Interview mit einem der Initiatoren

Im Vorfeld des Festivals für kreatives Computerspielen war der Diplom Soziologe und Mit-Organisator des Festivals Andreas Hedrich so freundlich, uns einige Fragen zu beantworten.

– Was ist die Initiative Creative Gaming und wie kam es zu deren Gründung ?

Die Initiative Creative Gaming setzt sich zusammen aus Menschen die als Medienkünstler, Festivalmacher und Medienpädagogen tätig sind und aus allen Teilen Deutschlands kommen. Die Initiative verfolgt das Ziel, dass Spiele als Möglichkeit erkannt werden, sich kreativ auszudrücken. Das kann man auch in der Schule lernen und fördert so gleich den kritischen Umgang mit dem Produkt Computerspiel.
Außerdem sagen Spiele (wie Filme oder Bücher) etwas über die Zeit aus, in der sie entstehen. Sie sind Kulturträger. Deshalb wollen wir die Spiele nicht nur kommerziellen Interessen überlassen. Neben dem Blockbuster muss es auch bei Spielen so etwas wie Arthaus geben.
Gegründet hat sich die Initiative aus einer Veranstaltung im Jahr 2006 in der Bundeskunsthalle in Bonn. Hier sind in Kooperation mit dem up-and-coming int. Film Festival Hannover klassische Animationsfilme und Machinimas gezeigt und diskutiert worden. Die anwesenden Künstler/innen gaben damals den Impuls zur Gründung der Initiative.

play09

– Wie entstand die Idee zu einem Festival?

Die Festivalidee hat uns von Beginn an geleitet und war immer das Ziel unseres Zusammenschlusses. Der Hintergrund war, dass es in Deutschland keine Plattform gibt bei der die unterschiedlichen Ansätze des kreativen Umgangs mit Computerspielen zusammengeführt werden und wo Medienpädagogik und Medienkunst zusammenkommen. Uns ist es wichtig, dass die unterschiedlichen Ideen einer breiten Öffentlichkeit gezeigt werden und damit in die Diskussion um Computerspiele ein neuer Aspekt hinzugefügt wird.
Nur bei einem Festival ist es möglich Ausstellung, Werkstatt, Bühnenprogramm und Party miteinander so zu kombinieren, dass die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten von Computerspielen zu zeigen. Das Festival selbst könnte aber nicht ohne die zahlreichen Veranstaltungen rund um das Festival bestehen.

– Das Festival findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. Wie ist bisher die Resonanz?

Das Interesse an den Aktivitäten der Initiative Creative Gaming ist in den 2 Jahren seit der Gründung erheblich gestiegen. Die Anfragen aus dem ganzen Bundesgebiet werden immer mehr. Auch zum diesjährigen Festival ist die Resonanz von Besuchern, Schulen und Öffentlichkeit sehr groß. Die Etablierung des Themas bleibt aber schwierig, denn der kreative Umgang mit Computerspielen ist ungewöhnlich.

– Welche Workshops wurden im Vorfeld angeboten und wer leitete die?

Die 14 Workshops die in diesem Jahr vor dem Festival in Jugendeinrichtungen, Jugendkunstschulen, Medienzentren und Schulen in Berlin und Brandenburg stattgefunden haben hatten die beiden zentralen Themen der Initiative: Machinima und Gamedesign. Bei den Machinima Workshops werden die Spiele zum Spiel- und Werkzeug. In Ballerspielen wird Ballett getanzt oder die SIMS werden zur Kulisse für einen Spielfilm. Beim Gamedesign geht es darum, mit dem vorhandenen Genrewissen zu arbeiten und ganz neue Spiele zu entwickeln. Umgesetzt werden diese in 3D-Programmen oder auf dem Papier.
Die Workshops werden von Medienpädagogen,  Medienkünstlern und Journalisten geleitet, die sich im Bereich Creative Gaming sehr gut auskennen und die Ansätze der Initiative mitentwickelt haben.

– Geht es um die viel beschworene Medienkompetenz ?

Ja, auch um die geht es bei den Aktivitäten der Initiative Creative Gaming. Es mag zwar so scheinen als wäre der Begriff viel beschworen, doch wird er immer noch viel zu oft als bloße Bedienkompetenz gesehen. Uns geht es um alle Facetten von Medienkompetenz. In den Workshops werden die Themen rund um Computerspiele besprochen, Marktmechanismen diskutiert, Nutzungsweisen ausprobiert und letztlich durch den kreativ/künstlerischen Ansatz auch Alternativen und eigene Ausdrucksformen entwickelt. In der medienpädagogischen Szene muss sich dieser Ansatz noch weiter verbreiten. Seit langem haben wir als Medienpädagogen und Medienkünstler vielleicht mal wieder die Möglichkeit an der Ausgestaltung von Bildungsprozessen teilzuhaben. Der Creative Gaming Ansatz hat vieles, was in der Medienpädagogik immer gefordert wird: Er setzt an den Lebenswelten der Zielgruppen an, er ist kreativ, er lässt hinter die Kulissen blicken und ist, auch bei kurzen Workshops, nachhaltig.

– Ist eine Erweiterung des Festivals auf andere Städte vorstellbar ?

Die Initiative ist mit Workshops, Fortbildungen, Diskussionen bereits in über 10 Städten aktiv. Play08 fand nicht nur in Potsdam sondern auch in Hamburg statt.
Das Festival mit seinen zahlreichen Workshops lässt sich überall dort durchführen wo die entsprechende Infrastruktur vorhanden ist. Hierzu gehören aufgeschlossene Bildungsträger, aber auch entsprechende Förderer. Konkret gibt es derzeit Verhandlungen mit einer Stadt im Westen.

– Bietet ihr auch außerhalb des Festivals Workshops bspw. für Schulen an?

Ja, das Festival ist nur eine von vielen Möglichkeiten, Workshops durchzuführen. Allein 2009 haben wir ca. 20 Workshops und Fortbildungen durchgeführt. Einige dieser Veranstaltungen initiieren wir konkret, meist sind es aber Anfragen, auf die hin wir tätig werden. Wichtig ist uns dabei vor allem die Fortbildung sogenannter Multiplikatoren, also Eltern, Lehrern und Erziehern. Nur so kann letztendlich gewährleistet werden, dass sich der Ansatz verbreitet und viele Kinder und Jugendliche in den Genuss von Creative-Gaming-Workshops kommen.

– Gibt es Zusammenarbeiten oder Rückwirkungen Eurer Arbeit auf die Videospiel-Industrie ?

Nicht wirklich. Es gibt ein Interesse und man beobachtet uns aus der Spieleindustrie mit wohlwollendem Interesse. Es gab auch schon Interesse an den kreativen Ideen, die die Jugendlichen in einem Workshop entwickelt haben, allerdings verstehen wir uns nicht als Ideenlieferant für die Industrie sondern agieren von ihr unabhängig.

– Kann ich bei Euch noch mitmachen als Medienkünstler oder unabhängiger Entwickler?

In der Initiative können alle mitmachen, die Lust haben, unseren Ansatz weiter zu entwickeln und zu unterstützen. Wir suchen ständig bundesweit nach Leuten die Workshops geben können und wollen. Herzlich willkommen sind auch Medienpädagogen und Lehrer!

– Wie sieht die Zukunft der Videospiele aus? Welchen Aspekten sollte mehr Beachtung geschenkt werden?

Der Markt für Computerspiele wird weiter wachsen und eine Verschmelzung der unterschiedlichen Medien auch weiterhin stattfinden. Bislang stehen vor allem die Aspekte Verkauf und Erlös im Vordergrund. Wichtig ist aber auch, die Formen der Vergemeinschaftung durch und mit Computerspielen zu beachten und die damit einhergehenden Prozesse wie eben den künstlerischen Umgang bekannter zu machen. Daneben sollten Computerspiele Einzug in alle Lebensbereiche finden, auch in die Schule um dort als Gestaltungs- und Erzählmedium, aber auch zur Visualisierung Lust am Lernen zu machen.

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