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30.04.2004 | 13:40
 
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A Better Tomorrow


Für eine besseres Morgen

Statt sich am Frühling oder anderen knuddeligen Dingen zu erfreuen wie der Glückspilz von einem schottischen Busfahrer, der unlängst einen 428 Millionen Jahre alten Tausendfüßer gefunden hat, werden die Schlaumeier dieser Tage immer spitzfindiger. Es dürfte daher angeraten sein, die Fettnäpfchen in Erwartung des nächsten Schlaumeiers zum Beispiel mit Campingkochern ordentlich zum Sieden zu bringen. Wie witzig das digitale Leben wird, wenn Schlaumeier mit einem abgeschlossenen Jurastudium sich auf das Verklagen von Schulkindern und anderen Verbrechern verlegen, ist bald keine exklusive Erfahrung von US-Bürgern mehr: Das EU-Parlament hat Mitte März in recht trauter Einigkeit die “Richtlinie über die Maßnahmen und Verfahren zum Schutz der Rechte an geistigem Eigentum” durchgewunken, nur die grüne Fraktion verhielt sich in diesem Fall korrekt und lehnte ab. Die Richtlinie sollte sich ursprünglich gegen Fälscher von Bremsschläuchen oder Modemarkenramsch richten, die Berichterstatterin zum Thema, Janelly Fourtou, ist allerdings zufällig die Gattin des Vivendi-Chefs und so entstand eine Gesetzvorlage gegen Filesharer und unbotmäßige Besitzer von CD-Brennern. Wenn die Direktive in den Mitgliedsländern umgesetzt ist, können wir uns auf lustige Hausdurchsuchungen wegen des Verdachts der KaZaA-Nutzung gefasst machen. Und als ob das nicht Arsch genug wäre, schleichen sich durch die Richtlinie die unseligen Software-Patente wieder an, nachdem sich die Hörste (Plural zu Horst) im EU-Parlament im letzten Herbst in einem ihrer offensichtlich raren nüchternen Momente wenigstens gegen diesen Schwachsinn ausgesprochen hatten. Wobei “Irgend so ein Horst” zwar eine schöne Redwendung ist, aber auf absehbare Zeit auf der DeBug-Blacklist landen dürfte und in diesem Fall können wir uns bei den Schlaumeiern Merkel, Westerwelle und Diekmann bedanken. Bordell, wohin man auch blickt, so auch hier: “Erschreckend, ich bin jetzt genauso alt wie Hitler, als er so alt war wie ich”, stellt Herr Rubinowitz fest, wobei er allerdings unterschlägt, dass man die Flasche Schnaps ja auch als halb voll betrachten kann: “Fantastisch, ich bin jetzt genauso alt wie Wernherr von Braun, als der so alt war, wie ich jetzt, und da war er schon kein Nazi mehr, sondern hat Amerikaner zum Mond geschossen.” Von Brauns Enkerln haben unterdessen am Rave gelernt und deshalb bekommen die Iraker jetzt was auf die Ohren und das ist dann schon nicht mehr so gut, allerdings immer noch besser als erschossen werden: Das “Long Range Acoustic Device” (LRAD) macht zielgerichteten Lärm, der mit 150 Dezibel auf 30 Meter Entfernung jeden Querulanten vertreiben soll. Da das handliche Gadget nicht nur fiese, psychoaktive Brummtöne beherrscht, sondern auch aus beliebigen Soundquellen gefüttert werden kann, dürfte es auch drollige neue Partyszenen in “Three Kings II” geben. Für ein besseres Morgen: Ersatz für Horst suchen, mit der Demokratie in der EU Ernst machen, sich an knuddeligen Dingen erfreuen und spitzfindige Schlaumeier frittieren.

Auch gut:

  1. Selbstbeherrschung: A Better Tomorrow
Text aus De:Bug 81
Autor: Anton Waldt
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