Breakpoint 2010
Die Graswurzeln von Awesome
Ich bin wieder mal geflasht. Ja, die Demo-Szene… Hat es wohl am Besten geschafft, weitesgehend ignoriert von Zeitgeist und Öffentlichkeit unterm Radar weiterhin ihr eigenes Süppchen zu kochen. Ja, natürlich, Demos. Kennen wir seit Jahrzehnten, sind ja auch von jedermann auf Servern wie scene.org oder Portalen wie pouet.net kostenlos abrufbar und entlocken Rechnern oder halt Emulatoren jeglicher Leistung, Ausstattung und Hardwaregeneration schier unglaublichen multimedialen Output. Aber dennoch ist da alles so ungeordnet und chaotisch gewachsen… Da freut man sich doch über einen persönlichen Bibliothekar, der einem die auf dem eigenen Computer lauffähige Programme kurz runterladen kann und sie beim dritten Bier vorführt. So geschehen kurz vor Ostern, als einer der Initiatoren von Digitale Kultur e.V. auf der Hinfahrt zur diesjährigen Breakpoint in der heimischen Wohnung übernachtet und meinen 7 Jahre alten Laptop kapert. Trotz der mickrigen 32 MB Grafikspeicher sorgen dieses, dieses und dieses Demo für offene Münder angesichts der auf voller Auflösung flüssigen Pixelfeuerwerke (die ersten beiden stammen aus der 64k-Kategorie und sind somit kleiner als… !) und irgendwie reift der Entschluss, die Breakpoint “dann doch noch einmal” (Kinnders wie die Zeit vergeht: 2007 war mir die Anreise nach Bingen noch zu weit, 2008-09 Ostern schon verplant und dieses Jahr soll das ganze zum letzten Mal stattfinden?!?) mitzunehmen. Ich entscheide mich aufgrund der Kurzfristigkeit dann zwar doch für die Lamer-Variante, lasse Freitag und Samstag aus und reise nur den Sonntag an, aber allein der hat sich gelohnt.
Als wir ankommen ist das kreative Partytreiben der vergangenen Nächte noch sehr präsent, in der Halle sind in vielen Reihen hunderte Computer aufgebahrt, überall wird gearbeitet (programmiert) – Spiele, Filme und Facebook sieht man nur vereinzelt über die Screens huschen. Die Menschen sehen aus, wie man sich Programmierer in ihrer ganzen Bandbreite so vorstellt, Bier und Bratwurst sind günstig und die Halle angenehm verdunkelt, damit nicht zuviel Licht den Blick auf die riesige Leinwand trübt. Alle sind friedlich und jeder macht was er will – so sieht kreatives Miteinander heute aus.
Den ganzen Tag über laufen Compos, also Wettbewerbe, wobei jeder mitmachen darf, der angereist ist und etwas zu zeigen hat. Szenenapplaus für besonders beeindruckende Effekte und AAaaamiga!-Zwischenrufe begleiten die verschiedenen Kategorien. Schon die Wettbewerbe mit deutlich nachvollziehbaren Beschränkungen, also Demos und Bilder, die aus nicht mehr als 4k oder 64k Binärcode berechnet werden dürfen, beeindrucken ihrer schieren Limitiertheit wegen. Der Gewinnder der 4k-Demo: Ein evolutionäres 3D-Modell der ersten Gehversuche eines Polygonschlauchs? Hammer! Auch der Eintrag in der Wild-Competition, der eine herzzerreißende Liebesgeschichte auf einem Ti-89 Taschenrechner visualisiert, wusste zu begeistern. Unglaublich fand ich auch die Idee, mit einem AT-88-Microcontroller eine komplette Lightshow mit Chiptune-Untermalung auf zwei Chinch-Buchsen (Video&Audio) zu zaubern.
Das wir die beiden “großen” Kategorien, PC und Amiga verpasst haben, schmerzt mich mittlerweile umso mehr, nachdem ich mir einige der Demos auf Youtube, und nicht auf der riesigen FullHD-Leinwand angeschaut habe. Aber wir mussten nun mal nach Hause: Lamer eben.
Angesichts des spannenden Outputs und der hochspezialisierten Protagonisten war das allen Ernstes eine unglaubliche Veranstaltung an der gefühlten Graswurzel von allem, was Nerd-Herzen höherschlagen lässt. Und somit fühlt es sich umso bedauernswerter an, dass diese Breakpoint die letzte ihrer Art war. In Köln jedoch findet im Sommer mit der Evoke eine weitere Demoszene-Party statt, auf der die offene Münder-Chance wohl ebenso groß sein dürfte wie in Bingen am Rhein, und dazu das Wetter noch ein bisschen besser.
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DIE WOLKE HAT 9 Kommentare zu "Breakpoint 2010" 
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Ey, du hast den Rave vergessen!
@ronny, tja nu, da war ich ja auch nicht… über die schwaden von partyduft des vorabends, die am sonntag mittag noch in der luft lagen, wollte ich jetzt auch nicht zu viel worte verlieren, und den ganzen kram nur vom hörensagen schildern hat ja wohl nix – muss aber großartig gewesen sein….
Für dich und die geneigten Leser, die es ggf interessiert:
http://mirror.televerket.org/muzak/bp10_ronny_djset_(with_ambience).mp3
Playlist:
01 Ben Daglish & Anthony Lees – The Last Ninja
02 LFO – Tied up
03 Leftfield – Original
04 Gorillaz – Stylo
05 Deichkind – Bon Voyage
06 Statix – Human Target
07 Radioslave – Grindhouse (Dubfire rmx)
08 Slam – Hot Knives
09 Age of Love – Age of Love
10 Dr. Baker – Kaos
11 Gloom – Stargazer
12 Rustie – Bad Science
13 Baby D – Let me be your Fantasy
14 Mr. Oizo – Flat Beat
15 DMX Crew – Knight Rider
16 Josh Wink – Higher State of Conciousness
17 Misjah & Tim – Access
18 System 7 – Alpha Waves (Plastikman rmx)
19 Underworld – Kittens
20 The Prodigy – Smack my bitch up
21 Noisia – Machine Gun
22 Leftfield – Africa Shox
23 Ronny – 1 Million Miles
24 Cherrymoon Trax – House of House
25 Snitzer & Mc Coy vs Humate – Oh my Darling, i love you!
26 Little Computer People – Little Computer People
27 Funk D’Void – Diabla (Heavenly mix)
28 Kink – Don’t hold back
29 Tyree – Rock this Party right
30 Humate – Love Stimulation
31 Deichkind – Arbeit nervt
32 Alexander Marcus – 1,2,3
33 Hustlers Convention – Get yourself together
34 Jimi Tenor – Take me Baby
35 Apoptygma Berzerk – Starsign
36 KB ft Wayfinder, Ronny & LB – Breakpoint 2010 Invitation tune
Hi ROnny, thanks for the mix.. it was great! leeching it now