Rundenbasierte Strategie – Nah dran statt nur dabei

Am besten sind Videogames, wenn Sie einen überraschen. Von einer Krise in der Branche und einem Mangel an guten Games kann nur der sprechen, der sich den zehnten Teil von Dings, oder den zwölften Teil vom Bums anguckt – wie super aber immer wieder auch Titel sein können, die nicht in der ersten Reihe der Blockbuster stehen, zeigt XCOM – Enemy Unknown, beziehungsweise die kürzlich erschienene erweiterte Version XCOM – Enemy Within.

Außergewöhnlich ist dabei schon mal, dass es sich bei XCOM um ein rundenbasiertes Strategiespiel handelt und rundenbasierte Strategiespiele heute ungefähr so angesagt sind, wie Labyrinthspiele. Bei Strategie-Spielen haben sich eben in den letzten Jahren die Echtzeit-Spiele durchgesetzt – vor allem ist das wohl der gesteigerten Prozessorleistung geschuldet, denn die Möglichkeit, immer noch mehr einzelne Einheiten auf dem Bildschirm gleichzeitig hin- und herbewegen zu können spiegelt schon im Technischen wieder, um was es geht: Kraft und Potenz. Wer also den vermeintlichen Rückschritt zum rundenbasierten Strategiespiel wagt, ist entweder Strategie-Nerd, oder erinnert sich an den Hype um XCOM: Ufo Angriff von vor zehn Jahren. Aber was ist der Witz an XCOM, der es so anders macht und Strategie-Fans schwärmen lässt?

 

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Selbstverständlich geht es im Grunde erstmal um nichts geringeres, als die Erde vor einer furchtbaren Alien-Invasion zu schützen. Wie das gehen soll, erschließt sich allerdings nicht auf Anhieb. Man selbst schlüpft in die Rolle des Commanders der Global Defense Force und hat grundsätzlich zwei Aufgaben zu bewältigen: Zuerst geht es darum, die eigene Kommandozentrale zu verwalten, Überwachungssatelliten im Orbit zu positionieren und an der Heimatfront mit Forschung und Finanzmanagement dafür zu sorgen, dass Produktionsstätten, Abfangjäger und Militäreinheiten immer einsatzbereit sind. Die zweite grundsätzliche Aufgabe besteht dann darin, mit einem Interventionsteam an Orte zu reisen, an denen Aliens gesichtet wurden und dort in schöner isometrischer Perspektive die eigenen Einheiten gegen die Aliens taktisch klug loszuschicken.

 

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Das tolle an XCOM ist das Handeln auf der Mikroebene, das heisst, das Managen der einzelnen Soldaten. Im Gegensatz zu anderen Echtzeit-Strategiespielen mit unpersönlichen Fahrzeugen, Flugzeugen und Schiffen geht XCOM direkt an den einzelnen Soldier ran. So nah, dass jeder Soldat einen eigenen Namen trägt und eine andere Nationalität hat. Der Effekt dieser Nähe ist beeindruckend. Gerade diejenigen Soldaten, die einen seit dem ersten Level begleiten, wachsen einem richtig ans Herz. Jeder Einsatz bringt natürlich Punkte und Orden können verliehen werden. Mit diesem rudimentären Leveling-System entwickeln die einzelnen Figuren, vor allem im Zusammenhang mit ihrer Nationalität, die mit einer kleinen Flagge stets auf dem Rücken der Marines dargestellt ist, ein richtiges Profil. Im Spielverlauf bedeutet das, dass man Fehlschläge und Verluste praktisch nicht hinnehmen kann und man gelegentlich zum letzten Speicherpunkt zurückkehrt: „Also auf Enrique „Sledge“ Gonzalez, den argentinischen Raketenwerfer-Spezialisten, mit dem ich damals schon die Energiekerne aus dem Alien-Wrack geborgen habe, kann ich nun wirklich nicht verzichten“… RELOAD SAVEGAME!

 

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Da einige Level ganz schön kniffelig sind und man lernen muss, auf seine Schäflein aufzupassen, kommt es zu Beginn häufiger vor, dass man Level nochmal spielen will. Denn nur, wenn man möglichst wenig Verluste hat und in jedem Level Alien-Artefakte und Energiekerne einsammelt, geht auch der Fortschritt in der Basis weiter. Die ständige Komplexitätssteigerung, also die Aufgaben, den Panik-Level in Indien, den Forschungsstand der Lasergewehre und die Bauarbeiten im Fahrstuhlschacht im Auge zu behalten, sorgt für angenehme Anspannung beim Spieler. Diese Anspannung entlädt sich dann aber in dem Moment, wenn einer der händisch gepflegten Marines mit einem sauberen Sniper-Treffer plus kritischem Schaden einen besonders hässlichen Alien niederstreckt…

 

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XCOM wäre aber nur halb so toll, wenn sich die Sache mit dieser gelungenen Umsetzung von Kommando-Management und rundenbasiertem Strategie-Fighting erledigt hätte. Zusätzlich zum Gameplay treibt man selbst eine Erzählung voran, in der die Frage in den Vordergrund rückt, ob bei all den Bio-Enhancements, Waffentechnologien und dem ständigen Drang nach Fortschritt nicht die Aliens eigentlich die besseren Menschen sind und man auf der falschen Seite kämpft…

 

 

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