Daisyworld ist in Europa als Label eigentlich noch unbekannter als deutlich kleinere Labels wie Plop oder Cubic. Dabei ist der A&R ein Held alter Tage, Geld kein Problem und der Labelkatalog mehr als ambitioniert.

Und wieder Yellow Magic Orchestra. 1996 entschied sich Haruomi Hosono sein eigenes Label zu gründen. Als einer der Gründungsväter der elektronischen Musik in Japan war diese Entscheidung irgendwie überfällig. Zumal, und darüber weiß man außerhalb Japans nicht so gut Bescheid, Hosono auch ein Pionier der Rock- und Popszene ist und in den 70ern gleich eine ganze Reihe von Hits schrieb, die japanische Lyrics in die Popmusik einbrachten, undenkbar damals. Seine damalige Band “Happy End” wird immer noch hoch gehandelt, wir erinnern uns an Sofia Coppolas Film “Lost In Translation”.

Hosono gründete sein Label in einer Zeit, als Megastores wie Tower oder HMV sich in Japan ausbreiteten. Gleichzeitig war Elektronika auf dem Vormarsch, Postrock und Lounge hatten sich bereits etabliert. “Überall war dieser Enthusiasmus zu spüren für neue Musik. Die beste Gelegenheit, unser Label zu gründen”, sagt Hosono. Das Interesse in Japan war groß: Hososno hatte Avex als Partner für sein Label aquiriert, eine reine J-Pop-Firma, die weder mit Elektronik im Allgemeinen oder Yellow Magic Orchestra im Besonderen etwas zu tun hatte, noch Vertriebspartner im Ausland besaß. “Die ganze J-Pop-Szene hatte sich von Märkten außerhalb von Japan komplett verabschiedet. Gleichzeitig gab es gerade in Europa immer ein großes Interesse an japanischer Indie-Musik, eine komische Realität”, sagt Hososno.

Fast zehn Jahre lang hat Hosono nun seine elektronische Lieblingsmusik auf Daisyworld dokumentiert: Atom Heart, Mixmaster Morris, Jonas Sharp, Tipsy, Terre Thaemlitz als nicht-japanische Künstler haben auf dem Label veröffentlicht, ebenso wie die Japaner Tagagi Masakatsu, Eater, Gutevolk oder Hosonos eigenes Projekt Sketch Show. Klingt gut, nur leider sieht das Hosono im Moment ein bisschen anders: “Die Label-Arbeit war für mich eine Art Dokumentation, wir haben interessante Momente und Phänomene der Musikgeschichte abgebildet. Irgendwie ist dieses Projekt für mich abgeschlossen. Sollte ich das Label weiterführen, muss es anders funktionieren. Es sollte ein Label sein, das seine Künstler schützt und aufbaut. Gleichzeitig denke ich darüber nach, wie ich meine eigene Musik unter meinem Namen neu positionieren kann. Hoffentlich finde ich einen neuen Ansatzpunkt für das Label.” Das mag bitter klingen, aber Daisyworld als Archiv elektronischer Musik zu begreifen, ist eigentlich schon Erfolg genug. Und wenn es jetzt Zeit ist, dass Hosono selbst dieses Archiv auffüllt, sei es auf Daisyworld oder nicht, dann soll es so sein.

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Elektronische Lebensaspekte.

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