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Workshops Schlingerkurs zwischen Frickeldisco und Krautelektronik scheint mit dem Triple-LP-Rückblick "Workshop" ein vorläufiges Ende genommen zu haben. Nie wieder seekrank mit Kai Althoff und Stephan Abry?
/elektronikaFrom: Disco to: Krautrock to: Ende?WorkshopSie wirkte wie eine abschliessende Werkschau, diese opulente Workshop-Triple-LP, die da Anfang des Jahres auf unseren Plattentellern landete: “Talent” und “Meiguiweisheng Xiang” plus die LP “Mundwinkelplage” mit älterem, bisher unveröffentlichtem Material. Fragen kamen auf und wucherten: Ist das Projekt Workshop am Ende? Eignet sich das hermetisch geöffnete Gebäude, das sich Kai Althoff und Stephan Abry im Laufe von zwanzig Jahren gezimmert haben, nicht mehr für eine sinnvolle Kommunikation nach Aussen (in die grosse Welt des Pop)? Hat das offene und doch schwer zugängliche Kollektiv zu viele endogene Effekte erzeugt, um noch “die Welt da draussen” adressieren zu können? Dramatische Fragen, auf die Künstler und Workshop-Musiker Kai Althoff eine lakonische Antwort parat hat: “Da die beiden Hauptinitiatoren von Workshop, Stephan Abry und ich, recht weit auseinander leben und Stephans Leben als Fotograf in Hamburg doch recht anders verläuft als mein Leben in Köln, ist die Zukunft in der Tat ungewiss.” Immer wieder hat sich Workshop nahe liegenden Zuschreibungen verweigert. So wurde die Hoffnung auf eine “andere”, unsaubere Version von Disco, die das frickelige Sample-Album “Talent” 1994 weckte (gerade erlebt es ein Revival in Frankreich), alsbald durch den kryptischen Kraut-Rock auf “Meiguiweisheng Xiang” enttäuscht. Wären Althoff und Co. den Weg von “Talent” weiter gegangen, hätten sie womöglich im Windschatten von Whirlpool Productions die Pop-Arenen Südeuropas besetzen können – nicht zuletzt wegen Kais eigensinnig glamourösem Tanzstil. Statt dessen: Kompliziert improvisierte Kunstmusik für nahe Freunde und den kleinen bemühten Rest. Allerdings kann Kai die Schwierigkeiten, die viele Aussenstehende mit Workshop haben, nicht verstehen: “Ich wundere mich da immer: Ist es denn wirklich so schwierig, einen Zugang zu finden? Natürlich ist das, was wir machen, äusserst persönlich. Aber andererseits gibt es viele ähnliche Situationen um mich herum. Man kann schnell herausfinden, worum es geht. Nämlich um Konstellationen von Freunden, die etwas miteinander zu tun haben und ein gemeinsames Leben erleben.” Geschichte wird gedachtNeben persönlichen Freundschaften und ihren “organischen” Verbindlichkeiten spielen Erinnerung und Geschichte eine wichtige Rolle im verwinkelten Workshop-Kosmos. Wegen der obsessiven Bezugnahme auf Orte und Worte aus der Kindheit wird Althoff oft mit dem Prädikat “melancholisch” versehen, eine Beschreibung, die seine Filzstiftbilder zu bestätigen scheinen. “Die Stimmung, die in mir aufkommt, wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, ist eine euphorische und gute, die ich gerne wiederherstelle und heraufbeschwöre. Ich erinnere mich vor allem an Momente des emotionalen Aufbruchs, zu denen das Scheitern unmittelbar dazugehörte. Momente, die man heute in Clubs erleben kann.” Immerfort formt und verarbeitet Kai mit Workshop diffuse Verlusterfahrungen, ohne deshalb in kulturpessimistische Trauerrituale abzudriften. Der schönste Track auf “Mundwinkelplage” ist das knappe, aber Raum greifende “Sehr am Rande liegt ein Glück (Spatzen)”. Das Lied beschreibt mit den Mitteln der Musik, dass “Glück” als etwas Marginales und Beiläufiges sein kann, das sich nur als Verlorenes festhalten lässt. Ob auch Workshop als blosse Erinnerung weiterleben werden, bleibt abzuwarten. Wenn ja, gibt es da aber immer noch Subtle Tease, das gemeinsame House-Projekt von Kai Althoff und Justus Köhncke. Ausserdem will es Kai seinem Freund Justus gleich tun und ein Soloalbum veröffentlichen. Die Triple-LP “Workshop” ist bereits auf Ladomat erschienen.
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Text aus De:Bug 35Autor: aram lintzel aram.lintzel@lebensaspekte.de
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