better tomorrow
a better tomorrow
Anton Waldt
Der Pressesprecher des CCC hockt morgens um sieben mit seinem Laptop im Club & mag mit niemandem reden. Später sagt er im Fernsehen (RTL) wie locker die 16-Jährigen das mit den Kreditkarten hinkriegen, also nicht den eigenen. Ein paar soziale Fehlfunktionen also, aber eigentlich ein freundliches Mensch-Maschine-Interface, dieser Chaos Computer Club mit seinem Zentralorgan der Datenschleuder. Die amerikanische Wired ist eher ein Kapital-Maschine-Interface: auf dem Juli-Titel prangen die Zeilen: We’re facing 25 years of prosperity, freedom and a better environment for the whole world. You got a problem with that? Durch weltweit befreiten Daten & Güterverkehr & jede Menge tolle neue Technik soll alles für alle gut werden. In den USA und Asien ist es sowieso schon so weit, Europa muss bloss noch seine negative Einstellung ändern & seine Sozialsysteme abschaffen, Afrika wird einfach nicht mehr beachtet: Kommt nur einmal auf der Übersichtsgrafik der nächsten 25 Jahre vor: Aus ungenannten Gründen werden im Verlauf einer grossen Krise im Jahr 2015 fünf Millionen Afrikaner sterben… 2010 gibt es keine “birth defects” mehr, 2015 gibt es die Gen-Krebs-Therapie, 2020 werden alle schon 120 Jahre alt und 2025 gibt es die ersten Designer-Babys. Das ist Süd-Kalifornien: Das Leben in Home-Run Distanz zu den Südamerikanischen Parias verbringen, ohne einmal das Kratzen an der Käseglocke zu hören. Täglich alleine soviel Wasser und Strom verbrauchen wie eine durchschnittliche afrikanische Kleinstadt, aber stolz wie Oskar, wenn es nach mühsamen Jahren des Forschens gelingt, den Energieverbrauch der eigenen Festplatte um 10% zu reduzieren. Die Vega-Burger mit Calzium-Cherry-Coke runtergespült & das Ganze mit einem Schuss Beastie Boys Outfit und Scientologie & Microsoft-Big-Brother Metaphysik aufgepeppt. Da sind die Journalisten, die mit Hilfe anonymer Informanten, die in Parkhäusern Informationen aus dem Schatten flüstern, den Präsidenten stürzen, echte Fackelträger der Aufklärung. Wenn die Punika Oase nicht der letzte menschenfreundliche Ort werden soll (vom Rücksitz eines Cadillac auf die Ladefläche eines Melonenlasters ist sowieso ein schlechter Tausch) muss der digitalen Elite soziale Kompetenz eingebleut werden, sonst löst der Silicon-Valley-Zentrismus den Euro-Zentrismus ab: 120 jährige blonde Hünen, die mit Nanotechnologie ihren Sonnenschutzfaktor bestimmen, um dann im Wasserstoff-Mobil zur Fingernägel-Gendusche nach Beverly Hills zu flitzen oder ihrem Haustier, dem Bank-Wesen, was zum Ficken besorgen: vielleicht einen Fenster-Putzer? Die Geheimwaffe gegen solche Bio-Chip-Dumpfbacken ist die grosse Schule des Abhängens, die sich vor allem in Europa in den letzten Jahren entwickelt hat: mindestens den Soundtrack kennen & lieben wir schon jetzt. Es gilt diese kulturelle Definitionsmacht in gesellschaftlichen Druck zu verwandeln : Vorwärts & nicht vergessen wie unsere Party geht, beim Abhängen und beim Einfahren : die Solidarität. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Diana nicht von Leo Kirch und der CIA umgebracht wurde, um strategische Optionen auf Spionage & TV-Satelliten zu bekommen, sondern von der Metalheadz-Crew um a) die britische Monarchie zu stürzen, aus Rache für die Weigerung der Windsors, sie zu Hoflieferanten zu machen und b) um die Einführung des Euro zu verhindern und so ihre (also Metalheadz’s und nicht Dianas) Exportgewinne im Platten & Goldzahngeschäft nicht zu gefährden.
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Text aus De:Bug 04Autor: anton waldt
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