Mafia 2 von 2K Games

In allen klassischen Mafia-Filmen, von Francis Ford Coppola, über Sergio Leone, Brian de Palma, Martin Scorsese, bis hin zu den Sopranos, immer geht es um die Frage, ob die kapitalistische Gesellschaftsordnung die parasitäre Struktur des organisierten Verbrechens begünstigt, oder gar selbst hervorbringt. Der einzelne Mafioso ist meist tragischer Held und schwankt dabei zwischen Täter, der für seine Taten zur Rechenschaft gezogen werden muss – und Opfer, weil er durch die gesellschaftlichen und vor allem die patriarchalen Mafia-Strukturen zu seinem Handeln gezwungen wurde. Die Dringlichkeit dieser Fragen wird meist durch explizite Gewaltdarstellungen, unverhohlenen Rassismus, Homophobie und Frauenfeindlichkeit unterstrichen- alles natürlich im Rahmen von künstlerischer Freiheit und unter Berufung auf authentische Wiedergabe der Realität.

Genau aus diesen Zutaten, die sich seit gefühlten Hundert Jahren popkultureller Mafia-Verwurstung ergeben haben, besteht auch Mafia 2. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf den Hauptdarsteller, Vito Scaletta gelegt, dessen Aufstieg vom Habenichts in die höhere Liga der Gangsterbosse- und anschließender Fall Inhalt des Spiels sind. Neben der extrem filmischen Gangstererzählung ist Mafia 2 aber auch ein Open-World Spiel, das sich wegen der Thematik natürlich immer an der GTA-Reihe messen lassen muss. Das Setting der fiktiven Großstadt Empire Bay in einem aufstrebenden Nachkriegsamerika ist klug gewählt und meisterhaft umgesetzt. Architektur, Mode, Autos und nicht zuletzt die Radiosender, die man hören kann, während man zum nächsten Banküberfall fährt, erzeugen ein konsistentes Bild der 40er und 50er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Im Gegensatz zu GTA soll Mafia 2 aber ernsthaft sein und keine überspitzte Persiflage und eben auf diese authentische Gangster-Film-Erzählung konzentriert sich Mafia 2 so sehr, dass spielerische Momente auf der Strecke bleiben. Zwischen den unzähligen Filmsequenzen muss man immer wieder Auto-fahren und aufpassen, dass man das Tempolimit nicht überschreitet, oder schwerere Verkehrsunfälle verursacht, da sich sonst die Polizei an einen heftet und vorläufig in Sicherheitsverwahrung nimmt. Besondere Herausforderungen stellen die Verfolgungsjagden allerdings nicht dar. Gestohlene oder demolierte Autos lassen sich für ein paar Dollar in der Werkstatt schnell umspritzen, oder reparieren, so dass man dann unbehelligt weiterfahren kann.

Großartig andere Zeitvertreibe bietet Empire Bay sonst leider nicht. Die Kleidungsauswahl im Modegeschäft ist etwas mager und auch einen Friseur gibt es leider nicht. Trotzdem muss man nochmal betonen, dass die Ausstattung und die Detailverliebtheit im ganzen Design des Spiels sehr beeindrucken- Obwohl man dann doch etwas zu häufig in Treppenhäusern auf- und abrennen muss und die Möglichkeiten, alle Wasserhähne und Fenster zu öffnen auch nicht abendfüllend sind. Etwas mehr Spaß machen allerdings die Schießereien, weil Vito sich flüssig bewegt und behände in Deckung gehen kann. Aber auch hier stellt man nach kurzer Zeit fest, dass die Gegner nicht von der intelligentesten Sorte sind und kaum Überraschungen bergen.

Insgesamt scheitert Mafia 2 am Anspruch, ein ernsthaftes Gangster-Drama sein zu wollen- das können Filme besser. Im einem Open-World Spiel muss es mehr Möglichkeiten für den Spieler geben, die Grenzen des Systems auszutesten. In dieser Hinsicht bietet Mafia 2 leider nicht viel Spielraum.

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