Der japanische Regisseur Kiyoshi Kurosawa brachte 1997 mit "Cure" den vielleicht besten Vertreter des so genannten "J-Horrors" auf die Leinwände der hiesigen Programmkinos. Sein jüngster Film "Tokyo Sonata" scheint auf dem ersten Blick ein Gegenentwurf zum hypnotischen Suspense des Klassikers, aber auch nur auf dem ersten Blick. Ein Portrait.

Der japanische Horrorfilm der letzten Jahre scheint eine besondere Vorliebe für den Schrecken des Medialen zu haben. Seien es die Videotapes in der ”Ringu“-Reihe oder die Handyanrufe in Takashi Miikes ”The Call“ – der Horror entspringt dem unheimlichen Eigenleben technischer Medien, das sich jeder Kontrolle durch den User entzieht.
Die Logik dieses technologischen Horrors funktioniert immer nach dem Prinzip der Ansteckung: Wer einmal mit dem viralen Medium in Berührung kommt, kann in der Regel dem Tod nicht entkommen. Mit ”Cure“ (1997) von Kiyoshi Kurosawa wird einer der besten Filme des so genannten ”J-Horrors“ auf DVD wieder veröffentlicht und obwohl der Film schon einige Jahre auf dem Buckel hat, wirkt er frischer als alle mäßigen Hollywood-Remakes, die im Gefolge der ersten Erfolgswelle des Genres entstanden sind. ”Cure“ ist zugleich der Film, der Kiyoshi Kuroswa international bekannt gemacht und in die erste Liga des japanischen Gegenwartskinos katapultiert hat.
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Anarchie im Regen, Fotos satt

Fotos: Waldt
Tokio ist eine unglaublich saubere Großstadt, deren Geschichte keine einzige Revolution erlebt hat. Nur bei echtem Sauwetter liegt plötzlich überall Müll herum und aller Orten wird eine Naturalwirtschaft mit stark anarchischen Zügen praktiziert. Ursache dieser Phänomene sind Wegwerfregenschirme, Einwegknirpse und die Schlauchtüten für nasse Schirme, die in Spendern mit Eintütautomatik vor Geschäften angeboten und beim Verlassen des Ladens weggeworfen werden. Regenschirme gibt überall schon ab zwei Euro, sie bestehen fast vollständig aus weichem, weißlichem Plastik und reagieren sehr empfindlich auf Böen.
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Wer mit Techno-Feministinnen auf Japan-Tour geht, kann ganz schön was erleben. Mädchen mit Dutt, Platzangst, Rave-Roboter, Getränkeautomaten in Clubs, Pachinko-Gabba, ehrpusselige Concierges und Windows 7 Whopper. Alles drin, wenn Electric Indigo mit ihrer female:pressure-Gang zwischen Tokio und Okinawa unterwegs ist.

Foto: Daisuke Takahashi
Der Japan-Rappel kommt mit einem Tag Verzögerung. Überfallartig senkt sich die Ahnung einer gigantischen Last auf die Schädeldecke. 127 Millionen Japanerinnen und Japaner ohne Punkt und Komma! Der Shinkansen flitzt mit 300 km/h über die japanische Hauptinsel Honshu, ob der meistens leicht erhabenen Trassenführung schweben die Wagons scheinbar über die Landschaft. Die Züge auf der ältesten Hochgeschwindigkeitsstrecke der Welt sind nicht besonders modern, aber natürlich Tip-Top gepflegt, zudem die Passagiere ohne Ausnahme ein vorbildliches Nutzerverhalten zur Schau stellen.
Vandalismus gibt es nicht einmal in Form verhuschter Gewaltfantasien, gleiches gilt fürs Kleckern und natürlich fläzt sich der Shinkansen-Passagier nicht in die Sessel, er sitzt vielmehr ruhig auf seinen obligatorisch reservierten Platz und schont die Sitzbezüge. Sessel und Beinfreiheit sind übrigens im Vergleich zum ICE mehr als großzügig dimensioniert, man sitzt bequem.
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Wer mit Techno-Feministinnen auf Japan-Tour geht, kann ganz schön was erleben. Mädchen mit Dutt, Platzangst, Rave-Roboter, Getränkeautomaten in Clubs, Pachinko-Gabba, ehrpusselige Concierges und Windows 7 Whopper. Alles drin, wenn Electric Indigo mit ihrer female:pressure-Gang zwischen Tokio und Okinawa unterwegs ist.

Foto: Daisuke Takahashi
Bevor es Zeit für die Disko wird, erkunden wir noch Sake-trunken die Gegend, deren Wahrzeichen ein Riesenrad ist, auf dessen runden Gondeln das Mitsubishi prangt. Jenseits der verkehrsreichen Hauptstraßen ist das Viertel eine große Fußgängerzone, in der sich Restaurants, Bars, Videoläden, Mangashops und Spielhöllen aneinanderreihen. Mitten drin finden wir aber auch ein Bierlokal mit Oktoberfestdeko samt deutschen Trinksprüchen (“Je mehr man trinkt, je mehr man dürstet”) und einen Tiergeschäft, vor dem Schoßhunde in Käfigen ausflippen, weil es von allen Seiten lärmt.
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Wer mit Techno-Feministinnen auf Japan-Tour geht, kann ganz schön was erleben. Mädchen mit Dutt, Platzangst, Rave-Roboter, Getränkeautomaten in Clubs, Pachinko-Gabba, ehrpusselige Concierges und Windows 7 Whopper. Alles drin, wenn Electric Indigo mit ihrer female:pressure-Gang zwischen Tokio und Okinawa unterwegs ist.

Foto: Daisuke Takahashi
Abends spülen wir die Concierge-Affäre mit Bier hinunter und lernen unsere nächsten Club-Lektionen, dieses mal im coolen Amate-Raxi, das keinen internationalen Vergleich zu scheuen braucht, wenn es um Anlage, Licht oder Barpersonal geht. Mieko macht das Warm-up mit harten, tribalen Sounds, die die durchböllernde Bassdrum meistens durch raumgreifend dominierende Bassfiguren oder gebrochene Bassdrums-Patterns in technoider 8-Takt-Manier ersetzen.
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Um die Jahrhundertwende 1900 entwickelten sich nicht nur Wissenschaft und Technik sprunghaft, auch der Zeit- und Vorstellungshorizont der Menschheit erweiterte sich rasant. Das Jahr 2000 avancierte in der Folge zum bevorzugten Tummelplatz für Utopien, Prophezeiungen und Vorhersagen.

1887 – Fortschritt durch Technik
Im Jahr 2000 sind alle Menschen gleichberechtigt, vom 21. bis zum 55. Lebensjahr herrscht militärisch organisierte Arbeitspflicht in der verstaatlichten Industrie. Es gibt ein lebenslanges Einheitseinkommen, Kreditkarten (erst 1924 erfunden), die Luft ist sauber, diverse Orchester spielen Tag und Nacht, die Programme werden per Telefonleitung übertragen und Hörgebühren per Kreditkarte abgerechnet.
(Edward Bellamy: Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf das Jahr 1887, Roman)
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Bruce Sterling ist auch 30 Jahre nach Erscheinen seines Debüt-Romans ein zentraler Taktgeber für Zukunftsvisionen, Utopien und Futurismus. Im Rahmen der Anfang Februar anstehenden Transmediale plädiert der beeindruckend agile Visionär für ein grundlegendes Umdenken in der kulturellen wie auch wissenschaftlichen Gewichtung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Als einer der Cyberpunk-Erfinder schreckt Bruce Sterling auch vor tiefgreifenden Einschnitten in bereits etablierte Gesellschaftsmodelle nicht zurück, wie die zusammen mit William Gibson ausformulierte Welt des Steampunks zeigt, die Futurismus und Historizität in einer fiktiven Version vergangener Ereignisse zusammenführt.
Zwischen Themenfeldern wie Sprachtheorie, Mediengeschichte oder Ökonomie sieht Sterling keine grundlegenden Unterschiede, fügt er doch aufgrund des im Kern liegenden Konzepts der Zeit auch die auf den ersten Blick unvereinbarsten Strömungen plausibel zusammen. Sterling lebt zur Zeit in Turin und bereitet sich auf sein im Februar stattfindendes Panel auf der Transmediale in Berlin vor.
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NO FUTURE: Die Zukunft sieht alt aus, Vorhersagen für das abgelaufene Jahrzehnt, linke Utopien neu vermessen, Sci-Fi-Mode wie gehabt / POLL 2009: Beste Musik, highste Technik & feinste Kultur des Jahres / 2009: Tobias Rapp zum Berlin-Techno-Hype & Frank Schirrmacher zum Nerd-Mainstreaming / HARDWAX: 20 Jahre nur Vinyl, jetzt mit Downloads / NEUE SOUNDS: Wbeeza, Ghostleigh, Cluster, Devo & Delphic / RAVE IN INDIEN: Bangalore Kölsch House / MELODYNE DNA: Das De-Mix-Tool zerlegt Musik in Einzeltöne

HINWEIS: In einem Teil der Auflage hat sich bedauerlicher Weise ein Druckfehler eingeschlichen, durch den das Interview mit Bruce Sterling und die Utopien aus der Mottenkiste streckenweise schlecht lesbar sind. Dafür möchten wir uns entschuldigen und darauf hinweisen, dass die betroffenen Texte sich auch online finden, und zwar hier:
-Bruce Sterling: Atemporality
-Utopien aus der Mottenkiste
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In Zeiten, in denen man ständig mit flackernden, bunten, lauten Farben und Sounds vonseiten der Medien und insbesondere der Werbung angeschrieen wird, tut eine medienkünstlerische Vollbremsung der vorliegenden Art gut.

Dean Wareham und Britta Phllips haben sich der “Screen Tests” von Andy Warhol angenommen. Wareham war Kopf der wunderbaren Indie-Pop-Bands Galaxie 500 und Luna. Beides Bands, die fast jeder liebte, deren Musiker aber dennoch nicht wirklich gut davon leben konnten (erzählt wird dies auf der herrlich traurigen DVD-Doku “Tell Me Do You Miss Me”). Beides Bands, die vor allem durch Wareham stets an die gleichzeitige Gebrochenheit und Leichtigkeit von Velvet Underground erinnerten und doch etwas Eigenes erschufen.
Nun hat sich Wareham mit seiner Partnerin Britta Phillps (ebenfalls Luna und Teil des aktuellen Duos Dean & Britta) für das Warhol-Museum in Pittsburgh an einige der “Screen Tests” von Andy Warhol gesetzt und diese verklanglicht. Die Songs setzen sich dabei zusammen aus neuen Versionen von Luna- und Dean&Britta-Songs, neuen Kompositionen und Coverversionen (z.B. Bob Dylan). Warhol hatte in den 60ern um die 500 bekannte und unbekannte Personen vor die Kamera gesetzt, diese vier Minuten abgefilmt und auf ihre Tauglichkeit getestet, eigentlich ein Eignungstest, hier ein Warhol’sches Medienkunst-Experiment.
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Auflegen hieß im Unrechtsstaat Schallplattenunterhaltung. Dazu brauchte man eine Spielerlaubnis. Wie nah man auch beim DJing dem durchorganisierten Kulturapparat der DDR war, fragen wir zwei Zeitzeugen.

Aus dem Special in De:Bug 137: EINHEITSTECHNO
Wer im Osten öffentlich etwas darstellen wollte, sei es als Kabarettist, als Zauberer, als Sänger oder eben als Discjockey, der musste zuerst einmal eine Ausbildung absolvieren und sich ordnungsgemäß prüfen lassen. Bei den Engagements in Discotheken, auf Landgasthöfen, Hochzeiten oder sonstwo konnte von den DJs jederzeit das Vorzeigen des Ausweises verlangt werden, inoffiziell ”Pappe“ genannt, der die Spielerlaubnis als ”staatlich geprüfter Schallplattenunterhalter“ dokumentierte. Ohne Pappe: keine Musik.
Elke Lorenz weiß das, sie wußte es immer. Sie arbeitete von 1979 bis zur Wende als kulturpolitische Mitarbeiterin im Kreiskabinett für Kulturarbeit des Rats des Kreises Rostock. Zu ihren Aufgaben zählte auch die Organisation der Elementarlehrgänge zum Schallplattenunterhalter. Heute lebt die 57-jährige in Rostock und arbeitet für die Kulturverwaltung des Landkreises Bad Doberan.
Ive Müller stand auf der anderen Seite des Schreibtischs. 1985 hat er mit selbst aufgenommenen Tapes die Schuldisco in seiner Heimatstadt Leipzig organisiert. Sein Englisch- und Deutschlehrer Rüdiger Pusch, seinerzeit selbst als Schallplattenunterhalter aktiv, nahm Ive und seinen Schulfreund Jens als Techniker mit auf seine Gigs, die unter dem Namen ”Diskothek Wandersmann“ stattfanden. Später kümmerte er sich darum, dass beide den Lehrgang absolvieren konnten. Nachts als Schallplattenunterhalter unterwegs, war Ive tagsüber als Stahlbauschlosser in einem Leipziger Kombinat beschäftigt. Teile seiner Gage investierte er in Zigaretten, Schnaps oder Kaffee – für die Kollegen, die sein Soll miterfüllten, damit Ive ein paar Stunden Schlaf nachholen konnte.
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