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26.09.2006 | 11:42
 
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Krust

Drum and Bass ist alt und ehrwürdig. Und Krust, einer der frühesten Helden, wird philosophisch. Sein neues Album ist voller Awareness. Das rettet die Welt und bringt Profit.



Drum and Bass ruht in sich selbst wie kaum eine andere Musikrichtung. Berührungspunkte mit anderen Genres sind rar, die von der Technologie angetriebene rasante Entwicklung der ersten Jahre ist längst einer langsamen Verschiebung gewichen, die Außenstehende kaum noch wahrnehmen können. Drum-and-Bass-Helden, die seit den ersten Tagen unermüdlich eine 12″ nach der anderen releasen, wie Krust, dessen grade mal zweites Album, “Hidden Knowlege”, gerade erschienen ist, bewegen sich innerhalb dieser Szene mit traumwandlerischer Sicherheit und einem Glauben an die Kraft von Drum and Bass, die Uninitiierten etwas mystisch erscheinen wird.
Die beiden Berliner Drum-and-Bass-DJs Roly und Wan.2 trafen für uns Krust auf dem Weg nach innen, der für ihn auch ein Weg zum Business ist.

Eins der prägnantesten Samples auf deinem neuen Album ist: “Cowards ask the question is it safe, Experience asks the question is it political, vanity asks the question is it popular, the consciousness asks the question is it right”. Starker Tobak! Was meinst du damit?

Man macht Dinge, weil sie richtig sind. Du machst die Sachen nicht, um populär zu sein und damit dich die Leute auf eine bestimmte Art angucken. Du machst es, weil es richtig ist und weil es gemacht werden muss! Das ist eine Martin-Luther-King-Rede. Er hat das gesagt. Ich wiederhole das nur.

Du willst damit mehr Tiefe in die Tracks packen, anstatt einfach nur Tanzmusik zu machen?

Ja, natürlich. Man muss schon die Balance halten. Als erstes ist und bleibt es Tanzmusik, also musst du dich darum kümmern, dass sie tanzen können. Aber dazu möchte man natürlich auch, ich will nicht sagen politisch, aber bewusst sein. Man möchte den Leuten klarmachen, dass es bestimmte Dinge gibt, für die sie verantwortlich sind. Wir können einfach nicht so weitermachen wie bisher, das ist verrückt!

Wie willst du diese Veränderung erreichen?

Awareness!

In Bezug auf was?

Sich über sich selbst im Klaren sein, darüber, wer man wirklich ist, nicht nur was man physisch darstellt. Aber auf der anderen Seite stecken wir in einer illusionären, materialistischen Welt. Wo dich die Leute etwas glauben lassen wollen, weil sie Angst haben.

Tun das nicht vor allem die Medien und die Politik?

Nur zu einem bestimmten Grad. Wir tun das auch, weil wir schon so konditioniert wurden, diesen Weg zu gehen. Es wurde uns immer gesagt, dass es O.K. ist, so zu sein. Uns wurde gesagt, dass es O.K. ist, Konkurrenz zu betreiben, um weiterzukommen. Aber für mich ist das ein veraltetes Konzept. Wir müssen nicht konkurrieren, denn Konkurrenz erzeugt eine negative Grundeinstellung, die sich als Destruktion niederschlägt. Wenn man jedoch zusammenarbeitet, dann bauen wir was zusammen und entwickeln uns zusammen weiter. Das ist das neue Konzept.

Aber braucht man nicht ein gewisses Maß an Konkurrenz, um sich gegenseitig zu pushen?

Nein, denn man will ja nicht besser als jemand sein, sondern sich zum Maximum herausfordern. Wie kann es sein, dass man z.B. um Energie Konkurrenz betreibt, wenn alle von diesem Problem betroffen sind? Warum gibt es eine Erste, Zweite und Dritte Welt? Warum verhungern die einen, während die anderen vom Platinteller essen? Deswegen sage ich: “Level the playin’ field.” Solange man etwas aus dem Herzen heraus macht, kann man Leute bewegen, und daraus ergibt sich Profit von selbst. Wenn man Dinge aber des Profits halber macht, dann ist man wieder auf dem falschen Weg der Zerstörung.

Wie versuchst du das rüberzubringen?

Drum and Bass ist nur das Transportmedium für die Message. Es gibt einen bestimmten Anteil der Leute, die nur die Musik hören, und die Botschaft geht einfach an ihnen vorbei. Aber es gibt auch Leute, die genau auf die Musik achten und ihre Bedeutung entschlüsseln wollen. Sie können den Vibe spüren, der in der Musik ist. Denn es ist von vornherein bewusste Musik, egal ob mit oder ohne Vocals. Aber das nächste Level ist es, sie nicht raten zu lassen, wie sie das interpretieren sollen, sondern ihnen ein Vocal oder einen Tracktitel zu geben, die genau ausdrücken, worum es geht. Jeder Titel hat seine tiefere Bedeutung. Sie sollen sich das Cover ansehen – zu jedem Titel gibt es eine URL, wo man mehr zum Thema erfahren kann.

Also willst du die Hörer schlauer machen?

Ja, denn was die Kids heute in der Schule lernen, ist alles Müll. Man muss sich wieder an die Natur des Menschen erinnern, also den ganzen Müll vergessen und begreifen, dass unser Geist das großartigste Werkzeug ist, das uns zur Verfügung steht. Es geht darum, sich selbst zu ändern und zwar jetzt und wenn du das machst, erzählst du es deinem Freund, der sieht, dass du dich unabhängig von den ganzen Zwängen zum Positiven verändert hast, und er macht es auch und so weiter.

Unterdrückung, Mann

Wie kommst du zu deinem Standpunkt?

Unterdrückung, Mann. In einer beschissenen Gegend aufzuwachsen, in eine rassistische Schule zu gehen … das hilft. Aufzuwachsen und jemand sagt dir immer, was du nicht kannst. Und du machst es dann einfach trotzdem. Immer wenn sie dir sagen, was du tun sollst, machst du einfach das Gegenteil. Man baut sich eine Crew auf, fängt an illegale Parties zu machen und fängt an zu kämpfen, egal wie. Und während du kämpfst, wird eine Idee deutlicher und deutlicher, bis du weißt, wogegen du wirklich kämpfst und wofür du wirklich kämpfst.

Lass uns über die Musik reden. In welcher Phase befindet sich Drum and Bass? In Osteuropa ist ja alles sehr euphorisch zur Zeit, viele vergleichen die Stimmung dort mit der Anfangsphase in England …

Ja du hast Recht, es ist schon anders, wir befinden uns in Phase 2. In Osteuropa gibt es einen neuen Anfang, die Leute finden gerade einen neuen Lebensstil. In England bekommt Drum and Bass auch andere Züge, er ist erwachsen geworden. man hat jetzt etablierte Künstler, die seit über zehn Jahren dabei sind, Alben machen, Unternehmen haben, die international erfolgreich sind. Und wenn diese Firmen bestehen bleiben, werden es die Majors in 10 Jahren sein. Denn Musik und DJing sind nur zwei Aspekte des Business heutzutage. Wir haben das geschafft und kümmern uns um den Nachwuchs. Das macht bestimmt 80% der Arbeit aus: Infrastruktur ausbauen, neue Talente fördern. Und nicht nur neue DJs und Producer … auch Designer. Wenn du die Kontrolle hast, kannst du dir halt aussuchen, mit wem du arbeiten möchtest. Es ist Zeit, sich nicht auf 12″-Releases mit 1000 Kopien oder eine CD alle sechs Monate zu beschränken. Wir müssen Drum and Bass jetzt als Business betrachten.
http://www.fullcycle.co.uk/

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  1. krust
Text aus De:Bug 105
Autor: Phillip Ketzel & Roly
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