senking
"Senking" ist das Clicksprojekt des Kölners Jens Massel, der daneben Fussel mit "Fumble" und Pop mit "Kandis" produziert. Und unter allen Umständen lieber Minidiscplayer als Labtops verwendet, denn Monitore sind so eigensüchtig.
elektronika
Konstantes Driften
Senking
Es ist schwer zu sagen, wofür “Senking” eigentlich steht. Jens Massel, der dieses Projekt neben “Kandis” und “Fumble” auf Karaoke Kalk macht, mit gelegentlichen Abstechern bei Raster Noton, scheint irgendwie mit jedem neuen Release in eine andere Richtung zu treiben, ohne dabei den Faden zu verlieren. Es wäre komplett falsch zu sagen: Senking, das ist sein Clickerprojekt. Einfach, weil es sich im gleichen Maß, in dem es wirklich diesen Sound vertritt, gleich auch wieder davon distanziert. Allein schon durch die Arbeitsweise. Jens arbeitet mit Kisten, der Rechner darf nur Sequenzer spielen. Ein Clicks-Producer ohne Powerbook. Hilfe, das darf nicht sein, ist man fast schon versucht zu sagen, weil einem ständig kleine Lebensentwürfe entgegenwehen, die wirken wie ein Komplettreiseangebot. Wenn man ihn fragt, warum er nicht mit Powerbook auftritt, hört man, dass er Laptopauftritte nicht mag und zur stimmigen Liveumsetzung für sein neues Album auf Raster Noton lieber einiges mit ein paar MiniDisk Playern umgesetzt hat, egal ob es poltert, jedenfalls Neo-Luddite! Zuwenig Energie, zuwenig Bewegung, nicht mal mehr Knöpfchendreher, sind so die Ideen, die sich aus der tiefen endlosen Grube der kulturellen Memes erheben. Man muss nur gut genug weghören können, um ihn dann zu verstehen, wenn er sagt: “Ich mag nicht, wie einen so ein Monitor live immer anstrahlt und man immer dahin sieht, obwohl man dann doch nicht soviel damit macht”. Es stimmt etwas nicht im Monitorland. Und das hat nichts mit den Widersprüchen von Technik und biologischer Restmasse zu tun, sondern einfach mit einer Art von Sensibilität, bei der kleine Dinge weit hinten im allgemeinen Duldungspektrum schon viel zu viel sein können. Wir vermuten mal, dass er so auch seine Musik produziert. Und sein letztes Album auf Karaoke Kalk, das noch vor “Trial” auf Raster Noton entstanden ist, legt das besonders deutlich nah. In den ruhigen Tracks aus Bass und Sounds stimmt nicht nur alles, sondern es testet auch jedesmal immer wieder, wie weit und wohin man gehen kann. Und ob das, was man hört, irgendwie zusammenpasst, zusammenhält und ein Bild ergibt, in dem man eine Art Idee finden kann, mit der man eine Weile leben kann.
In nahezu jedem Element seiner Musik findet man diesen Versuch. Etwas zu finden, dass zu ihm passt, ein langsames Testen, Abgleichen und Weitergehen. Etwas, das man für sich vertreten kann, ohne sich für etwas vereinnehmen lassen zu müssen. Genau so falsch käme man mit Fumble: Jens Fusselprojekt (kleinteiliger, verspielter, wirrer) oder Kandis: Jens Popprojekt, gradeaus, einfach, eingängig. Nichts von dem stimmt, weil jeder der drei Bereiche ständig driftet. Senking entwickelt sich mehr und mehr in Richtung Clicks, “weil Clicks einfach so satt klingen, obwohl man eigentlich eher Bässe mit satt assoziieren würde”. Nicht etwa weil sie sich aus den generativen Verfahren schlichtweg am leichtesten ergeben, sondern weil mehr Sound bei dezenter Kontrolle einfach alles zumüllen würde. Kandis entwickelt sich immer mehr in Richtung Beats. “Jörg (von Wunder) meinte schon, dass ich mich da so reinsteigere, dass die Sounds darunter etwas verloren gehen. Das stimmt irgendwie, aber neulich, auf der Abschlussparty vom Ego Club in Düsseldorf, hat es einfach auch funktioniert”. Auch wenn Jens Massel sich eine Weile lang in Beats hineinarbeitet, die leicht so strange werden, dass Karaoke Kalk-Labelunikat Thorsten schon mal lachen muss bei der Vorstellung, dass dazu jemand tanzen könnte. Jens Massel ist weder jemand, der viel Musik hört oder kauft (“Vielleicht arbeite ich auch deshalb so wenig mit Samples, weil ich einfach keine Plattensammlung habe, aus der ich samplen könnte.”), noch jemand, der ständig neue Software checkt, testet und abstürzen lässt, um nach skurrilen Sounds zu suchen. Er ist ein Producer, der in der Begrenztheit der Mittel Dinge unternimmt, deren Logik sich langsam im stetigen Prozess einstellt, dann aber irgendwie in einer Lösung auftaucht, die wie von selbst ein Lebensentwurf ist. “Ich habe vor einiger Zeit überlegt, dass ich jetzt nur noch Musik mache, und dachte erst, dass es nicht funktionieren könnte. Jetzt bin ich selber überrascht.”
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Text aus De:Bug 51Autor: sascha kösch | bleed@de-bug.de
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