Die Hochzeiten der Point-n-Click Adventures, wie sie uns Sierra oder LucasArts bescherten, sind  vorbei. Trotzdem gibt es immer wieder Computerspiele, die sich dieser Form bedienen und damit dann auch erfolgreich sind, wie beispielsweise „Edna bricht aus“ des Hamburger Entwicklerstudios Daedalic, oder der Titel „Still Life“ von der kanadischen Firma Microids von 2005. Das durchweg positiv bewertete Still Life konnte in vielen Bereichen punkten. Die Story war spannend und schlüssig erzählt. Der Wechsel zwischen den Erzählsträngen mit der FBI Profilerin Victoria McPherson und ihrem Großvater, der vor einigen Jahren in einem ähnlichen Mordfall in Prag ermittelte, trug viel zur düsteren Stimmung bei. Trotzdem war das Ende, bei dem die Identität des Mörders ungeklärt blieb, einigermassen enttäuschend.

Aber genau hier setzt Still Life 2 wieder ein und die Suche nach dem East-Coast-Killer geht weiter. Auch im zweiten Teil wird die Geschichte wieder aus zwei Perspektiven erzählt. Auf der einen Seite schlüpft man erneut in die Rolle von Vic McPherson, für die die Suche nach dem Killer inzwischen zu einer persönlichen Sache geworden ist und die zu Beginn des Spiels nochmal ihre bisherigen Recherche-Ergebnisse durchgeht. Auf der anderen Seite spielt man Hernandez, eine junge Journalistin, die damit beschäftigt ist, das Versagen des FBI anzuprangern und die dann aber plötzlich selbst von East-Coast-Killer entführt wird.

Das Procedere ist klar: Erstmal müssen Tatorte untersucht und Beweise gesammelt werden. Dazu scannt man den Bildschirm mit dem Mauszeiger ab und checkt die Möglichkeiten. Wenn man allerdings gerade von Spielen, wie Darksiders und Bayonetta her kommt, wirkt ein Point-n-Click, wie Still Life 2 gelinde gesagt, „entschleunigend“. Man muss allerdings dabei auch bedenken, dass man Still Life 2 anders spielt, als Konsolenspiele. Tendentiell sitzt man am Schreibtisch, oder spielt vielleicht sogar auf dem Laptop im Bett und steuert mit der Maus. In diesen Fällen kann sich die düstere Atmosphäre noch besser entfalten. Die Räume, in denen sich McPherson und Hernandez bewegen, sind meist spärlich ausgeleuchtet und manchmal sogar fast schwarz – zusätzlich sorgt dann die gelungene Sounduntermalung mit knarzenden Bodendielen und heulendem Wind für Krimi-Atmosphäre. Vic McPhersons wichtigstes Tool ist ihr Forensik-Koffer mit Elektronenmikroskop, Fingerabdruck-Set, Digital-Scanner, Elektronischer Nase und Chemischer Proben-Analyse. Mit Hilfe dieses Koffers sichert man Beweise am Tatort und lässt diese dann gleich mit der FBI Datenbank abgleichen. Außerdem besitzt Vic noch ein Smartphone für ihre gesammelten Nachrichten und die Anzeige aktueller Quests.

Hernandez hingegen muss ohne die Hilfe von irgendwelchen Gegenständen auskommen, denn in der Gewalt des Mörders wurde ihr alles abgenommen, aber dafür eine elektronische Halsfessel angelegt – eine scheinbar ausweglose Situation. Alte Hasen kommen dann  schnell auf die Idee, das man mit dem Fernseher-Kabel und der krummen Antenne irgendwie einen Kurzschluss erzeugen kann. Aber auch für Gelegenheitsspieler, denen Titel, wie Bayonetta und Darksiders zu schnell sind, ist Still Life 2 richtig. Zwar sind die Rätsel und Aufgaben gelegentlich ganz schön anspruchsvoll und man sollte doch schon früh ein Lösungsbuch parat liegen haben, aber dafür wird man mit einer extrem spannenden Geschichte belohnt. Der Wechsel zwischen den Erzählebenen wird teilweise sehr geschickt eingesetzt, wenn beispielsweise es Hernandez endlich gelungen ist, das Telefon zu erreichen und sie McPherson verständigen kann und im selben Moment der Killer wieder das Haus betritt…

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