commuterworld
Der Umbau der materiellen Welt in die Digitale läuft unaufhaltsam. Das Neueste eingegrenzt von Nico Haupt.
Commuterworld April 2001
Goodbye MP3 und AVI
Filesharing und Open Source im Aufwind
Die Dotcom-Welt wird gebeutelt, in Folge dessen entlässt selbst die Printmedienindustrie in Amerika fleißig. Doch der Untergrund bzw. die progressive Open Source Gemeinde holt weiter auf. Zwar wird sie immer noch ärgerlicher Weise mit dem Stempel der Piraterie und vermeintlicher Marktwirtschaftsfeindlichkeit geprügelt, und sämtliche Vorträge, die das widerlegen, stoßen auf taube Ohren (EFF Gründer John Gilmore von Usenet kann sich beispielsweise den Mund fusselig reden). Doch auch wenn Filesharing (Napster) sich mehr als Open Source durchgesetzt hat, ist der Umbau von der materiellen in die digitale Welt nicht aufzuhalten. Plattenmajors führen zwar weiterhin sinnlose Alibiprozesse mit Napster, während die Filmindustrie noch lakonisch abwiegelt, und beide entwickeln seltsame Kopierschutz-Verfahren (siehe HDCP, TCPA oder CPRM). Die Filesharing-Gemeinde (P2P) hat sich jedoch stark auf neue Terrains verlagert. Wo nichts offiziell kommt, da holt man halt woanders. Metasauger wie Snoopstar (Bertelsmann) galten schnell als verpönt, webbasierte Ideen wie Mojonation oder Angry Coffee als einfach zu lahm. Viel überzeugender und erfolgreicher dagegen sind die Gnutella Plugins wie etwa BearShare oder Limewire – natürlich gibt es noch etliche Varianten für MacOS oder Linux (siehe z.B. gnutelliums.com). Dort hält man auch schon nach den ersten “Ogg Vorbis”-Files Ausschau, der neuesten Konkurrenz zum Komprimierungsverfahren MP3. Im Videobereich konzentriert man sich statt auf Mpegs oder Avis lieber auf die DivX-Formate oder die Open Source Variante von projectmayo.com (OpenDivX). Die orientieren sich u.a. am MPEG4 Standard und eröffnen sogar schon eine Streaming Entwicklung. Das Message Board von OpenDivX platzt gerade vor spannenden Diskussionen, auch Anhänger von sourceforge.net tauchen dort auf. Natürlich wird im Videobereich momentan noch mehr gesaugt als bedient, die weltweite DVD-Sharefreude wird jedoch psychologisch schon mit den entsprechenden Programmen wie FlasKMPEG, VirtualDub etc.. getrimmt, denn man kann auch schon die ersten unkommerziellen gerippten DVDs bei DivXYZ.com bestaunen, wozu also nur Hollywood? Als weitere Divx-Open Source Mitbewerber gelten auch das belgische 3ivx.com sowie einige unabhängige italienische Programmierer. Bessere Komprimierungsraten, neuere Player sowie DSL und/oder Flatrate garantieren mittlerweile einen Spielfilm schon in 2-3 Stunden Download. Auch MPEG4-Streaming ist schon kommerziell im Netz vertreten. Die erste Online-Videothek ist bei “sightsound” zu besichtigen (mit dem Limitercode DRM). Soap Operas gibt es bei “suite218.com” und bei AlwaysI.com nach einer kostenlosen Testphase Spielfilmklassiker. Videodownloads und Streamings gehen also in atemberaubendem Tempo voran.
Autor: Nico Haupt
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