Linearer Horror von EA

Ich muss mich korrigieren: In meiner Rezension zu FarCry klingt es fast so, als ob Linearität in einem Shooter ein Makel wäre und als ob mit open-world games in einer Art evolutionärem Prozess die Epoche der linearen Shooter überwunden sei. Das stimmt natürlich nicht!
Dead Space, der bei Electronic Arts erschienene 3rd person Horror-Sci-fi-Shooter verläuft extrem linear, und macht aber in dieser Disziplin null Fehler.
Die Rahmenhandlung von Dead Space ist schnell erzählt: Der Kontakt zur USG Ishimura ist abgebrochen und man gibt dem Ingenieur Isaac Clarke (uns) einen Raumanzug und ein Bolzenschußgerät, um die Sache zu klären. Dabei stellt sich heraus, dass etwas ganz Schreckliches an Bord des Raumschiffs passiert sein muss…

Der Spieler wird also sofort vom Rest der Rettungscrew getrennt, um zuerst das Kommunikationssystem der Ishimura zu untersuchen und direkt von Anfang an ist die Atmosphäre eng, beklemmend und düster und es geht  nur in eine Richtung- vorwärts, immer tiefer ins Innere des riesigen Stahlkolosses. Dort haben sich schon die Necromorph ausgebreitet und machen Isaac das Leben schwer, denn dieser bizarren Brut müssen zuerst die Gliedmaßen abgetrennt werden, bevor man sie töten kann. Das klingt furchtbar und das ist es auch.

Glücklicherweise stehen Clarke die notwendigen Power-Tools zur Verfügung. Die ständige Munitionsknappheit ist dabei allerdings kein Fehler des Spiels, sondern verstärkt einmal mehr die klaustrophobische Atmosphäre und der Nahkampf mit dem abschließenden Tritt auf den blubbernden Schleimhaufen kann einem schon nahe gehen. Neben den Waffen stehen einem aber auch noch die Fähigkeiten der Stasis zur Verlangsamung der Zeit und Telekinese zum Bewegen entfernter Gegenstände zur Verfügung. Diese skills können in einigen Kämpfen hilfreich sein, sind aber meistens in Rätselsequenzen vonnöten um Schalter umzulegen, oder Ventilatoren anzuhalten…

Überhaupt ist man trotz 3rd person Perspektive sehr nah dran am Spiel. Es gibt kein HUD für Lebensenergie oder Munition auf dem screen, sondern alle Anzeigen sind an unserem Raumanzug, bzw auf unserer Waffe angebracht. Sehr stylish ist auch die Darstellung von gefundenen Gegenständen und Videobotschaften als Hologramme, um die man die Perspektive herumdrehen kann. Auch das Sounddesign trägt viel zur Stimmung auf der Ishimura bei. Das Schiff ächzt und irgendwo bollern irgendwelche Generatoren, dazu fiepsen und flirren die Computersysteme und man weiß gar nicht so genau, wovon die Bedrohung jetzt eigentlich ausgeht- von den Necromorph, oder vom Raumschiff selbst.

Eigentlich erstaunlich, dass EA, die sonst eher mit Sportspielen und großer Mainstream-Unterhaltung ihr Geld verdienen, mit so einem etwas abseitigen Produkt, wie Dead Space rauskommen und noch erstaunlicher, dass das Spiel eine USK 18 Freigabe bekommen hat, obwohl es in den Augen einiger Personen sicherlich ein sog. Killerspiel wäre. Klingt gut, oder?

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9 Responses

  1. Florian

    Ich mag ja Killerspiele. Und Dead Space mag ich auch. Nachdem mich Fallout 3 und Far Cry 2 eher enttäuscht haben, begleitet mich nun Dead Space durch kalte, düstere Herbstnächte. Der Artikel ist treffend, ich kann das Spiel jedem SciFi Fan empfehlen!

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  2. ich

    falls es dir entgangen sein sollte : Fallout 3 ist kein reines Killerspiel wie Dead Space, sondern auf Rollenspiel basierend!

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  3. nils

    oh, wie düster, auch selten so viel fleischmasse in einem spiel gesehen.
    und in level 4 gibt’s dann endlich diese octopussy-kreissäge… nix für schwache nerven, geil find ich aber, dass das game komplett ohne HUD auskommt und alles nur eingeblendet wird. super designt.

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  4. Flo

    Das game ist auf jeden fall gut aber ich hab n Bug im 2. Kapitel ! Ich kann die Kisten am Anfang nich wegschieben mit dem “Kinesemodul” (oder so ähnlich).
    Sowas gehöhrt hier zwar nicht rein aber ich finde kein Forum wo das Problem genannt wird… wenn jemand was weiß wäre eine Antwort nett. ICQ: 401604226

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  5. jango

    hatte auch selten ein so ‘krasses’ spiel erlebt wie dead space. ist nichts für elfjährige mädchen, macht aber riesen spass. bin zwar erst in mission 3, aber ich werds weiterzocken. aber nur wenns draussen dunkel ist *grusel* :)

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  6. budjonny

    Ach und übrigens hab ich gehört, dass es zu Dead Space auch einen ganz guten Film geben soll…mal checken!

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  7. nils

    bin über die hälfte und erstaunt: das spiel fährt ja doch noch einiges auf… grossartig

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    • budjonny

      Grr, ich hab Dead Space jetzt auch durch – große Befriedigung nach einigen äusserst stressigen Sequenzen. In seiner Disziplin ein großartiges Spiel. Noch nie wurden spritzendes Blut und Gedärm in der Schwerelosigkeit bisher so gut dargestellt.

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