clean
clean
 MAG
AUTOR
debug
 
DATUM
3.01.2006 | 12:50
 
KOMMENTARE
 
TAGS
  

AddThis Social Bookmark Button

Phil Stumpf

Seit Heinrich Heine hat kein Deutscher in Paris so viel Kultur-Wirbel aufgeworfen wie Phil Stumpf. Mit den ”Minimal Dancin"-Nächten, dem ”Duplex 100"-Projekt und seinen Soloarbeiten gehört er zum Brennpunkt der Pariser Minimalszene.


Das Rohr freipusten
Phil Stumpf

Phil Stumpf gehörte ebenso wie Ron aka Raumagent Alpha zu OH. OH war merkwürdig. Sie wurden 1999 von Virgin als Band gesignt, hatten den Newcomer-Wettbewerb des Zündfunks gewonnen, releasten zwei Alben und verschwanden – offiziell gibt es OH immer noch – zugunsten der Soloprojekte und weil alle fünf Mitglieder in fünf verschiedenen Städten leben, in der Welt der Möglichkeiten. Mit OH traf er auch auf Sam Rouanet aka Reynold von Trenton, der Soundengineer ihrer Tour war, und gründete mit ihm zusammen nicht nur “Minimal Dancin”, die erste minimale Clubserie des sich damals langsam von Daft Punk erholenden Paris, sondern gleich auch noch das Projekt Duplex 100, das, zunächst von Jörg Burgers Popular aus, seinen Siegeszug über Label wie Treibstoff, Initial Cuts und Morris Audio antrat, auf denen die beiden mittlerweile ihre smoothen, klar deep schillernden Tracks releasen.

Seitdem lebt Phil in Paris und will da auch bleiben, selbst wenn er irgendwann mal seinen “Plan A” antreten und als Arzt arbeiten sollte. Bestimmt war es zuerst schwer herauszufinden, dass die Szene zersplittert ist, egal ob sich alle kennen und keiner aus seiner Clique herausfindet, auch wenn sich alles in nur fünf Clubs abspielt (Casino, Tryptique, Batofar, Rex & Pulp), um eine Hand voll Label und 20 Acts kreist, um sechs Uhr alles schließt und man sich eh in den gleichen Plattenläden immer trifft. Paris aber hat sich seit den ersten “Minimal Dancin”-Partys so stark in Richtung Minimalhouse entwickelt, dass sich die Partys mittlerweile Konkurrenz machen können. “Man schlägt sich sogar schon um die Künstler, während wir früher alle Leute als Erste hatten. Wir haben aber das Glück, dass wir nicht immer die großen Namen brauchen, um eine Party zu haben, sondern einladen können, wen wir uns wirklich wünschen. Irgendwann werden wir noch mal eine Minimal Dancin machen, auf der alle dabei sind.”

Für seine eigenen Tracks vermisst Phil ein Label, mag sich aber nicht, selbst wenn er danach so sucht wie nach einem reiferen deeperen Sound, auf einen Sound festlegen. Stakkatokillerfunk auf seiner Praxis EP für Festplatten, staubtrockener, purer Chicagosound für Frankie, noch Rasanteres auf Tombone … falls man den Sound von Phil zusammenfassen will, dann ist er vor allem eins: schnell, verspielt, albern und in jeder Lebenslage funky. “Wenn man zu zweit ist, ist die Streuweite nicht so groß. Alleine lässt man sich sonntagnachmittags schon mal in die melancholische Richtung treiben und macht Samstag den Shuffleburner, und die beiden haben überhaupt nichts miteinander zu tun. Deshalb will ich auch noch mehr allein produzieren, um für mich die Form klarzukriegen, wo ich eigentlich hin will. Noch ist es mehr so wie ein Rohr freizupusten. Aber ich werde mich auch nicht einschließen. Und ich liebe einfach verspielte Melodien, daran wird sich wohl nichts ändern.” Schließlich wird einmal im Monat an Duplex 100 produziert, ab und an auch mit Canvas, der Band mit u.a. Sam Rouanet. Die Liveauftritte von Duplex häufen sich und dazu legen Sam und er immer auch auf. “Als DJ-Duo wollte man uns nie booken, aber für einen Liveact zahlt jeder für zwei Leute. Die Kombination ist perfekt. Duplex 100 Live und Sam & ich als DJs. Alleine will ich aber nicht live spielen, dafür bin ich viel zu sehr DJ. Ich bin nicht der super Technikfreak. Ich bin gerne in einer Band. Und ich hab auch immer schon beides gemacht. Es geht nichts über eine Plattenkiste.”

Text aus De:Bug 95
Autor: Sascha Kösch


Auch gut:

Du meinst