Die Freude, sagt man, die man aus einem schwer zugänglichen Stück der Musik oder Literatur ziehen kann, ist umso größer, je mehr man sich das Werk erarbeiten muss. Kann das auch für Videospiele gelten? Aber sicher, sagen die Entwickler von FromSoft und machen ihr Action-Rollenspiel Dark Souls zu einer richtig hart zu knackenden Nuss. Man könnte meinen, dass dies eine Antwort sei auf den Trend des „dumbing down“, den Kritiker in Produkten der Kulturindustrie erkannt haben wollen und durch den ein intellektuelles Niveau künstlich niedrig gehalten wird, um breitere Konsumentenschichten anzusprechen. Beispiele gäbe es sicher viele, wobei man da gar nicht immer eine böse Absicht unterstellen muss, sondern vielleicht auch oft nur die Idee einer Usability übertrieben wurde. Aber wie dem auch sei, die Schwierigkeit allein kann es natürlich nicht sein, die ein Spiel gut macht. Im Falle von Dark Souls steht dahinter eine extrem fesselnde Atmosphäre und ein starkes Gameplay mit einer ausgefuchsten Spielmechanik.

Zu Beginn von Dark Souls ist man eigentlich fast schon tot und es wird sich dieser Schwebezustand noch hunderte Male zum Schlechten wenden. Das Ende scheint unausweichlich in dieser Kerkerzelle zu liegen. Plötzlich erhellt aber ein Lichtstrahl das Verlies und irgendjemand wirft einen leblosen Körper -und seine Seele- hinab. Seelen sind die Währung in der Welt von Dark Souls, das Spice, der Äther, den man braucht um am Leben zu bleiben, aufzuleveln und Ausrüstung zu kaufen. Nur mit winzigen Kraftreserven und einem abgebrochenen Schwert erhebt man sich und kriecht aus dem finsteren Loch, dem Licht entgegen, nach oben. Die Handvoll Kampffertigkeiten, das Ausweichen und die Verteidigung mit dem klapprigen Schild, die man in den ersten Minuten beigebracht bekommen hat, reichen dann gerade dazu, ein paar Zombies abzuwehren, doch als man plötzlich einem riesigen Krötendämon gegenübersteht, fragt man sich, wie man gegen dieses Biest überhaupt jemals eine Chance haben soll.

Die Atmosphäre von Dark Souls ist beklemmend. Man fühlt sich einsam und die eigene Machtlosigkeit wird einem ständig dadurch vor Augen geführt, dass man wieder und wieder von den Monstern getötet wird. Aber das Spiel ist nie unfair, sondern immer kann man sich darauf verlassen, dass es einen Weg gibt und wenn man sich die Bewegungen der Gegner und die Umgebung genauer anschaut, findet man eine Archillesferse und die Beharrlichkeit wird belohnt. Das schlichte, aber trotzdem überzeugend variantenreiche Kampfsystem mit einer Unmenge an Waffen lernt man dabei lieben.

Zentral wichtig bei Dark Souls sind die Lagerfeuer, an denen man rasten, aufleveln und seine Heiltränke auffüllen kann. An diesen Punkten wird das Spiel auch gespeichert und hierher kehrt man jeweils zurück, wenn man mal wieder gestorben ist – und wieder sein wertvolles Kontingent an Seelen verloren hat.

In den verwitterten, finsteren und auf die Dauer fast deprimierend wirkenden Gewölben und Verliesen findet man sich schnell zurecht, obwohl es keine Map gibt, mit der man sich orientieren könnte. Einzelne Abschnitte zwischen dem Lagerfeuer und der Stelle, an der man zuletzt gestorben war spielt man nämlich häufiger, weil einem die Chance eingeräumt wird, die nach einem Tod verlorenen Seelen wieder einzusammeln. Diese Mechanik macht es schonmal extrem schwierig, mit dem Spiel aufzuhören- wenn es einem nicht gelingt die Seelen beim ersten Mal zurückzuholen, ist der Spielerfolg mehrerer Stunden futsch. Komischerweise kann man diesen Verlust dann doch immer schnell verwinden und das Gefühl, einen neuen Anlauf zu starten und den Abschnitt dieses Mal unbeschadet zu überstehen birgt eine erstaunliche Kraft. Wahrscheinlich muss man der Figur des Sysiphos eine Menge Ehrgeiz und vielleicht auch ein bisschen Masochismus unterstellen. Die Erfolgserlebnisse jedenfalls, die man mit Dark Souls haben kann, wirken wie Drogen – man braucht immer mehr davon. Meiner Meinung nach das Spiel des Jahres.

 

 

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