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18.07.2002 | 14:30
 
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Baby Ford

Peter Ford produziert als Baby Ford seit 13 Jahren Tracks auf des Schaumes Krone der Aktualität. Von Acid-Poppern bis minimalem Shuffle-Funk, von "Oochy Koochy" und "Chickie Chickie Ahh Ahh" bis "Check your Buddah" und seinem neuen Album "Sacred Machine". Mo vom Elektro Music Department kultiviert mit ihrem langjährigen Freund Peter die Kunst des gehaltvollen Plauderns.


England’s Dreaming

Wenn England träumt, gebiert es Monster. Zumindest gerne im House. Niemand weiß das besser als Baby Ford. Peter “Baby” Ford brachte vor 13 Jahren mit “Oochy Koochy” oder “Chickie Chickie Ahh Ahh” die Ibiza-Acid-Euphorie auf den überkandidelten Siedepunkt. Ganz vorne ritt er mit auf diesem mythischen Patchwork der Stile und Haltungen, umrankt von Gebinden aus Smileyblüten um Gitarren und 303s. Er jubilierte T. Rex’ “Children of the Revolution”, um die XXX-T-Shirt-Träger auf ihr politisches Profil zu stoßen, weigerte sich, ein Betonkopf der UK-DJ-Mafia zu werden wie Danny Rampling und baut seitdem sein unerschütterliches Label-Luftschiff aus “Trelik” und “I-Fach” über dem Monster-Pfuhl, der von Muzik, DJ, MixMag, Ministry of Sound und solchen Magazinen angerührt wird, aus. Ein stiller Gigant, der in England für Don Quichotte, auf dem Kontinent (Deutschland und Spanien vor allem) aber schlicht für den Don des dunklen Funk gehalten wird. Wie Dan Bell oder Jörg Burger steht Baby Ford für einen Typus von Musiker, der im Halbanonymen des 12Inch Business an einer kreativen Langzeitkarriere mit permanentem Jungbrunnen basteln kann, die man sonst nur aus der Klassik kennt (weiße Mähne, keine Zähne, geniale Strähne), die im Grellsichtbaren des Pop ihr ‘Langzeit’ aber generell durch völlige Verzombisierung erkauft, siehe Mick Jagger oder Rolf Eden. Mo vom Elektro Music Department, langjährige Duz-Kollegin von Baby Ford, hat sich mit ihm bei Tee verständigt über die Tücken einer unbeirrten Künstlerexistenz, die überall mehr gilt als im eigenen Lande. Ein Präzedenzfall.

Mo Leschelder sprach mit dem smartenn Engländer:

Baby Ford und das IFACH Collective nehmen uns in ihrer “Sacred Machine” mit auf eine Reise, von Track zu Track, vom Teppich bis zum Grand Central. Auf dem Teppich beginnt’s. “Carpet” hat diese Atmosphäre wie auf dem großartigen “Headphoneasyrider”-Album (erschienen 1997 auf Black Market, leider längst vergriffen), besonders wenn die Vocals reinkommen. Dann “On the Floor” (wo sonst?),
DEBUG: “Was wird da gesprochen? Zählt ihr beide da? Klingt irgendwie Deutsch!”
Baby Ford: “Hmm, wir sagen einfach die ganze Zeit ‘on the floor’” (kaum zu glauben).

“Tea Party” (das musste ja jetzt stattfinden auf einem britischen Teppich) wurde bereits veröffentlicht auf der “Healing EP” (Klang) und ist mit Sicherheit schon längst ins DJ-Set von Jeff Mills integriert worden.
Baby Ford: “Ich kann dir ein wenig erzählen zu den beiden anderen, Eon und Thomas Melchior. Eon ist ‘my main minimal man’, mit ihm hatte ich 92 einen Remix gemacht von ‘Fetish’ als Minimal Man (Guerilla). Er ist seit der Stunde 1 dabei und hat ziemlich viel Energie. In den Clubs tut es manchmal ganz gut, seine Tracks auf minus 2 runterzupitchen. Er macht sehr viel im Underground und ist ein völliger Nachtmensch – totally nocturnal. Thomas Melchior ist Deutscher und lebt seit 85 in London, genauso lang wie ich. In den frühen 90ern war er zusammen mit Tim Hutton ‘Vulva’ und hat damals auf Rephlex die ‘From the Cockpit EP’ rausgebracht. Er macht jetzt sein eigenes Label, ‘Aspect Music’, und bringt unter dem Actnamen ‘Melchior Project’ housigere Sachen raus, demnächst auf Playhouse. Unser gemeinsames Projekt nennt sich ‘Soul Capsule’ und ist auch eher housy. Auf IFACH macht er dann die technoideren Sachen als ‘M-Core’.”
“Late Check Out”: “Dedicated to anybody who needs a late check out.” Mit einem Intro von 3.45 Minuten! Never too late to check it out.
Wenn du das nicht hingekriegt haben solltest mit dem Late Check Out, folgt “Bad Friday”. Diese Nummer erinnert ebenfalls wieder an “Headphoneasyrider”: shuffling in pure Darkness. Wo du einsam bist, aber nicht verlassen. Er selbst sagt dazu: “Die Nähe zu Headphoneasyrider ergibt sich wahrscheinlich aus dem ähnlichen Studio-Setup. Das war mir in dem Moment nicht bewusst, und dann liegen 5 Jahre zwischen den beiden Produktionsphasen.”
Bei “Word for Word” schließlich offenbart sich Peters Größe: egal wie “dark” und “deep” er geht, Ford verliert nie eine faszinierende Leichtigkeit. Es gibt immer Hoffnung und Liebe. “Dieser Track entstand gemeinsam mit Cheru Amadi, die hier singt. Ich kenne sie seit ca. 8 Jahren, und sie macht sonst eigentlich etwas andere Musik. Diese Produktion hat sich so ergeben, ohne großen Plan. Und dann passte der Track einfach gut ins Album.”
“Grand Central” – ich verstehe die Idee dahinter. Klar, mit einer Nummer wie “Icetrain” (Mo’s legendärem Stoikertechnomonument auf “Elektro Music Department”, Anm. der Red.) erkenne ich gleich das Interesse an öffentlichen Transportmitteln.
Gehört “Sugarspoon” nicht eigentlich zur “Tea Party”? Egal. Baby Ford: “Weißt du, Mo, wir benutzen zwar unterschiedliches Equipment, aber auf sehr ähnliche Weise. Daraus ergibt sich die ästhetische Nähe zwischen meinen und den Produktionen von Elektro Music Department.”
Kuhglocken! Baby Ford: “Der Track ‘Ambo’ war inspiriert worden durch eine Nummer aus den Achtzigern: ‘Fascinated’ von Ish. Das war HighEnergy aus Miami mit einem Latin Touch. Ich liebe die Cowbell. ‘Ambo’ wurde zuerst veröffentlicht auf IFACH, Nummer 13. Dann gab’s letzten Monat das Original plus 2 Remixe, einer von M.Broom und mir, der andere, wirklich gute von Alter Ego auf KLANG.”
Zusammenfassung: “24hr”, der vorletzte Track auf dieser CD, erinnert mich an die seltsam dunklen Produktionen von Kotai/Bader oder FreeCustomer.Com – zuerst!
Denn dann setzt sich ein Icetrain-mäßiger Bass durch und das Ganze beginnt, wie Peter es selbst gerne nennt, zu “shuffeln”. Baby Ford: “Auf der LP hat dieser Track eine Länge von 14 Minuten! So lang hätte er nicht mehr auf die CD gepasst, deshalb mußte ich ihn etwas schneiden.”
“The Healing” – genial. Ein Liebeslied, voller Schönheit und Schmerz.

Baby Ford: Hallo Mo! Warte kurz, ich muss schnell meine Schuhe anziehen…. Wie geht’s?
Debug: Ja ok. Und dir? Was hast du in letzter Zeit getrieben?
Baby Ford: Also, die letzte Dezember Woche waren Kachina und ich in Spanien, da haben wir uns erkältet. Es war unglaublich kalt. Und der Winter in Spanien ist nicht sehr angenehm, nicht wie in Deutschland, wo’s gute Heizungen und solide Mauern gibt. In Spanien soll es kühl sein in den Gebäuden, nicht wahr? Also sitzt du dort und bibberst. Es war so etwa 0° und die Woche vorher minus 22°! In Barcelona, kannst du dir das vorstellen? Und wir hatten ein wenig Sonnenbaden erwartet…
Debug: Habt ihr Ferien gemacht?
Baby Ford: Nein, ich hab aufgelegt. Die Spanier lieben einen guten Groove, wie die Deutschen. They like to shuffle around, yeah right. Es funktioniert dort einfach. In England dagegen funktioniert es nicht so gut, das I FACH Konzept. Es ist nicht “in your face” genug für England. Du weißt, was ich meine. I FACH ist subtiler. Ist komisch, das “Bretter Ding” in England. Trotzdem lege ich hier in letzter Zeit öfter auf als früher. Im “Fabric” oder auf gelegentlichen Parties. Das “Bretter Ding” verfolge ich nicht wirklich. Aber anscheinend können die Londoner mehr was mit House anfangen. “Bretter Techno” ist offensichtlicher, da ist es einfacher zu sagen: “Nee, gefällt mir nicht.” Aber das interessante Zeug geht in England leicht unter. Unsere Hardcore Anhänger sind eher in Glasgow, mehr oben im Norden, weißt du. Nicht nur die Clubszene, auch die Plattenläden sind wichtig. In Glasgow gibt’s nen richtig guten Laden “Rub A Dub”, und so ist I FACH ziemlich bekannt in Glasgow, weißt du was ich meine? In England brauchen wir mehr Qualität als Quantität – wie in Deutschland! Deutschland zeigt wirklich, wo’s lang geht.
Debug: Es stehen mehrere Veröffentlichungen von dir an. Mit wem produzierst du so?
Baby Ford: Meistens alleine. Oder auch mit Zip von “Perlon”… Letztes Mal in Berlin haben wir zusammen einen schönen Track gemacht, der wahrscheinlich dieses Jahr auf Perlon rauskommt. Eine weitere “BFord & Zip” 12″ nach “Window Shopping” (PERLON15). Und sonst mit den üblichen Leuten… Thomas Melchior, Mark Broom, Eon… Aber im Moment meistens alleine. Denn Thomas ist in Brasilien, Zip in Berlin…
Debug: Und wie lange produzierst du schon mit Mark?
Baby Ford: Broomy? Ich kenn ihn seit ’93. Wir haben uns bei “Fat Cat” getroffen, diesem Plattenladen. Also kennen wir uns fast 10 Jahre. Kurz darauf trafen wir Dave Hill. Mark und ich hatten schon mit gemeinsamen Produktionen begonnen, und Dave war dann eigentlich derjenige, der uns in der Idee bestärkte, eigene Labels zu gründen. “..in these shady lights of a dark London backroom”… Ich hab dann mit I FACH angefangen und Mark und Dave starteten PURE PLASTIC, später dann noch REWIRED und als neuestes Label KING OF SNAKES. Seitdem haben wir zusammengearbeitet, ich hab z. B. die “Chopper” (PURE PLASTIC 3) gemacht. Mit Eon mache ich wahrscheinlich sogar schon länger Musik. Weißt du, es gibt in England nicht viele Produzenten, die auf die gleiche Sache stehen. Und dann wohnen wir noch ziemlich dicht beieinander. Mark wohnt in East London und wir in West London, Thomas, Eon und ich. Ja, es ist gut, wir waren ziemlich beständig in unserer Zusammenarbeit.
Debug: Sonst noch Zukunftspläne? Steht was an mit Kotai und Bader?
Baby Ford: Naja, irgendwann sollte es ein neues “Birds” Album geben. Und dann natürlich eine weitere Produktion von “Midnight Caller”! Wir haben schon drüber gesprochen, wie sich das bewerkstelligen lässt mit dem Datenaustausch, ohne dass ich in Berlin sein muss. Weißt du, Mo, als ich in Chicago war, sind sie dort ziemlich auf “Midnight Caller” abgefahren. Yeah, in Detroit und Chicago gibt’s ein paar Hardcore Followers für “Caller’s Theme”. Ich mach keine Witze, im Ernst! Ich hatte von der Platte immer “Third Kind” gespielt, B1. Mit diesem wirklich schönen, funkigen Break. Aber wenn du “Caller’s Theme” in einem Mix verwendest, dann kommt das richtig fett, der Bass und all das. Nicht einfach zum Aufbauen, sondern als ganzer Track. Und so haben sie den Track in Chicago und Detroit benutzt. War eine ziemliche Überraschung. Auch “Headphoneasyrider” war ziemlich populär dort drüben. Dieses Album ist hier nie richtig ans Licht gekommen. Dagegen waren “Midnight Caller” und “Headphoneasyrider” in Detroit so ziemlich alles, worüber sie reden wollten! Wahrscheinlich gibt es dort schon Bootlegs.
Debug: Es ist immer schön, wenn diese Tracks,…
Baby Ford: …die zu deinen persönlichen Favoriten gehören und sich so gut wie nicht verkauft haben, so eine Reaktion hervorrufen. Sie haben einfach ihren Platz in deinem Herzen, wie “Baird Remo”. Das ist auch so ein Beispiel: hat sich beinahe gar nicht verkauft, ist aber total inspirierend. Von solchen Nummern würde ich gerne mehr machen. Auf eine Art ist “Sacred Machine” so. Da gibt’s einige Lieblingsstücke. Ich bin sehr froh über das Ergebnis, the way it flows.

Auch gut:

  1. baby ford
  2. ford
Text aus De:Bug 56
Autor: mo loschelder, jan joswig
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  1. [...] ist klar: Martyn zitiert gerne typische House-Partien a la Baby Ford oder Nightmares on Wax als diese in ihrer frühen Phase noch Acid in den Hüften hatten (A Word of [...]

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