Gadget-Paparazzi: Thomas Ricker
Thomas Ricker ist Senior Editor bei Engadget und Tech Blogger aus vollster Überzeugung.

Foto: skampy
Thomas Ricker ist Senior Editor bei Engadget und Tech Blogger aus vollster Überzeugung. Er lebt und arbeitet in Amsterdam und zeigt damit auch den Prototypen des Bloggers, der von überall aus der Welt über die aktuellsten News berichten kann. Das Netz macht es möglich und Millionen lesen mit. Er erzählt uns, wie er zu seinem Job gekommen ist, wieso Tradeshows noch immer das Maß aller Dinge sind und warum Apple keinen mehr überraschen kann.
De:Bug: Wie bist du bei Engadget gelandet?
Thomas Ricker: Zuallererst war ich ein riesiger Fan. Ich habe alle Sachen von Peter Rojas gelesen, als er noch Gizmodo gemacht hat und bin ihm als treuer Leser auch zu Engadget gefolgt. Anfang 2005 hat sich viel für mich verändert. Ich habe meinen lukrativen Senior-IT-Management-Job bei einer der großen Wirtschaftsprüfungsunternehmen gekündigt und als ich dann als allein erziehender Vollzeitvater von meinen untätigen Nachmittagen gelangweilt war, habe ich mich bei Engadget beworben. Auch wenn das erste Geld gerade meine Getränke im Café während der Arbeit bezahlt hat, ist es die beste Entscheidung meines Lebens gewesen.

Peter Rojas und Ryan Block
De:Bug: Glaubst du, dass sich die rasant anwachsende Popularität von Elektronik und Gadgets auf die Bloggerszene und die Gadget-Nerds ausgewirkt hat?
Thomas Ricker: Auf jeden Fall. Information pflanzen sich rasant fort und jeder will daran teilhaben. Leaks, also das Durchsickern von unveröffentlichten Produktinformationen und Bildern, waren lange eine richtige Seltenheit im Geschäft. Klar, gab es einen stetigen Strom an Spionagefotos und PowerPoint-Folien, aber es ist nicht mit der Flut zu vergleichen, die wir heute an Insider-Infos und -Tipps minütlich bekommen. Apple ist ein gutes Beispiel. Was bislang die am meisten auf Geheimnistuerei bedachte Firma gewesen ist, hat sich enorm durch die massigen Leaks, die uns aus der Produktentwicklung oder den Fließbändern erreichen, nach außen geöffnet. Mittlerweile ist jede große Produktankündigung in irgendeiner Form vorher durchgesickert. Das typische Jobs’sche “One More Thing” gibt es nicht mehr.
De:Bug: Sind Gadgets die neuen Popstars?
Thomas Ricker: In der Tat. Fest steht, dass Leute tagelang in einer Schlange anstehen für die neuesten Geräte. Menschen haben schlaflose Nächte, weil sie es nicht abwarten können, die neuesten Devices von Apple, Nintendo oder HTC in den Händen zu halten. Diese Art von Fanatismus war lange den Rockstars vorbehalten und ist nun auf den Bereich Consumer Electronics übergeschwappt. Es ist strange, spannend, aber auch immer ein bisschen traurig zur selben Zeit.
De:Bug: Wie ambivalent ist man gewissen Firmen gegenüber?
Thomas Ricker: Die Blogger und das Feedback der Leser verstehe ich als ein Teil des Systems, das für ein Gleichgewicht von unten sorgen kann. Keine Firma macht etwas zu 100% richtig. Sony ist ein gutes Beispiel. Wir lieben Sony, sie machen großartiges, manchmal revolutionäres Zeug. Aber wir sind häufig so frustriert, wenn eine fantastische Technologie durch armselige Software und Controller amputiert werden. Die User Experience ist uns wichtig. Dasselbe gilt für Apple. Mobile Me war doch wie ein fahrender Bus, bei dem die Räder abfallen, ein Fiasko. Keiner will Fanboys, man muss auch mal sagen, was nicht passt.

Thomas Ricker
De:Bug: Wie steht ihr zu Tradeshows? Spaß oder langweilige Pflicht?
Thomas Ricker: Die Tradeshows sind auf jeden Fall die jährlichen Highlights. Sicher, die Tage können lang und das Essen fad sein. Manchmal prügelt man sich durch die langweiligsten Corporate Slideshows, die man sich vorstellen kann. Aber wenn man im Sektor Gadgets drin ist, und ich meine damit wirklich drin, dann kann es viel besser nicht sein. Auf Tradeshows hat man die seltene Möglichkeit, alle Engadget-Schreiber zu treffen. All die Brain Power und der giftige Witz, die da zusammenkommen und einen durch die ganze Nacht peitschen können. Wenn ich von Tech Bloggern und Journalisten höre, wie sie sich über Messen beschweren, denke ich immer sofort: “Du bist im falschen Business, my brother!”
Text aus De:Bug 128Autor: Ji-Hun
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