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28.01.2010 | 18:59
 
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Darksiders – Apokalypse von THQ

Hau drauf, Kleiner!


Schätzungsweise 70 % der in Darksiders auftauchenden Figuren sprechen mit verzerrter Dämonenstimme – auch die Frauen – der Rest grunzt nur. Auch sonst ist Darksiders in jeder Hinsicht ein relativ maskulines Spiel. Gerade wurde hier im Blog die bezaubernde Bayonetta vorgestellt, die mit High-Heel-Revolvern, Lippenstift-Patronen und Haar-Dämonen in Stiefel-Form dem Genre einen sehr erfrischenden weiblichen Kick gegeben hat, schon versetzt uns Darksiders wieder in die alte, schwarzeneggersche Ordnung zurück: Was zählt, ist die Dicke des Schwertes!

Zugegeben: Es bedarf da schon eines gewissen elaborierten Geschmacks, das lustig zu finden. Ich glaube aber, diesen Geschmack besitzen einige Videospieler. Wie viele andere Games (und Serien) beginnt Darksiders mit einer Katastrophe. Die Erde steht Kopf nach einer alles erschütternden Explosion und Engel und Dämonen streiten um die Vormachtstellung. Aus irgendeinem Grund hat Krieg, einer der vier Reiter der Apokalypse seine Crew verloren und ist in Ungnade gefallen vor dem Rat der Dämonen. Jetzt wird Krieg vorerst nochmal verziehen und die Chance gegeben, die Welt zu retten und den bösen Oberdämon zu töten. (Teilweise ist die Story etwas unpräzise formuliert, man merkt aber schnell, dass es um wahrhaft große Dinge geht, weil die verzerrten Dämonenstimmen in so tiefen Lagen sprechen).

Krieg, der sich trotz Ganzkörperrüstung und seinem mannshohen Schwert Dingsbums ganz flink bewegt und sogar den obligatorischen Doppelsprung drauf hat, zieht also los zur nächsten Markierung auf der Map und metzelt dabei große Kontingente an Feinden nieder. Anfangs steht dafür nur eine Taste auf dem Pad zur Verfügung und man lernt schnell, die begrenzte Anzahl an Combos einzusetzen. Kurz bevor allerdings ein Gegner endgültig zu Boden geht, erscheint über ihm eine andere Button-Anzeige für den Finishing-Move. Im richtigen Moment genussvoll gedrückt, beginnt eine der abwechslungsreichen Animationssequenzen mit ordentlich Blut und geschmackvoller Geräuschuntermalung – sehr befriedigend!

Im Laufe der Zeit kommen zu den Untoten und niederen Dämonenkriechern noch brennende Bären, grünes Gift-spuckende Brainiacs, Schwanzkeulen-Echsen, dürre Hexenwesen usw als Gegner dazu und ausserdem natürlich haufenweise dicke Enddämonen mit Namen, wie man sie aus dem Death-Metal Bereich kennt. Trotzdem wird Darksiders aber nie albern oder vermeintlich selbstironisch, sondern bleibt solides Gemetzel.

Ehrlich gesagt ist Darksiders ansonsten aber nicht so originell und ständig wird man an  Szenen aus Tomb Raider erinnert, wenn man bspw schon wieder durch den Tunnel tauchen muss, um auf der anderen Seite den Schalter für die riesigen Steinblock-Fahrstühle umzulegen, oder man erst nach langen Kletterpassagen den Schlüssel für die Tür bekommt, die man schon vor anderthalb Stunden am liebsten mit Gewalt geöffnet hätte. An anderen Stellen erinnert Darksiders Leveldesign dann schwer an Gears of War und dessen barocke Innenhof-Architektur. Wieder andere Stellen sind komplett aus Legend of Zelda geklaut, wenn man zum Beispiel mit den nachwachsenden Blumen-Bomben verschiedene Ziele wegsprengt…
Allerdings wird die fehlende Originalität kompensiert durch eine hervorragend ausbalancierte Steigerung des Schwierigkeitsgrades. Auch wenn der Schwertkampf mit nur einem Button am Anfang schon ganz schön befriedigend ist, kommen doch im Laufe des Spiels immer an den richtigen Stellen und zum richtigen Zeitpunkt neue Fähigkeiten hinzu, so dass sich Action und Spielspaß konstant steigern. Zuerst gewinnt man Dämonenflügel dazu, mit denen man schweben und weiter entfernte Plattformen erreichen kann, dann kommt der praktische Wurfstern hinzu, der fliegt, wie ein Bumerang und den man nacheinander auf unterschiedliche Gegner oder auch Schalter lenken kann. Die maximale Menge an Lebensenergie wird gesteigert, genau wie die teilweise ganz imposanten Zauberfähigkeiten, die man für die ausführlicheren Kämpfe mit immer beeindruckenderen Gegnern dringend braucht. Das Timing bei Darksiders stimmt immer. Gerade, wenn man kurz davor ist, aufzugeben, gelingt einem doch noch der entscheidende Schlag gegen den Fratzendämon, oder man entdeckt den Vorspung, an dem man sich weiter zum nächsten Raum hangeln kann.

Insgesamt bietet Darksiders nicht viel Neues, setzt aber Altbekanntes in einer sehr gut abgeschmeckten Kombination neu zusammen und macht dabei eine ganze Menge Spaß. Das Wort “solide” wäre zu schwach, “großartig” wäre zu stark. Auf jeden Fall ist Darksiders aber “ordentlich”!

Auch gut:

  1. Bayonetta
  2. Heavy Metal in da House



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