Mit rumpeliger Power-Rüstung

Neben der Tatsache, dass die dreissig Jahre alten Tabletopspiele Warhammer Fantasy und Warhammer 40K (die sich immer noch einer ganz aktiven Fanbasis erfreuen) der britischen Firma GamesWorkshop praktisch den Grundstein legten für heutige Strategiespiele, wie Command&Conquer oder Starcraft, kann man der Marke ausserdem zugutehalten, dass sie über viele Jahre hinweg ständig Bilder produzierte von Orks, Goblins, Space Marines, Battle Mechs, usw. und damit erheblich dazu beigetragen hat, wie die Figuren heute in Fantasy- und Sci-Fi-Videospielen aussehen: Kameo, Halo, Gears of War, alle Waffen, Monster und Rüstungen bei Warhammer schon dagewesen und in allen Variationen ausgearbeitet. Wie dem auch sei, es gibt sicherlich auch immer noch Hardliner, die alle ihre Modelle selbst zusammenbauen und bemalen und die ihre Armeen lieber auf Tischen, als auf Bildschirmen hin- und herschieben und die den medialen Transfer von Warhammer ins Virtuelle kritisch sehen – auf der anderen Seite fallen eben die Dinge, wie Basteln und Bemalen und die unzähligen Zahlen, Tabellen und das Würfeln bei den Versoftungen endlich weg und werden vom Computer im Hintergrund erledigt. Was bleibt in den Videospielen, das ist der typische Warhammer-Style von Orks und Space Marines und die Prämisse, dass Krieg herrsche und zwar ordentlich! Das muss man wissen, um die feine Ironie zu verstehen, die in der überzeichneten Gewaltdarstellung mitschwingt. Auch die gelegentlich in der Welt von Warhammer verwendeten faschistoiden Symbole sind am ehesten zu lesen, als derber Fantasy-Rollenspieler-Humor britischer Prägung.

Nachdem es also relativ lange gedauert hatte, bis die Marke Warhammer auch in Videospielen umgesetzt wurde, gibt es heute ein ganz erfolgreiches Warhammer MMO, Strategiespiele und auch Shooter von unterschiedlicher Qualität. Als ganz fruchtbar hat sich in der Vergangenheit die Zusammenarbeit mit dem Publisher THQ und den Entwicklern des kanadischen relic-Studios herausgestellt. Nach dem guten RTS-Spiel Dawn of War erscheint mit Space Marine jetzt wieder ein 3rdperson Shooter, mit dem weiter am Warhammer Universum gesponnen werden soll.

Im Mittelpunkt stehen die Space Marines, die überzüchteten Supersoldaten des Imperiums, die Hoffnung der Menschen im Kampf gegen die Ork-Horden. Als Captain Titus steigt man also in die ständig rumpelnde Power-Rüstung, nimmt Knarre und Motorsäge und macht sich auf den Weg. Was einen dann erwartet, kann man getrost als solide bezeichnen. Irgendwie fühlt man sich sicher in der Gestalt von Capitain Titus, denn großartige Überraschungen erwarten einen kaum. „Schalten Sie den Geschützturm der Orks aus“, oder „Treffen Sie ihr Team bei Point Alpha“ lauten die Ansagen und schnurstracks geradeaus ballert man sich durch Ruinenlandschaften und Industrieanlagen. Das sieht teilweise ganz schön aus, so dass man kurz innehält zwischen haufenweise abgemurksten Orks und sich fragt, wie es jetzt wohl weitergeht. „Geradeaus“ lautet dann die Devise, „hinter der nächsten Ecke lauert das nächste Selbstmordkommando.“ Glücklicherweise ist dieser Spielablauf gut gewürzt mit unterschiedlichen Waffen, einem flotten Wechsel zwischen Nahkampf und Schußwechsel, Spezialattacken und beeindruckend blutigen Finishing-Moves. Die Kämpfe (der eigentliche Zweck des Spiels) sind prima umgesetzt und abwechslungsreich. Der hektische Nahkampf mit dem Kettensägen-Schwert ist an der einen Stelle das probate Mittel, während bei den kräftigen Super-Orks eher die Bullet-Time empfohlen wird. In einigen Sequenzen steht einem auch ein Jet-Pack zur Verfügung, mit dem die ansonsten eher überschaubaren Level plötzlich noch eine Höhendimension dazugewinnen. Das Umherfliegen und der zusätzliche Stampf-Angriff machen Spaß. Leider bleibt der Einsatz des Jet-Pack ein seltenes Highlight.

So rumpelt man dann weiter in Richtung Ausgang, konsultiert zwischendurch die Arbeitskollegen und lädt die Munition nach. Alles ganz solide. Eine Taste fürs In-Deckung-Gehen und einen Koop-Story-Modus hat man ausgespart, vielleicht weil Space Marine dann einem Gears of War zu ähnlich geworden wäre.

Im Multiplayer Modus, den man auch am besten als solide bezeichnet stehen einem nach einigen Runden Deathmatch und Capture and Protect dann auch endlich einige Personalisierungsoptionen offen, so dass auch die pinselschwingenden-Warhammer-Fans zumindest ansatzweise Brust- und Schulterpanzer mit irren Symbolen verzieren können.

Insgesamt scheint Space Marine sich stark an Titeln, wie Darksiders, oder Gears of War (dessen dritter Teil gerade erscheint) zu orientieren. Das sind nicht die schlechtesten Vorbilder, aber es ist dann doch ein lustig verdrehtes Verhältnis, wenn sich das Videospiel Warhammer: Space Marine technisch an Gears of War orientiert, das sich damals an der Ästhetik von Warhammer orientiert hatte. Vielleicht kann man dann auch die Warhammer Hardliner verstehen, die sagen, dass das allerbeste Tabletopsystem nicht in mittelmässige Videospiele umgesetzt werden soll. Man hat einen Namen, dem es gerecht zu werden gilt. Das soll jetzt hier aber nicht heissen, dass Space Marine mittelmässig ist, es ist nur so, wie der letzte Teil von Gears of War- der neue Teil ist aber wie gesagt, gerade erschienen und der wird die Latte der 3rdperson Shooter wieder höher legen…

 

 

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