Vanquish von SEGA

Eines der heissesten Entwicklerstudios ist Platinum Games in Osaka. Ursprünglich unter dem Namen ODD Inc bekannt und vor etwa vier Jahren mit Resten des für Okami und Viewtiful Joe verantwortlichen Clover Studios fusioniert, schloss man zuletzt einen vier-Titel-Deal mit unserem Lieblinspublisher SEGA ab. Ergebnis dieser Zusammenarbeit waren das atemberaubende Bayonetta, der Schwarz-Weiss Splatter MadWorld, das DS Rollenspiel Infinite Space und jetzt der Action Shooter Vanquish. Im Vordergrund der Firmenphilosophie steht das Bemühen, aussergewöhnliche Spiele zu machen, denn eines der größten Probleme der Games Branche sei laut Platinum Games die mangelnde Bereitschaft, sich auf Experimente einzulassen und deshalb hauptsächlich Fortsetzungen bereits bewährter Spielkonzepte zu entwickeln. Guter Ansatz, aber wie sieht das in der Praxis aus?



Der 3rdperson Shooter Vanquish erscheint nämlich erstmal wie eine Mischung aus Gears of War, Dead Space und Lost Planet- spielt sich aber ganz anders. Im Mittelpunkt steht der Protagonist Sam Gideon, der ausgerüstet mit einem High-Tech Kampfanzug die Welt vor einer großen Bedrohung retten soll. Ein fieser russischer Supergangster hat mit einer Superwaffe San Francisco zerstört und erpresst jetzt die US-Amerikanische Präsidentin, damit weiterzumachen, sollten die USA nicht innerhalb einer sehr kurzen Frist kapitulieren. Einziger Ausweg: Unser Held und seine Crew schaffen es rechtzeitig, die Superwaffe zu zerstören. Eigentlich auch nicht so originell, aber die Betonung liegt auf „sehr kurzfristig“. Vanquish ist nämlich schnell. Das merkt man schon im Tutorial, bei dem man mit dem Kampfanzug umzugehen lernt und die Slow-Motion und die Sliding- Funktionen ausprobieren kann.

Während man zu Beginn noch nicht so richtig weiss, wie Vanquish zu spielen ist, kommt man aber nach einiger Zeit darauf, dass man gegen die riesigen Mechs am effektivsten kämpft, in dem man die Zeitlupen-Funktion aktiviert, sich auf die Knie schmeisst und während man in Deckung rutscht, den Gegner noch eben möglichst satt an seinen verwundbaren Stellen mit Blei vollpumpt. An den verschiedenen Statusbalken und der Färbung des Fadenkreuzes sieht man dann, ob man effektiv gewesen ist, oder ob man besser eine der anderen Waffen benutzt, die so zahlreich in Vanquish vorhanden sind. Großen Spaß macht der Wechsel der unterschiedlichen Waffentypen, die ständig upgegradet werden können, weil die unterschiedlichen Waffen in Sams Hand unter herrlichem Ritsche-Ratsche-Geräuschen in ihre verschiedenen Formen umgemorpht werden.

Im Gegensatz zu anderen Shootern, bei denen man meist bequem aus der Deckung heraus die Gegner dezimiert, ist diese Taktik bei Vanquish nicht so erfolgreich. Hier sollte man immer in Bewegung sein. Ein großer Vorteil ist dabei die leichte Steuerung und die Tastenbelegung, mit der man bequem Deckungen aufsuchen und wieder verlassen kann und seine Waffen wechseln und nachladen. Auch nicht ganz so einzigartig, aber trotzdem immer für einen Schockmoment geeignet sind die verschiedenen Quick-Time Events, mit denen zwischendurch immer mal wieder die Reaktionen getestet werden und mit denen Sam dann Geschosse umlenkt, oder tödlichen Säbelhieben ausweicht. Mit einiger Übung wird aus einem anfangs etwas statischen und herkömmlichen 3rd person Shooter eine sehr dynamische, technoide Action-Ballerei, bei der man gelegentlich fast den Überblick zu verlieren droht, weil unzählige Geschosse und Raketen und Granatensplitter über den Screen flitzen.

Insgesamt macht Vanquish teilweise den Eindruck eines lauten Arcade-Shooters. Die einzelnen Abschnitte werden nämlich jeweils bewertet und man bekommt Punkte für Zeit, Deckung, zurückgelegte Distanz, abgeschossene Gegner usw. Aus diesem Grund ist es vielleicht auch zu verkraften, dass das Spiel alles in allem relativ kurz ist und auch keinen Multiplayer Modus hat – Die Motivation, einige Abschnitte nochmal und besser zu spielen, ist aber groß. Besonders positiv aufgefallen ist ausserdem die Möglichkeit, Vanquish in so vielen unterschiedlichen Sprachen spielen zu können. Man versteht zwar nichts von der Story, aber auf Japanisch, oder Spanisch klingt das alles ganz schön dringend. Vor allem aber ist Vanquish ein besonderes Spiel, weil es so viel Spaß macht.

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2 Responses

  1. Madame Strobonoid

    Ach SEGA, wo sind nur deine Visionen hinverschwunden …. *Gähn* Hängen denn solche Ballerspiele einem nicht schon zum A-Nuss heraus? Als obs nichts anders mehr geben würde …

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  2. budjonny

    Nee, also Vanquish hätte durchaus länger sein können… und Bayonetta war auch geil.

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