Background/ Andy Vaz

Als Andy Vaz “Background” 1998 mit Leuten wie Todd Sines, Terrence Dixon und Stewart Walker begann, war kaum abzusehen, wozu Minimal Techno einmal werden würde. Die konzeptuellen Reduktions-Serien wie Concept und Studio 1 waren grade mal ein Jahr her, Kompakt frisch als Laden gestartet und die erste Platte auf Kompakt erschien auch erst Ende des Jahres. Von Düsseldorf war an Minimal Techno schon mal gar nichts zu hören, es sei denn man hatte die ersten Antonelli-Releases auf Stewardess und würde sie nachträglich umdefinieren. Damals hatte Andy in Düsseldorf Partys gemacht, um Leute rüberzubringen, die vorher noch nie in der Gegend waren. Daraus entstand auch sein Label. Anfangs klassischer minimal, hat es einiges an Phasen durchgemacht, die man immer auf der Futuristic-Experiments-Serie verfolgen konnte. Die ersten deutschen Acts kamen knapp ein Jahr später dazu, die San-Francisco-Phase begann mit Kit Clayton und Sutekh und gab einen nächsten Schub für Minimal Techno, wie man es heute versteht, nicht nur bei Background, denn auf einmal waren die Laptops überall. Rhythm Maker (aka Antonelli) übernahm das Sublabel “A Touch Of Class” fast komplett. Ein weiteres Label, “Deep Night Essentials”, tauchte auf und unter. 2001 begann die kanadische Invasion auf Background mit Jeff Milligan (wem sonst), Deadbeat, Akufen, und die ersten Subgenres – Microhouse, Clickhouse und Freunde – wurden erfunden, um durch die Flut von Minimal Sound noch durchzublicken. Und ein Jahr später tauchten auch noch so völlig außenstehende und außergewöhnliche Leute wie Portable, der Macher von Südelektronik, und Dave Miller, ein Australier mit Jazzhintergund, auf Background auf. Andy Vaz gründete ein weiteres Sublabel “Soundvariation” aka [---] nur für sich, und mit Oliver Hacke ging die nächste Generation Düsseldorfer Producer an den Start.

Deepness = Minimal ohne Futurismus

Minimal war längst nicht mehr Minimal, überlebte aber nicht nur mit Background, sondern lässt sich in seiner Entwicklung am Label auch ablesen, konsequenter als bei vielen, die sonst diesen Namen als Flagge tragen. Minimal ist längst ein Sich-Hinabsenken geworden, etwas, auf das man sich einlässt. Minimal und Deep sind fast schon Synonyme und sie unterscheiden sich nur noch darin, dass Minimal immer noch den Hauch von Futurismus hat, den Deepness nie brauchte. Beide unterscheiden sich aber von Retro, weil sie nicht zurückblicken können, sei es, weil es immer noch nach vorne geht, oder weil es immer schon um etwas anderes ging. Background ist das Gegenteil von Retro. Auch weil Andy Vaz jemand ist, der gerne klare Richtungen hat. Für ihn ist und war Background ein Technolabel, und Techno heißt tanzen. “Ich bin der totale Verfechter davon, gehe zwar auch gerne in elektronische Konzerte, aber selbst ich, als großer Musikliebhaber, denke mir dann oft, jetzt könnte es aber auch einfach weitergehen, einen Whiskey trinken und über die Tanzfläche eiern. Nachts ist das beste Umfeld dafür. Dafür ist es gedacht. Clubs, weggehen, tanzen und etwas ruhigere Klänge, das muss sich nicht beißen. Ich finde es auch gut, wenn Abende sich langsam aufbauen und irgendwo hinkommen.” Weshalb jedes Verständnis von Background-Platten als frickelige Zuhause-Musik falscher nicht sein könnte. A Touch Of Class ist sein Deep-House-Label, und auch wenn tausende von Orgelsolospezialisten das nie verstehen würden, kann man “deep” eigentlich kaum präziser fassen. “Das Tolle an Deephouse ist doch, dass es nirgendwo hingeht. Das weiß man auch schon seit Jahren. Es muss nicht modern sein, es muss nur Spaß in der Nacht machen.” Und dann trifft es sich auch wieder mit Minimal Techno, das für ihn eben auch für Deepness steht. Aber für Andy war weder die interne Verschiedenheit des “minimal” Ansatzes der eigenen Acts etwas, das sich wiedersprechen würde, noch aktiv und passiv je ein Gegensatz. “Für mich gehört alles zusammen. Als Plattenkäufer ist der Schritt zum Rumbasteln zu Hause selbstverständlich. Und mit der Laptopgeschichte ist das noch viel einfacher geworden.”

Der Sound des Teilens

Seine Musik auf Soundvariation entwickelte sich vom Experiment über Minimaleres auch wieder hin zum Dancefloor und hin zu komplexen Arrangements (auch hier kein Widerspruch), nicht zuletzt weil er immer öfter auch selbst Live auf Background-Labelabenden auftritt, die er natürlich am liebsten ganz in der Hand hat und nur mit seinen Acts füllt, weil er dann einfach weiß, dass die Musik seine Ideen teilt und sich ein Bogen entwickelt, in dem sich diese Idee auch hören lassen kann. Aber Background ist kein Label, das einen Sound verfolgt, Es sei denn, diese Idee des Teilens der Idee ist der Sound. Background ist ein Label, das von und mit seinen Acts lebt und sich weiterentwickelt, und sich gerne deren Techniken und Ideen öffnet und sich daran weiterentwickelt, ohne dass sich die Acts für den Sound von Background verbiegen müssten. Dave Miller und Portable sind dafür die besten Beispiele. “Dave Miller ist immer extrem schöngeistig mit seiner Musik. Eigentlich hätten wir schon 1001 Album machen können, aber er stößt immer alles wieder um und ist ein ewiger Zweifler an seinen Sachen. Wenn wir uns das erste Mal sehen, jetzt auf der Tour, dann wird sich wohl einiges klären.” Background bleibt dennoch konsequent wie wenig andere Label darin, minimale Sounds auf den Dancefloor zu bringen und Kicks zu erfinden, die viel Raum lassen für das Neue. Hauptsache ist nicht, dass der Background, sondern die Grundlage stimmt.

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Elektronische Lebensaspekte.

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