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3.01.2006 | 14:02
 
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Heike Sperling

Bild und Ton gehen immer enger zusammen – nur die Designer der beiden Disziplinen nicht. Damit das aufhört und die Zusammenarbeit effektiver wird, wurde in Düsseldorf das Institut für Medien und Musik gegründet. Professorin Heike Sperling erklärt, was die glücklichen 25 Studenten pro Jahr erwartet.


Audiovisuell gerüstet
Ein Studiengang für Debug-Leser/innen

Geht man in Berlin über die Internationale Funkausstellung, wird man von audio-visuellen Reizen überflutet. Ob Werbefilme oder rein imageträchtige Projektionscollagen mit Musik – alle versuchen den Betrachter mit vertonten, bewegten Bildern in den Bann zu ziehen. Messestände oder Event-Veranstaltungen sind ohne Film nicht mehr denkbar. Aber auch im Kleinen hat sich unsere Wahrnehmung verändert. Im Umgang mit interaktiven Medien erwarten wir meist auch ein audio-visuelles Feedback, um einfach durch Menüs von Telefonen, Internet oder Digitalen TVs zu navigieren. Im Theater und der Oper finden sich mehr und mehr filmische Inszenierungen. VJs verlassen ihren Club-Kontext und werden plötzlich von Produktherstellern für Events und Markteinführungen gebucht. Es gibt kaum eine Band, die Musik ohne ein Video produziert. Und ein Hollywood-Film ist ohne die Filmmusik nur das halbe Vergnügen. Damit sich dies nicht im Medien-Rauschen verliert, müssen Medienproduzenten Erfahrung bei der visuellen Gestaltung mit Musik entwickeln.

”Ton- und Bildtechniker“ heißen die Fachingenieure, die gemeinsam von der Robert Schuhmann Hochschule Düsseldorf und der Fachhochschule Düsseldorf seit 1949 vorwiegend für das öffentlich-rechtliche TV ausgebildet werden. Da sich jedoch die Märkte und auch die Jobprofile gerade in den letzten zehn Jahren grundlegend verändert haben, muss auch die Ausbildung neu strukturiert werden.

Deshalb wurde im vergangenen Jahr an der Robert Schumann Hochschule und der Musikhochschule der Landeshauptstadt Düsseldorf das Institut für Medien Und Musik (IMM) gegründet. Das Ziel: neue Bachelor- und Masters-Studiengänge zu entwickeln – mit verschiedenen Schwerpunkten. Schon heute werden die Studenten parallel zum technischen Teil in audiovisueller Gestaltung ausgebildet. Dies soll in Zukunft noch verstärkt werden. Man möchte dem Leitthema Musik der Hochschule verbunden sein, aber ”marktgezielt“ folgende Bereiche verbinden: künstlerische Praxis, Mediengestaltung und Theorie und Wissenschaft.

2004 wurde Heike Sperling als Professorin für Digitale Bildmedien an das IMM berufen. Seit vielen Jahren arbeitet sie erfolgreich als Creative Direktorin und Produzentin im Bereich TV Design. Bis 2003 war sie Head of Design für das WDR Fernsehen. Für den Musiksender VIVA PLUS entwickelte sie 2001 als freie Creative Directorin und Produzentin das On-Air-Erscheinungsbild zum Sendestart.

Es ist ja eher ungewöhnlich, dass eine Designerin sich in die Welt der Musiker begibt. Warum hast du dich entschieden, nicht an einer Design-Hochschule zu unterrichten?
Als Motion-Graphics-Designerin arbeite ich seit Ende der 80er-Jahre immer gemeinsam mit Musikern an meinen Projekten. Bei bewegten Bildern ist das Zusammenspiel mit der Vertonung Voraussetzung für Qualität. Und ich weiß, wie schwierig es ist, als Designer gleichberechtigt mit einem Sounddesigner zu arbeiten. Normalerweise wird der Sounddesigner erst zum Schluss gebeten, sich etwas für einen Film zu überlegen. Meistens ist er nicht am Konzept beteiligt – und der visuelle Designer ist häufig der Auftraggeber. So kommt es zu Missverständnissen und Problemen in der Zusammenarbeit. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass ich die besten Arbeitsergebnisse in meinem Job immer nur durch eine gemeinsame Arbeit erreicht habe. Mir ist es ganz wichtig, visuelle Gestaltung nicht losgelöst vom Sound zu unterrichten. Die meisten Design-Hochschulen stimmen mir zwar zu, setzen diesen Ansatz jedoch fast nie in die Tat um. Umso toller ist es für mich jetzt an einer Musikhochschule zu sein – mit dem expliziten Fokus auf Bild UND Ton. Wie großartig ist es, hier als Designer unter Musikern zu sein und nicht an einer Design-Hochschule als Nicht-Musiker auf diese besondere Sichtweise pochen zu müssen?!

Wie siehst du im Idealfall die Zusammenarbeit von visuellem und Sound-Design?
Meine feste Überzeugung ist, dass man nur gemeinsam ans Ziel kommt. Das heißt aber auch, dass die Zusammenarbeit schon beim Kundenbriefing beginnt. Von der Konzeption an muss gemeinsam gedacht werden. Beide müssen Entwürfe und Ideen schon hier austauschen. Das ist für viele Kreative schwierig. Ich habe beobachtet, dass es für die Designer übrigens viel schwieriger ist, sich von einem Sounddesigner kritisieren zu lassen – aber umgekehrt …

Es entsteht an eurem Institut gerade ein neuer Studiengang. Wie unterscheidet sich dieser von dem bisherigen Studiengang für Bild- und Tontechnik?
Der bisherige Studiengang Bild- und Tontechnik ist zu zwei Dritteln ein technischer und zu einem Drittel ein künstlerischer Studiengang. Mit der Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge in 2007 wollen wir Schwerpunkte setzen. Es wird weiterhin den Studiengang mit technischem Schwerpunkt geben – als Bachelor und Master in Musik und Medien. Hinzu kommen die beiden neuen Abschlüsse – Bachelor und Master in Musik und Medien -, die eine deutlich künstlerische Orientierung haben werden. Das Spektrum wird groß – aber ich muss auch sagen, einzigartig in Deutschland. Neben der Ton- und Bildtechnik werden wir Musikproduktion, AV-Medienproduktion, Musikinformatik, Musik- und Medientext und Musik- und Medienmanagement anbieten. Von der Komposition, Präsentation, Konzeption, Gestaltung über Musik- und Medienjournalismus und die Programmierung eigener PlugIns für Software-Programme bis zu wirtschaftlichen Themen für Musik- und Medienmanagern – ich denke, dass dies ein spannendes Umfeld für Musikinteressierte wird.

Was sind die Perspektiven für die Studenten mit einem Bachelor oder Masters of Arts?
Die Perspektiven sind erstaunlich vielfältig. Vom Musikproduzenten, sicher der Traum vieler Studenten, über audiovisuelle Inszenierung als VJ, in der Oper oder bei großen Events bis zu Musikjournalisten und Medienmanagern. Und ein für Deutschland völlig neues Arbeitsfeld kommt hinzu, der Music Supervisor. In Hollywood gut bezahlter Bestandteil jeder Filmproduktion, wählt der Music Supervisor die Songs für den Film aus, die einmal den Film unterstützen und außerdem durch die CD-Compilation eine zweite Einnahmequelle bedeuten. Music Supervisor wie Brian Reitzell für ”Lost in Translation“ sind Stars. In Deutschland gibt es gerade mal zwei Menschen mit diesem Berufsprofil und ihr Können wird für Film und Fernsehen immer wichtiger. Auch der Bereich Musikinformatik bietet neue Perspektiven für das Leben nach der Hochschule. Entscheidend aber ist für alle Bereiche die Ausdifferenzierung der Sprache, d.h. sich über Musik und Medien, Bild und Ton ausdrücken zu können. Audiovisuelles Gestalten ist Teamarbeit, je besser sich die Studenten über die Produktionen vermitteln lernen, desto größer sind ihre Chancen, Aufgaben zu finden, die ihnen liegen und mit denen sich Geld verdienen lässt.

Was werden die Vorraussetzungen sein, um sich 2007 für den Studiengang zu bewerben?
In jedem Fall das Bestehen der Eignungsprüfung auf einem Instrument und die Einreichung einer medienbezogenen Arbeit (Bild und/oder Ton).

Auch gut:

  1. heike sperling
Text aus De:Bug 96
Autor: Vicky Tiegelkamp
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