Eine Liebeserklärung an ASCII-Gewusel zwischen "die Sims", "Dungeon Keeper" und "Nethack"

Viele Spiele sagen von sich mittlerweile, “Sandbox” zu sein. Also dem Spieler in einem gegebenen Rahmen die größtmögliche Freiheit in einer nur von wenigen Parametern definierten Sandkiste zu  bieten. Ob nun GTA, Sim City oder andere – immer wieder Sandbox.

Neulich aber sollte dieser Begriff für mich eine neue Dimension erhalten. Ich lud mir, angeregt von einem Gamasutra-Interview mit Spieldesigner Martin Hollis, jenes ominöse Spiel namens Dwarf Fortress herunter. Die ersten Stunden scheiterte ich an einem kryptischen  Interface, einer wenig intuitiven Steuerung, mir nichts sagenden Befehlen und last but not least der Sinn-Frage. Ja, was mach ich hier überhaupt? Ein definiertes Spielziel, ein Tutorial oder einen Erzählstrang gibt es in dieser Zwergen-Simulation nämlich nicht explizit.

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Vielmehr beginnt das Spiel nach dem Download  mit einer minutenlangen Welt-Genese. Eine 1000-jährige Geschichte wird ebenso generiert wie die gesamte Topologie: Flora, Fauna, Geologie und andere Bewohner der Spielwelt. Danach bleibt einem die Möglichkeit, die sieben Zwerge, mit denen das Spiel beginnt, mit einigen Fähigkeiten zu versehen. Ist man soweit, sucht man sich auf der Weltkarte einen Ausschnitt, auf dem die Zwergenfestung erbaut werden soll – und legt los

Tja, Loslegen ist so ein Ding. Hat man sich nicht genügend Zeit gelassen, die Zwerge ausgeglichen mit Schlüsselfertigkeiten zu versehen, kann man hier bereits ins Gras beißen: So wird man – besser beraten mit einer halbwegs zugänglichen Ressourcen wie dem Dwarf Fortress Wiki – zwar bald feststellen, dass man mit Hilfe einer bestimmten Tastenkombination die Zwerge in den Berg graben lassen kann, sie die umliegenden Wälder abholzen oder Pflanzen anbauen. Sofern sich aber kein Zwerg mit Zimmermann-, Steinmetz-, Koch- oder sonstigen Fähigkeiten unter der Start-Mannschaft befindet, muss sich die Gruppe halt gedulden, bis die Schlafzimmer mit Betten ausgestattet werden, die Festung Türen bekommt oder der gefangene Fisch in Mahlzeiten verwandelt werden kann. Die ersten Stunden werden also von einer äußerst steilen Lernkurve dominiert, mich selbst hat erst die fünfte Festung überhaupt über mehrere Spieljahre begleitet, frühere Versuche wurden von Amok-laufenden Zwerg-Smileys, wilden Rhesusmakacken, Goblin-Überfällen oder schlicht Hungersnöten beendet. Läuft alles gut, prosperiert die Festung, dann bauen die Zwerge halbwegs selbsständig eine eigene Polizei auf, wählen ihren Bürgermeister und treiben Handel mit allerlei selbst hergestellten Gegenständen. Jährlich kommen neue Migranten, die ihre Fähigkeiten in den Dienst der Allgemeinheit stellen, aber trotzdem mit Schlafraum, Eigentum und (stärkt den Stolz und die Zufriedenheit) Grabstätte versehen werden wollen.

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Nachwuchs, Haustiere, Parties in den Aufenthaltsräumen, sonderbare Stimmungen, in denen Artefakte geschaffen werden – Alles drin und das für lau. Mich selbst hat die Komplexität der Software immer wieder überrascht und im Endeffekt musste ich zugeben: Steuerung und Interface sind in ihrer Komplexität dem Spiel vor allem eins: Angemessen.  Das Aufbauen und Organisieren ist ähnlich wie in Klassikern wie Sim City also Selbstzweck genug dieses Spiels, das sich hervorragend eignet, die Schönheit einer in sich berechneten Welt zu feiern – ein wenig so, wie nach Feierabend in einem Fraktalgrafik-Generator die Mandelbrot-Menge zu erforschen, nur halt mit ein Bisschen mehr Humor und sehr viel abstrakterer Grafik.

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5 Responses

  1. Zapparies

    Hi,
    ich hab ein kleines Problem mit dem Spiel. Ich hab es downgeloaded (sogar verschiedene Versionen) aber mein Computer kriegt keine zum Laufen. Woran könnte dass liegen?

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