Abtauchen nach Rapture

Genau genommen bietet jedes einzelne Videospiel einen eigenen Weltentwurf. Zentral ist dabei die räumliche Repräsentation. Vom abstrakten Pong, bis zur ultra komplexen MMO Welt – jedes Spiel hat seine räumliche Ausdehnung, wobei die Kunst darin liegt, diesen Behälter zu füllen und ihn nicht bloß größer und schöner zu machen. Einen der konsistentesten Weltentwürfe der letzten Jahre bietet Bioshock von 2K Games – alles in diesem Spiel ist an der richtigen Stelle und trägt seinen Teil zur Atmosphäre bei. Normalerweise sind es ja nicht die Ego-Shooter, die mit hervorragenden Storys glänzen – anders Bioshock, bei dem Form und Inhalt so schön ineinander greifen und das eigene Handeln im Spiel ständig reflektiert werden muss. Umso besser, dass jetzt endlich nach drei Jahren die Fortsetzung von Bioshock erscheint und wir erneut in die wunderbar schaurige Welt der Unterwasser-Stadt Rapture, den Schauplatz von Bioshock abtauchen können.

Einst entworfen als Utopia, in dem sich Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft frei entfalten sollten – ohne jegliche Dogmen von Religion oder Moral, blühte Rapture unter der Leitung des Visionärs Andrew Ryan hell auf – bevor es kurz darauf im Chaos versank. Dieser morbide Charme, kurz nach dem Zusammenbruch ist allgegenwärtig. Dabei scheint die endgültige Katastrophe noch bevor zu stehen, denn überall dringt Wasser ein und Teile von Rapture sind bereits ganz überflutet. Die neue Episode spielt ein paar Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils und man schlüpft nun in die Rolle eines Big Daddy, einer der Wächterfiguren mit dem charakteristischen Taucher-Schutzanzug, die die Little Sisters bewachen, die über das kostbare Adam verfügen.

Adam ist in Rapture der Lebenssaft, der benötigt wird, um sich genetisch aufpimpen zu können. Den Bewohnern von Rapture war allerdings das Adam etwas zu Kopf gestiegen und einige haben es mit den genetischen Upgrades so weit übertrieben, dass sie zu sog. Splicern, unberechenbar aggressiven Gen-Mutanten wurden. Für uns, als Big Daddy, besteht die Aufgabe darin, die uns vor Jahren anvertraute Little Sister Eleanor wieder zu finden. Schnell wird klar, dass die Suche nach Eleanor auch zu einer Suche nach unserer eigenen Herkunft wird und mehr und mehr drängt sich der Gedanke auf, dass wir dabei ein Werkzeug in der Erfüllung eines Plans sind, der eigentlich nicht der unsere ist. Außerdem wird deutlich, dass wir langfristig die Suche ohne das Adam der Little Sisters nicht überstehen würden und so steht man selbst immer wieder vor der Entscheidung, Little Sisters zu töten, um ihr Adam zu gewinnen, oder sie frei zu lassen.

Der Horror von Bioshock entsteht dabei im Kopf. Die Szenerie der gerade untergegangenen Stadt, die unterschiedlichen Tagebuchaufzeichnungen und die restlichen versprengten Splicer lassen das Bild einer Gesellschaft entstehen, in der jeder sich selbst der nächste ist und die unserer eigenen heutigen Situation schon nahe kommt.

Trotz des Wechsels in die Perspektive eines Big Daddy und des überarbeiteten Kampf-Systems, bei dem sich vor allem der Bohrer als effektive Waffe herausstellt, bleibt doch die Erforschung Raptures das spannendste Element des Spiels.

Außerdem gibt es ein paar andere Gegner, aber insgesamt ist Bioshock von Look and Feel seinem Vorgänger sehr ähnlich, was wie gesagt in diesem Fall wohl positiv gesehen werden muss.

Einen wichtigen Teil zur Atmosphäre in Rapture trägt auch der Soundtrack mit ausgewählten Swing und Jazz Stücken der 30er und 40er Jahre bei. Die stärkste Wirkung erzielt die Musik, wenn ihr melancholisch-dekadenter Grundton und textliche Inhalte mit dem Spielgeschehen zusammen passen, oder eben auf groteske Art und Weise genau das Gegenteil ausdrücken. Der Soundtrack kann im iTunes Store separat heruntergeladen werden.

Sehr erfreulich im zweiten Teil ist ausserdem der gelungene Multiplayer Modus. Diejenigen, die vom Rapture Horror nicht genug bekommen können, dürfen sich jetzt auch selbst in die Rolle eines der durchgeknallen Bewohner der Unterwasser-Stadt hineinversetzen. Die Wahl der einzelnen Figuren und die Ausstattung mit unterschiedlichen Waffen und Masken ist angemessen schaurig in Szene gesetzt. Unter Einbeziehung der Special-Characters Big Daddy und der Little Sisters gibt es dann die üblichen Variationen von Capture the Flag, Jeder-gegen-jeden und Team Play Modi…

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One Response

  1. firstmattheo

    Ich liebe BioShock. Der erste Teil hat mich seiner Zeit total umgehauen und meine Erwartungen an den zweiten Teil waren dementsprechend hoch. Und tatsächlich ist nach einer kurzen Einspielphase das alte Feeling wieder da. Im Moment habe ich sogar große Lust den ersten Teil nochmal zu spielen. Im Juni ist ein Bioshock Roman von John Shirley angekündigt auf den ich auch sehr gespannt bin.

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