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12.01.2012 | 15:33
 
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transmediale: in/compatible

ubermorgen.com inkompatibel

Hans Bernhard von der Medienkunstklamauktruppe ubermorgen.com tappert durchs Gras einer chemisch induzierten Fantasiewelt und verkörpert damit das Motto des diesjährigen Berliner Traditions-Festivals für Kunst und digitale Kultur transmediale: in/compatible. Das Thema ist natürlich ein Krisenphänomen, denn wenn es inkompatibel wird, laufen die Dinge nicht rund. Aber während Inkompatibilität in der Technik oder der Wirtschaft schlicht ein mehr oder weniger übles Ärgernis darstellt, kann das Nicht-Funktionieren, das ratlose Nebeneinander der Dinge, die nicht ineinander greifen wollen, in der Kultur durchaus auch fruchtbar gemacht werden. In der digital inspirierten und realisierten Kulturproduktion ist die Inkompatibilität somit ein schizophrener Zustand, der sich gleichzeitig destruktiv und produktiv auswirkt. Genau dieses Spannungsfeld soll auf der transmediale vermessen werden, mit dem wie gewohnt breiten Spektrum aus Diskussionen, Workshops und Ausstellung, in der uns dann auch Hans Bernhard im Gras wieder begegnen wird.

Die transmediale 2012 findet vom 31. Januar bis zum 5. Februar im Berliner Haus der Kulturen der Welt statt.

www.transmediale.de
www.ubermorgen.com/psychos



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11.01.2012 | 11:00
 
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Sepalcure

Breakbeat-Mutation aus New York

Die USA sind das Heimatland von House und Techno mit den mystischen Städten Chicago und Detroit. England dagegen hat das Hardcore Continuum und die daraus hervorgegangenen Breakbeat-Mutationen von Jungle über Drum and Bass bis Garage und Dubstep. Historisch vollkommen richtig, auf die Gegenwart aber nur noch sehr begrenzt übertragbar. Bestes Beispiel: Sepalcure aus New York. Deren Entstehungsgeschichte klingt wie der Anfang eines dieser typischen amerikanischen Buddy-Movies.

Praveen Sharma und Travis Stewart sind beste Freunde, seit sie sich Ende der 90er bei Nerdgesprächen über Step-Sequenzer und Squarepusher-Tracks im Chatroom kennenlernten. Jetzt ist Praveens Freundin für ein paar Monate nach Europa gegangen, die Beziehung steht auf der Kippe. Die beiden hängen jeden Tag zusammen ab, zocken Xbox und öden sich irgendwann gegenseitig so dermaßen an, dass sie auf Idee kommen, doch mal gemeinsam Musik in Praveens Studio zu produzieren. “Pangaea, Untold oder Mount Kimbie haben uns zu der Zeit vor etwa zwei Jahren besonders begeistert. Wir hatten zunächst gar nicht geplant, die Ergebnisse zu veröffentlichen,” erzählt Travis. Er verbringt gerade seine letzten Tage in Berlin und wirkt trotz Umzugsstress sehr entspannt. Auf dem Boden stapeln sich Kisten mit Vinyl, neben uns trocknen die frisch gewaschenen Schlafanzüge mit Blümchenmuster der fünfjährigen Tochter seines Mitbewohners Ned Beckett. Ned ist Mitorganisator der Leisure-System-Partys im Berghain und Neffe des Warp-Gründers Steve Beckett. Obwohl der tagsüber als Programmierer tätige Praveen nur per Videochat aus New York zugeschaltet ist und man im Hintergrund das geschäftige Gewusel eines Großraumbüros sieht, ist viel von der rührigen Buddy-Romantik der Sepalcure-Anfangstage zu spüren.

Retro reflexiv
Die im Sommer 2010 auf Hotflush erschiene Love Pressure EP deutet bereits im Titel die schwierigen persönlichen Umstände ihrer Entstehungszeit an. Ein zarter Dubnebel umhüllt die Tracks, die gleichermaßen in der Tradition von US-amerikanischem Deephouse wie von 2Step und UK Garage stehen.

Ein Jahr später hat sich die Liaison von Garage, House und R&B zu einer Art Trademarksound des Post-Dubstep-Universums entwickelt. Wo zuvor Wobble-Bässe und düstere Endzeitstimmung regierten, wimmelt es jetzt vor Diva-Samples und Rhodes. Während dabei oft Cheesyness-Toleranzen strapaziert oder mit künstlich antiquiertem Artwork und Sounddesign allzu platte Retroregister gezogen werden, betreiben Travis und Praveen einen reflektierten Umgang mit der Vergangenheit.

Auf “Feeling That I Know So Well” samplen sie zwar die im März diesen Jahres verstorbene Disco-Legende Loleatta Holloway. Ein derart offensichtliches Sample bildet aber die Ausnahme: “Praveen hat eine große Sammlung alter House-12″s, bei denen sich auf der B-Seite noch Acapella-Versionen befinden. Wir verfremden die meisten Samples so lange, bis sie sich nahtlos in den Track einfügen. Wiedererkennbarkeit ist uns ziemlich egal.”

Geschichtsbewusstsein fängt für Sepalcure erst bei behutsamer Neuinterpretation und nicht schon beim simplem Nachspielen an. So entstand ihr Cover des Strictly-Rhythm-Klassikers “The Warning” von Logic bei einer Jamsession und war zuerst nur als Interlude geplant. Für die Produktion des Albums mussten Sepalcure aber ihre spontane Arbeitsweise aufgeben: “Travis und ich haben sehr unterschiedliche Tagesabläufe. Ich habe einen regulären Nine-to-five-Job und komme nur am Wochenende zum Musik machen. Dann ist Travis aber meist mit seinem Machinedrum-Projekt unterwegs, um irgendwo auf der Welt live zu spielen. Um das Album aufzunehmen hat er sich drei Wochenenden frei genommen. In dieser Zeit haben wir dann versucht, so viele Tracks wie möglich zumindest so weit fertig zu stellen, dass wir später nur noch an Details feilen mussten. Das funktionierte erstaunlich gut, der Großteil des Albums war schon nach zwei Wochen fertig.“

Positive Naivität bewahren
Dem Endergebnis hört man seinen hauruckartigen Entstehungsprozess gar nicht an, im Gegenteil ist Sepalcure ein sehr ausgewogenes Debütalbum gelungen. Den Balanceakt, ihrem Sound neue Facetten abzugewinnen, ohne Fans der beiden EPs zu verstören, meistern sie nonchalant. Der zart-süßliche Weltschmerz, der noch auf “Love Pressure” und “Fleur” dominierte, ist sanfter Euphorie gewichen. Verträumte, flächige Ambientpassagen und die nervösen Basszuckungen von Juke fließen völlig natürlich ineinander. Diese beiden gegensätzlichen Pole verbindet Travis auch auf seinem aktuellen Machinedrum-Album “Room(s).”
Von der zurückgelehnten Beatscience in bester Boards-of-Canada-Plinkertradition seiner Anfangstage auf Merck Records ist das ein großer Schritt, doch kleinkarierte Genreabgrenzungen interessierten ihn sowieso noch nie: “Ob etwas jetzt IDM oder Bassmusik genannt wird, ist mir egal. Vieles was heute in die Bassmusik-Schublade gepackt wird, verstehe ich als eine direkte Fortsetzung von IDM. Bevor IDM zu komplex und unzugänglich wurde, war es einfach eine kreative Oase abseits funktionaler Clubmusik, in der zwischen 90 und 160 BPM alles erlaubt war. Viele junge Produzenten haben heute wieder etwas von dieser positiven Naivität.”

Aufbruch Bass
Wenn man Travis und Praveen mit genau dieser positiven Naivität über Musik sprechen hört, vergisst man schnell, dass sie den meisten ihrer aktuellen Kollegen etwa zehn Jahre an Erfahrung voraus haben. Auch Praveen versuchte sich neben seiner noch immer laufenden Radioshow “Percussion Lab” bereits in Ambient- und IDM-Projekten. Unter seinem jüngsten Alias Braille erschienen in diesem Jahr zwei Singles auf Rush Hour und Hotflush, die sich noch stärker in klassisches House-Territorium vorwagen: “Vor einigen Jahren hätten mich die Leute noch ausgelacht, heute tanzen sie. Es fühlt sich gerade zum ersten Mal richtig für mich an, House zu produzieren.”
Für wesentlich spannender halten beide aber die gegenwärtige Entwicklung gebrochener Beats in den USA. Die Wurzeln des Hardcore Continuums mögen unbestritten in England liegen, seine unzähligen Mutationen wuchern mittlerweile weit über die Insel hinaus.

An der Westcoast ist die Saat in Form der Brainfeeder-Gang um Flying Lotus und Samiyam schon lange aufgegangen, aber auch in New York stehen die Zeichen auf Aufbruch. Nachdem die Clubszene sich sowohl von der restriktiven Politik Rudolph Giulianis als auch den Folgen des 11. September 2011 erholt hat, scheint mittlerweile wieder vieles möglich. Sepalcure bilden nur die Speerspitze einer Szene, zu der auch Falty DL und Mike Slott zählen. Neben den traditionellen Dub-War-Nächten etablieren sich besonders in Brooklyn immer mehr Parties abseits der geraden Bassdrum, die besonders beim jüngeren Publikum Anklang finden. Die Zeichen stehen also gut, dass die Basshybride auch im Big Apple weiter sprießen.



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10.01.2012 | 16:44
 
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100% Silk & Ali Renault

Vom Pflügen der Historie und der Italo-Front


Amanda Brown

Ein Herz für naive Außenseiter: Am Tellerrand des etablierten Dancefloors spielt das Label 100% SILK mit dem Feuer jeglicher Traditionen und pflügt sich quer durch die Historie. Gleichzeitig fröhnt Ali Renault stolz seiner prekären Italo-Vorliebe, obwohl sein neues Album viel mehr zu bieten hat. All dies passiert zwischen Kalifornien und London: Die Welt ist eben doch eine Scheibe.

Anything goes, denkste! Was der Engländer Ali Renault und die Veröffentlichungen von 100% SILK aus Los Angeles gemeinsam haben, ist die Angriffsfläche, die ihr Sound bietet. Etwa den unverschleierten Bezug auf die Musikgeschichte. Renault hat sich zudem mit der allgemeinen Ächtung von Italodisco herumzuplagen. Trotzig und ein bisschen frustriert nimmt er die widrigen Umstände zur Kenntnis. Die SILK-Platten wiederum lassen sich so gar nicht auf einen Punkt bringen, sondern pflügen quer durch die Geschichte. Das ergibt ein ekstatisch zusammengesampletes Potpourri, das jeden Sound-Puristen in den Wahnsinn treibt. Die sogenannten Konventionen existieren für die extravaganten SILK-Produzenten nicht. Ganz undespektierlich darf man sie Amateure nennen, kreative Dilettanten, die mit einer solchen Unverfrorenheit an Dance Music herangehen, dass der Hassreflex der (Stur)Heads vorprogrammiert ist. Der lobenswerte, grundnaive Plan lautet also: Musik machen, die man selbst als die richtige empfindet. Wenn das dann von außen noch Zuspruch erhält, ist das ein Bonus, sagt Ali Renault, keine Notwendigkeit.
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9.01.2012 | 16:42
 
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Man Make Music

Junges Label zwischen London und Berlin, Dubstep und Deep-House

Man fühlt sich glatt in einem Globalisierungswerbespot versetzt, wenn Nikhil Shah, George FitzGerald und Julian Neumann im Halbstundentakt im stilvoll abgefuckten Ambiente eines semilegalen Clubs in einem noch nicht zu Tode gentrifizierten Kiez Berlins eintrudeln, um sich in die improvisierte Sofaecke zu fläzen. Nikhil hat einen indischen Migrationshintergrund, George besitzt diese gesund englische Blässe und Julian weiß man nicht so genau einzuordnen, aber mit Nike Air Pullover und Base-Cap ist man sich intuitiv sicher, dass er Deutscher ist. Warum auch immer. Dazu spricht George bald akzentfreier Deutsch als man selber, was man als sehr ungewöhnlich empfindet. Dahinter steckt eine enge Freundschaft, die an und mit Man Make Music, dem kürzlich gegründeten Label, gewachsen ist. Denn die Geschichte ist wesentlich länger als die Existenz des Labels vermuten lässt. Aber eins nach dem anderen.

George FitzGerald gehört zu den Musikern, die auf Basis der 130 BPM die Genregrenzen immer wieder so derbe durchdeklinieren, dass den Sound-Theoretikern die Spucke weg bleibt. In diesem Bereich ist noch lange nicht alles gesagt und er bestätigt das von Simon Reynolds formulierte reflexive Moment von Retro. Insofern ist George mit seinen Stücken so nah am Puls der Zeit wie die Retro-Debatte selber. Sein Debüt “The Let Down” kam 2010 auf Hotflush, also genau zu der Zeit, als Scubas Imprint damit begann, Hot-Shit-Garantien zu jedem Release gratis dazuzugeben. So wurde auch der in London lebende FitzGerald damit ausgestattet. Denkste! Denn statt Lobeshymnen regnete es Kritik vom Online-Olymp Resident Advisor. “The Let Down” hebe sich nicht von den Produktionen Scubas oder Joy Orbisons ab, hieß es. Vor allem letzterer sorgte mit “Hyph Mngo” für den Trivialitätsstempel, der George schwer zu schaffen machte.
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Heute am Kiosk: De:Bug 159

Lana Del Rey, Startup-Szene Berlin, Leserpoll-Auswertung, R&S Records

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5.01.2012 | 15:10
 
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Erweiterte Kunst

Beck's Green Box Project

Mit dem Green Box Project initiiert der Bierbrauer Beck’s rund um den Globus Kunst in den noch weitgehend unergründeten Gefilden der Augmented Reality. Der grüne Würfel ist dabei gleichzeitig Markenpräsenz und Schlüssel zur digitalen Erweiterung der Realität am Handy-Display, die im Umfeld der analogen grünen Boxen erlebt werden kann.

Als es an einem windig-frösteligen Dezemberabend auf der Kreuzung Tor-Ecke-Mollstraße knallt, haben wir wieder etwas gelernt. Über die einzigartige Konsistenz des Zufalls, über das Verhältnis von echter und digital erweiterter Realität und was uns in Zukunft noch alles auf dem Handy-Display erwarten könnte. Klingt kompliziert? Ist es tatsächlich ein wenig, aber immer schön der Reihe nach: Es geht um Augmented Reality (AR), die digital angereicherte Version der Dinge, die sich direkt vor unserer Nase abspielen, und welche Möglichkeiten sich in diesem neuen Raum für Kunst und Design eröffnen. Und um genau diese kreative Nutzung in der Augmented Reality nachhaltig zu fördern, hat der Bierbrauer Beck´s das Green Box Project ins Leben gerufen. Was Sinn macht, denn die digital erweiterte Realität ist ein gleichermaßen unbekanntes wie vielversprechendes Terrain. Künstler, Musiker und Designer haben gerade erst damit begonnen die Möglichen zu erkunden, die sich in diesem Feld eröffnen. Das Wissen um die Beschaffenheit der Augmented Reality ist derzeit noch so rudimentär, dass nicht einmal klar ist, ob es sich um einen neuen Raum, ein Medium oder um etwas völlig anderes handelt. Was die neuen Gefilde natürlich ungemein spannend macht, aber auch bedeutet, dass ein Unterfangen wie das Green Box Project sich nicht bis ins letzte Detail planen lässt. Beck´s leistet somit als Initiator echte Pionierarbeit, im Rahmen des Programms, das im Juli mit einer spektakulären Installation an der Freiheitsstatue in New York begonnen wurde, sollen in den kommenden Jahren insgesamt 1.000 AR-Projekte umgesetzt werden. Dazu soll sich der Kreis der Kreativen stetig erweitern, indem mit Bekanntheitsgrad des Projekts auch die Zahl der Einreichungen zunehmen. Welche Konzepte dann zum Zuge kommen, entscheidet eine Jury unter dem Vorsitz des Modefotografen Nick Knight und des Musikers Sam Spiegel.
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