Auf der Website erklären einem die Whitestripes, wie es geht: Mit Creative Commons läuft seit einem halben Jahr erfolgreich ein Projekt an, das Copyleft auch für den kreativen Bereich zugänglich machen will. Und es sieht gut aus.

Standing on the Shoulders of your Peers

Für Software gibt es mit Open Source und der GNU-Lizenz schon seit einigen Jahren Verfahren, die sich – gerichtlich durchgespielt – dem Copyright entgegensetzen.
Ende letzten Jahres ist ein Projekt aus der Taufe gehoben worden, das ein Überleben freier Information jenseits von Software sichern will. Es nennt sich Creative Commons. Commons sind jene Flächen in Orten und Städten, die keinem einzelnen, sondern allen gehören und für alle Menschen zugänglich sind – Grünflächen und Parks. Der federführende Freidenker hinter dem Leitsatz “Some rights reserved” ist Lawrence Lessig, Jura Professor an der amerikanischen Stanford Universität, der sich für die Verwirklichung der Creative Commons drei Jahre Auszeit von seiner wissenschaftlichen Laufbahn genommen hat. Ein Blick auf die Herkunft der ebenfalls am Projekt beteiligten Personen fördert einen Querschnitt durch die amerikanischen Elite-Ausbildungsstätten zutage: MIT, Duke University, Harvard Law School – hier ballt sich die  Art von akademischem Engagement auf gesellschaftlicher Ebene, die deutsche Denker weiterhin vermissen lassen.

Du Darfst
Lawrence Lessig hat seine Philosophie relativ einfach auf den Punkt gebracht. Die Aussage des alten Copyright sei “Das darfst du nicht!”, während die liberalen Lizenzen der Creative Commons Bewegung ergänzen wollen: “Das darfst du.” Das verspricht Übersicht für den Anwender. Auch die juristischen Grundsätze sind weit einfacher nachzuvollziehen, als es normalerweise im klassischen Rechts-Lingo üblich ist: Texte, Musikstücke, Bilder und Filme, die unter dem Label der Creative Commons veröffentlicht werden, sind vornehmlich frei zitier-, kopier- oder veränderbar, dafür muss diese Regel aber auch für daraus hervorgehende Werke gelten. Würde es bei dieser ätherisch erhabenen Geste bleiben, wäre für die praktische Anwendung, wie so oft, nicht viel gewonnen. Aber: Über ein modulares System ist das Grundprinzip den entsprechenden Bedürfnissen anpassbar (siehe Kasten). Eine kindergerechte Comicerklärung und anschaulich populäre Fallbeispiele beispielsweise um die rotweiße Gitarrenband Whitestripes führen auf creativecommons.org selbst Laien die jeweiligen Möglichkeiten vor Augen.

“May the source be with you”
Das Rückgrat aller Einfachheit bildet ein ausgefeiltes Stück Recht, das gegebenenfalls auch vor Gericht bestand hat. Es ist nicht nur löblich, sondern war vielmehr notwendig, dass dieses längst überfällige Instrumentarium für den Normal-User geschaffen wurde. Denn wie Lawrence Lessig mit Blick auf rechtliche Fallstricke und systeminterne Abhängigkeiten selbst hervorgehoben hat: “Veröffentlichen – das kann sich nur noch die New York Times erlauben”. Die meisten sind in der Lage, sofort nachzuvollziehen, was an der Erhaltung und Kultivierung freier Information so schützenswert ist. Fast jeder Mensch, so Lessig, erzähle gerne Witze. Vor allen Pointen die Urheberrechtsfrage klären zu müssen, sorgt zwar primär für Lacher, dürfte jedoch kein lustiges Ende nehmen.

Countershopping
Um der Tendenz entgegenzuarbeiten, dass wir in 20 Jahren vielleicht unsere eigenen Kinderfotos von Digipix-Rechteshopper Bill Gates mieten müssen, vor allem aber damit wirklich wichtige Informationen weiterhin frei zugänglich bleiben, will Creative Commons in einigen Fällen bedeutende Werke auch selbst erwerben, um sie der Allgemeinheit zur Verfügung stellen zu können. Parallel dazu sollen im Rahmen von Intellectual Property Conservancies all die Dinge für die Öffentlichkeit erhalten werden, die durch technologische Umstellung oder Eigentumswechsel Nutzungsrestriktionen unterworfen wären (z.B. für den ungünstigen Fall, dass Bill auch auf die Idee käme, alle Restbestände an alten Vinylscheiben und Plattenspielern unter seine Nägel zu reißen).

Down and Out in Five Years?
Damit dieses Projekt in ein paar Jahren nicht nur den aufmerksamen Zielgruppen einschlägiger Magazine etwas sagt, gehen bereits in diesem frühen Stadium der Creative Commons mehr als die üblichen Copyright-Aktivisten mit gutem Beispiel voran. Der Buchverlag und Projekt-Partner O’Reilly hat unter einer der CC Lizenzen kürzlich den Großteil seiner nicht mehr aufgelegten Titel zum freien Download und zur Vervielfältigung bereitgestellt. Für zukünftige Publikationen wurden ebenso eine CC Lizenz, das “Founders’ Copyright”, in Anspruch genommen. Auch boingboing.net-Weblogger Cory Doctorow hat seinen aktuellen Roman “Down and Out in the Magic Kingdom” in Form von Creative Commons lizensierten, freien Downloads realisiert – neben der herkömmlichen Veröffentlichung in Papierform. Sein Printverlag ist damit einverstanden – entgegen der sonst weitverbreiteten, paranoiden Brazil-Doktrin “Verdacht schafft Vertrauen”. Der vertrauenswürdige Kunde ist mehr denn je König und er wird es weiterhin bleiben wollen. Per E-mail darf Corys Roman bei dessen Heimatort-Buchhandlung bestellt werden – wunschsigniert versteht sich -, während sich im Internet schon die ersten autorisierten Remixe von “Down an Out in the Magic Kingdom” finden. Alle haben Recht.
Neben anderen amerikanischen Initiativen in diesem Bereich, wie z.B. der Open Publication License oder der GNU Free Documentation License orientieren sich jetzt auch die ersten, dem deutschen Recht angepassten Vorstöße am Open Content Modell, z.B. die UVM Lizenz für freie Inhalte. Open Content kommt. Das wird auch Zeit.

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Elektronische Lebensaspekte.

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