kunden und gleichzeitig ein Drohinstrument gegen die Amazon-Konkurrenz. Es zwingt Shops, Waren über Amazon zu verkaufen oder künftig Amazons Feature-Angebote wahrzunehmen: Nur ein Shop, der gemeinsame Sache mit Amazon macht, könnte etwa die vom Kunden Dash-gescannten Waren gefeaturt oder mit Sonderangeboten attraktiv gemacht zum Amazon-Kauf anbieten. Wer nicht mitzieht, könnte zum lebenden Katalog und Impulsgeber degradiert werden. Die Kunden lassen sich im Laden inspirieren und kaufen online ein – das machen sie nämlich eh längst; angeblich fast die Hälfte aller Mobilgeräte-Besitzer. (Und anders herum natürlich auch: Online informieren, offline einkaufen. Fast 40 Prozent aller Deutschen sollen so einkaufen.) Amazon gewinnt darüber hinaus mit Dash einen Wissensvorsprung gegenüber den Shops: Was die Kunden auch im Laden konkret interessiert, weiß dann plötzlich Amazon besser als der Ladeninhaber. Dieses Wissen wird nicht zu ihrer Gunsten verwendet.

Dash, finde ich, ist ein brillantes Gadget. Weil es geschickt die Nutzerinteressen, die Schwächen des Gegners und einen Mobilgerätetrend in ein Gerät zusammenfasst, das für alle beteiligten Nutzwert hat, nur nicht für Amazons Konkurrenz. So sehen böse Gadgets also 2014 aus (und wer nicht glaubt, dass das böse ist, muss sich nur den furchtbar widerlichen Clip anschauen und auf den Soundtrack achten.)

Bild: von Amazon

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13 Responses

  1. Amelie Q

    Die Werbung ist ein Graus, aber was hat es mit dem Soundtrack auf sich? Gepfiffel+Gitarrengeschrabbel=böse?

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  2. Stephan Kochen (@StephanKochen)

    Ein weiteres Lock-In Werkzeug für Amazon. Wenn man Kindle, Prime, Fire und Dash hat, kommt man gar nicht mehr auf die Idee, anderswo zu konsumieren! Der goldene Konsumenten-Käfig. Well played, Amazon… Well played.

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  3. sven vienne

    Brauche ich dafür wirklich einen Scanner? Mit ner App und der Handykamera geht das nicht?

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  4. clamm

    Okay… Ne Milchtüte und Schoko-Waffelröllchen würde ich wo vielleicht bestellen. Aber ich weiss auch, dass der Verbraucher sich beispielsweise stark nach Angeboten orientiert und demnach seinen Speiseplan zusammenstellt. Auch dient das Einkaufen immer noch als Ideenfindung im Allgemeinen (zumindest für mich) und wie das die Shoppingwelt im Grossen als Flanieren darstellt macht man doch auch gern in der Drogerie und Supermarkt, beim Gemüsehaendler und auf dem Markt. Also mein Gefühl sagt mir das wird nicht funktionieren… ich hoffe es. ich hoffe es!

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  5. Tamás

    Tante Emma Läden sind bestimmt nicht das Ziel. Wer da immer noch kauft tut das bewusst.
    Das ganze ist natürlich perfekt für die amerikanische Suburb-Lebenswelt, und geht eher gegen Walmart, Publlx, Wholefoods und wie sie alle heißen. Dort fährt man einmal die Woche paar Meilen in den Megastore und kauft die Milch und Säfte gallonenweise.

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  6. Das Wurstbrot

    Keiner wird gezwungen bei Amazon zu kaufen, sein privates Überwachungsgerät (SmartPhone) rumzuschleppen, oder gar auf Facebook sein Leben zu posten. Tut man schon nur einen dieser Parameter doch, muss man sich bitte darüber im klaren sein das man solche Auswüchse, Videos, incl. Zuckerschnuten-Blag-Gelaber + Fahrstuhlmusik erst möglich macht.

    Deal with ist…. fällt mir da nur noch ein.

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  7. Lesen mit Links

    […] Literaturwissenschaftlichen Systemtheorie. Da ich gerade in Zeeland schreibe gibt es neue Bilder im LesenMitLinks-Tumblr. Mit Max von Malotki war ich am Dienstag in 1LIVE Plan B on Air (kommenden Dienstag sprechen wir […]

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  8. fruler

    Familien-Einkauf im Supermarkt am Wochenende: Wer sich das freiwillig antut…..

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  9. Jott Els

    Man könnte auch einfach darauf hinweisen, wie unglaublich schädlich das Ganze ist, muss doch aber wirklich nicht mit diesem halbwegs positiv-löblichen Kritikgeschwurbel anfangen, dass sowieso alle benutzen um zu argumentieren, warum die ganze Welt böse ist, ausgerechnet SIE aber nicht selbst ihr Bankkonto wechseln sollten. Ich finde es grausam, dass ihr als Magazin dieser Schweinerei noch ein Forum bietet. Der erste den ich mit diesem Scheissteil in der Hand sehe bekommt die ganze Tüte glänzend-grüner Äpfel auf einmal in den Mund gestopft.

    Feines fieses Ding! Clever Amazon, du bist so clever, so böse, aber sexy! So clever. Kündigt euer Konto wenn ihr was gutes tun wollt, ab er redet nicht immer drüber und macht das Gegenteil, das nervt mich dermaßen.

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  10. Paca

    Hoffentlich bringt Amazon bald das AMAZONchew heraus, damit ich die Scheiße nicht mal mehr kauen muss.

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  11. Das Wurstbrot

    @Jott Els
    Lach… dich möchte ich sehen wie du deinen Arbeitgeber breit schlägst dir eine Lohntüte zu überreichen. :D

    Oder meinst du gar ein Amazon Konto???
    Wer hat das bitte wenn er weiß wie Amazon seine Arbeiter behandelt?
    Wenn du das sexy, oder clever nennst… bitte.
    Ich nenne dies eher übergreifende Raffgier, sowohl beim Kunden wie beim Verkäufer.

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