Porno-Jugend, Aggro-Jugend, Säufer-Jugend, Passiv-Jugend. Die Medien überschlagen sich mit Horrormeldungen über die junge Generation. Alles wirklich so schlimm? Wir haben uns mit Lena und Lion, zwei Vertreteren der SchülerVZ-Generation, und mit Klaus Farin, dem Leiter des Archivs der Jugendkulturen in Berlin, zusammengesetzt und die heiße Luft aus dem Thema gelassen.


Die Jugend säuft sich in den Abgrund, das sagen nicht nur der offizielle Drogenbericht der Bundesregierung, sondern auch die Großmedien jede Woche aufs Neue. Die Jugend schlägt sich auf Tilidin die Fressen blauer als je zuvor. Die Jugend verkommt und wird übers Internet pornografisiert. Aktuelle digitale Netzwerke wie SchülerVZ lassen Mobbing und psychische Gewalt an Schulen unter Jugendlichen grenzenlos werden. Das Problem der Generationen lässt die Gesellschaft seit ihrem Bestehen nicht los. Gerne wird Sokrates zitiert, der sich schon damals über Ungehorsam und Autoritätsfremde der jungen Menschen echauffierte. Wieso haben wir keine neue Massenbewegung in den 2000er Jahren, wie noch Techno/Rave in den 90ern? Wieso kein neuer Punk? Wieso keine neuen 68er? Alles Regress? Die Kreativität der jungen Menschen am Ende? Wo bleiben die Eier für eine neue Rebellion?

Das Ende der Jugend- und Subkulturen wurde bereits in den 90er Jahren nicht nur von Günther Jacob postuliert. Das Konstrukt der Jugend ist dabei nicht alt, eigentlich gerade mal knapp 100 Jahre. Bis dahin war der Begriff Jugend negativ besetzt: “Die Jugend ist Trunkenheit ohne Wein“, hieß es damals, weil bis dahin eigentlich nur die Rede von Kindern und jungen Erwachsenen war. Erst mit der Jugendbewegung, allen voran den Wandervögeln (1896-1918) wurde die Jugend positiv wahrgenommen, sie wurde organisiert, spielte Blockflöte und war zwischen den Weltkriegen mit der Bündischen Jugend der Vorläufer der altruistischen Pfadfinderbewegung. Mit dem Dritten Reich wurden die meisten Jugendbewegungen in die Hitlerjugend überführt und die, die sich weigerten, wurden schlichtweg verboten. Eine Zäsur, zweifelsohne. Aber schon bald kam der Rock’n’Roll und die jungen Leute waren außer Rand und Band, sehr zum Entsetzen der Elterngeneration, die mit Hans Albers und Marschmusik musikalisiert wurde. Zum ersten Mal wurde die Jugend kommerzialisiert. Das macht auch den anhaltenden Erfolg bis heute aus. Denn es entstanden riesige Industrien, die das Jugendliche vermarkten konnten. Dabei war es nicht nur die Musikindustrie, sondern ein riesiges Netzwerk an vermarktbaren Produktkosmen, das ein konsumistisches Perpetuum Mobile erschuf: Levi’s, Chucks, Vans, Vespa, Westwood, MTV, Hedi Slimane …

Lion und Lena sind zwei Jugendliche aus Berlin. Lion ist 16, Lena ist 11. Beide haben einen Account bei SchülerVZ, der Plattform, über die in den Medien gerne vom neuen Skandal gesprochen wird. “Jeder ist da. Da kommt man nicht drum rum“, heißt es. “Das Krasseste war mal, dass eines Morgens Nacktbilder von einem Typen zu sehen waren, die jemand auf seine Seite verlinkt hatte. Das war nach wenigen Stunden aber wieder geklärt“, sagt Lion. “Es haben sich mal zwei Mädchen gestritten und da hat die eine die Gruppe gegründet: Wir sind die Katja-Hasser“, berichtet die Elfjährige. “Aber es ist doch eigentlich egal, ob die sich auf dem Schulhof streiten oder im Netz“, weiß Lena zu relativieren. Es sei natürlich interessant, zu sehen, was andere so am Wochenende trieben, und auch von einer Liaison durch SchülerVZ kann Lion erzählen. Es ist eine Kommunikationsform, die zwar von den Eltern kritisch beäugt wird, weil diese keinen Zugang dazu bekommen. Jedoch machen es die Alten besser vor? Wo doch neu.de und adultsexfinder zum Verkupplungsstandard im städtischen Kontext geworden sind? “Ich fand es aber wirklich schlimm, als eine Mutter auf der Seite ihrer Tochter rumspioniert hat, um herauszufinden, was sie gerne macht. ’Ich wusste ja gar nicht, dass du solche Hobbies hast’, soll sie gesagt haben. Wieso setzen sich die Eltern nicht persönlich mit ihren Kindern auseinander?“, meint Lena. Und was ist mit Profilneurotikern im Netz? Lion: “Klar gibt es Leute, die pseudomäßig ihre Bodies zeigen und einen auf dick machen, aber das durchblickt man ja auch schnell. Und die Jungs, die jedes Mädchen anschreiben, um sie anzumachen, verschwenden ja auch nur ihre Zeit.“ Es wird deutlich, dass mit dem Netz verantwortungsbewusst umgegangen wird. Die Kinder, die mit Handy und Internet aufwachsen, kennen es halt nicht anders. Das ist der Punkt, der gerne mal übersehen wird. Und wie sehen die Lehrer das Treiben im Internet? “Es gibt drei Typen Lehrer. Der Erste ist so alt, er weiß gar nichts von Rechnern und Internet und findet das sowieso scheiße. Der Zweite kennt sich gut aus, aber ist so skeptisch, dass er im Internet sucht, ob die Hausaufgaben geklaut sind, und der Dritte ist der Meinung, dass das Internet auch gut sein kann und dass es da viele gute Informationen gibt.“ Klar, dass der dritte Typ am sympathischsten für die beiden ist. Der Journalist, der auf Scoop-Turkey ist, wird enttäuscht. Natürlich könnte man darüber berichten, dass auch in Schöneberg iPods und Jacken abgezogen werden, dass 14-Jährige mit Messern herumprollen, dass Alkohol getrunken wird, gekifft wird. Aber bitte, alles neu? Nur wegen des Internets? “Pornos? Ja und? Sind doch langweilig.“

Klaus Farin, Leiter des Archivs der Jugendkulturen, sollte es besser wissen. Er hat zahlreiche Bücher über Jugendkulturen veröffentlicht und besitzt die größte Sammlung an Fanzines, knapp 40.000 Stück stapeln sich im Kreuzberger Hinterhof. Farin ist ein Punker der alten Schule, verließ in den 80ern Gelsenkirchen, um in Berlin alles einzusaugen, was damals 1. Mai, Riot und Rio Reiser an Subversion hergaben. Durch seine Arbeit, die im europäischen Raum einmalig ist, hat er den Ruf, einer der reflektiertesten Beobachter von Jugendkulturen zu sein. Mit seinem ärmellosen schwarzen T-Shirt, sympathischer Haarmatte und angenehm sonorer Stimme erklärt er uns die jetzige Situation.

Debug: Der Begriff Jugend ist jetzt in etwa 100 Jahre alt. Und nun hat man 50 Jahre nach Rock’n’Roll den Eindruck, dass die Dekadenschritte bezüglich neuer Musikstile in den 2000ern ein bisschen ausbleiben. In den 90ern hatten wir noch Techno, womit man der damaligen Elterngeneration noch extrem vor den Kopf stoßen konnte.

Farin: Das Dekadenmodell stimmte ja schon vorher nicht. Das ist viel zu statisch, genau wie der Generationenbegriff, es handelt sich hierbei doch um Marketingbegriffe. Wie die 68er, die 89er, die 77er, um was auch immer zu vermarkten. Es wird klar, da passiert parallel ganz viel und die Entwicklungen halten sich auch nicht an die Jahrzehnte. Es ist komplizierter und widersprüchlicher. Daher sind so Begriffe, die alles unter einen Nenner bringen wollen, in der Praxis gar nicht relevant. Ich stelle mir Jugendkulturen immer wie ein Meer vor. Im Ozean schwimmen alle Jugendkulturen, oben sind die Wellen. Irgendwann wird Techno in den 90er Jahren nach oben geschwemmt und ist oben. Dann wird’s Mainstream. Das ist das Schicksal von Jugendkulturen. Es wird eine entdeckt, die wird nach oben gespült und dann kommt die nächste und dann mischt sich alles wieder neu. Aus dem Techno entstehen wieder sechs, sieben kleine Subkulturen, die wieder die Masse nicht mitbekommt. Es regnet aber selten neue Jugendkulturen, und die, die grad Pech haben, aus der Sicht der Szeneleute, die sind dann oben, so kann Techno im weitesten Sinne heute wieder lockerer damit umgehen, weil die Masse wieder weg ist, und die HipHop-Szene leidet, weil bei HipHop jetzt jeder an Aggro Berlin und so denkt. Für die Szene ist das ja wieder Kindermusik.

Hat sich der Inhalt der Jugendkulturen, wie häufig behauptet wird, auf die Medien verschoben?

Ich sehe das eher als Ergänzung, weil das andere bricht ja nicht weg. Es gibt z.B. noch immer sehr viele Fanzines, die ganz klassisch im Printformat erscheinen, genauso wie beim Vinyl, das ja auch schon seit 15 Jahren totgesagt ist. Es verläuft vieles parallel. Neue Medien werden natürlich genutzt, und klar sind die Medien wichtiger geworden, aber für alle Generationen. Vieles ist durch das neue Angebot natürlich auch erreichbarer, aber es verdrängt meines Erachtens das andere nicht. Bei Jugendmedien, also bei denen, die sie selber gestalten, da stellt man ja geradezu eine Renaissance von Inhalten fest. Wenn man sich HipHop-Seiten anguckt, wo junge HipHop-Fans unterwegs sind, die diskutieren auf einmal über Homophobie, Sexismus, Gewalt, Fakes, Medienhypes und angebliche Schießereien in Neukölln. Da findet über den Einstieg Jugendkultur – also Spaß, Action, Musik und Mode – auf einmal wieder eine Politisierung statt und bei vielen auch ein kritischerer Umgang mit den Medien.

Ist die Jugend von heute noch irgendwie rebellisch? Wenn ja, auf welche Art und Weise?

Die “Jugend“ war ja nie rebellisch. Es waren ja immer nur Minderheiten. Bei den berühmten 68ern, die die Jüngeren von heute immer vorgehalten bekommen, waren es ja nur 3-5% der damals Studierenden, die ernsthaft auf den Straßendemos waren, eine kleine radikale Minderheit. Wahrscheinlich waren damals CDU-Wähler viel repräsentativer für das Land als Rudi Dutschke. Die Medienkraft hat es geschafft, der Generation einen Stempel aufzudrücken. Denn jeder, der an 68 denkt, denkt an lange Haare, Woodstock und Revolution, und nicht an die Skinheads, die zur gleichen Zeit entstanden sind. Bei den meisten bestand die Revolution allerdings darin, die Rolling Stones gut zu finden. Es sind immer Minderheiten, die rebellisch sind. Es ist auch heute so. Vor allem in einer Konsumgesellschaft, weil Konsum heißt: Nicht selber machen, sondern das schlucken, was vorgegeben wird. Konsumgesellschaft ist im Gegensatz zu autoritären Gesellschaften auch sehr mächtig, denn sie kriegt alle Teile der Bevölkerung. Die Minderheiten, die heute noch kreativ und rebellisch sind, haben es heute schwieriger. Zum einen, weil Rebellion in wirtschaftlich prosperierenden Zeiten wächst, also wenn es den Leuten gut geht, dann sind Ressourcen da. In Zeiten, in denen sich die Gesellschaft Millionen Arbeitslose leistet und jederzeit Leute in die Ecke schieben kann, darf man sich keine kritische Rebellion erwarten, die haben nicht die Zeit, die Kraft, den Mut dafür. Die müssen sich in erster Linie darum kümmern, einen Job zu kriegen. Unter den jetzigen Wirtschaftsbedingungen hätte es 68 gar nicht gegeben. Dennoch glaube ich, dass sich im sehr weit gefassten Begriff die Jugend von heute durchaus rebellisch zeigt oder sogar mehr politisch interessiert ist als früher. Nicht in den klassischen Formen: wählen gehen oder Parteien und das ganze langweilige Zeug, aber im direkten Umfeld. Ich halte es für politischer, wenn jemand sagt: In meinen Club kommen keine Rassisten rein, als jemand, der einen Brief an den Integrationsbeauftragten verfasst, um eine Gesetzesänderung herbeizuführen. Im Alltag sind viele Jugendliche, auch durch die Medien, anders sensibilisiert und somit kritischer als meine Jugendgeneration.

Brauchen die Jugendlichen also die Medien oder die Medien die Jugendlichen?

Die Jugend ist ja immer gerne Sündenbock und Seismograph für gesellschaftliche Entwicklungen. Die Gesellschaft arbeitet gerne ihre Fehler und Defizite an ihrer eigenen Jugend ab. Weil, sie können sich nicht wehren! Wenn man als Journalist einen Staatsanwalt anpinkelt, überlegt man sich das vorher gut, weil der zurückschlagen kann. Über Punks und Neonazis kann ich doch schreiben, was ich will, die können sich nicht wehren, und Jugendliche sind schon immer die Folie für gesellschaftliche Fehlentwicklungen, auf deren Schultern dann das Ganze diskutiert wird.

In letzter Zeit ist ja die Tilidin-Debatte sehr stark gewesen, so wie die Gewaltdebatte, aber vor allem macht der Diskurs über die Pornografisierung der Jugend die Runde und die emotionale Gewalt über Social Networks wie bei SchülerVZ. Was hat sich mit dem Internet geändert? Muss man die Jugend vor sich selbst schützen?

Das, was angeboten wird, wird auch genutzt. Aber die Anbieter dieser Medien sind keine Jugendlichen, sondern die Erwachsenengesellschaft. Sie stellt Technologie und Medien zur Verfügung und regt sich anschließend darüber auf, dass Jugendliche diese nutzen. Seit Ewigkeiten werden aber immer nur die Ausschnitte betrachtet, die von den jungen Menschen genutzt werden. Die John-Wayne-Generation fand Rambofilme zu hart. Dann sind es häufig Computerspiele, fast immer Alkoholika, die Jugendliche konsumieren, und das in einer Säufergesellschaft wie dieser, wo jeder zweite Politiker sich stolz auf dem Oktoberfest ablichten lässt. Und dann kommt hinzu, dass für die Alten die Medien noch immer die Ursache für Taten sind. Medien sind nur Indikatoren. Wenn jemand zusammengeschlagen wird, dann macht das keinen Unterschied, ob das nun gefilmt wird oder nicht. Die Hauptfrage ist doch: “Wieso ist der Typ gewalttätig geworden?“ “Wurde im Elternhaus schon geschlagen?“ Aber es ist ja prima. Wenn die Jugend schlimm skizziert wird, dann sind die Erwachsenen draußen.

Also Sexclips von der Exfreundin auf YouPorn aus Rache zu verbreiten ist keine neue Dimension?

Die ersten Heimvideos in den 80ern wurden ja auch schon verbreitet. Hätte es damals das Netz gegeben, hätten es Menschen auch in den 50ern nicht anders gemacht. Aber das Internet zerstreut ja auch sehr weit. Da erreicht man nur bedingt die Masse, die sich die jeweiligen Clips angucken würde. Mehr Reichweite bedeutet nicht mehr Wirkung oder qualitative Wahrnehmung. Wenn besorgte Eltern Bushido googlen, dann haben die 100.000 Suchergebnisse. Was sollen die damit anfangen? Letzten Endes erfahren die über das Internet doch gar nichts. Weil sie gar nicht wissen, welche Seite hat jetzt Information, was ist Unsinn. Mehr Information heißt nicht mehr Wirkung.

Geht’s in dem Falle dann doch wieder um Filter und Selektion?

Bestimmt. Da sind die Jugendlichen auch viel professioneller und da kehrt sich auch was um. Denn jetzt werden die Jugendlichen die Teacher für die Erwachsenen. Insofern ist das etwas Neues, da nun die jungen Menschen auf einmal die Kompetenten sind und die Alten zu denen gehen müssen, um etwas über Medien und deren Gebrauch zu lernen. Aber die meisten Eltern trauen sich ja nicht mal. Durch diese Entwicklung sind Jugendliche heute viel kompetenter geworden: in einem mittlerweile sehr zentralen Lebensbereich.
Dass Pornos, Handys und Netz die Jugend per se verrohen, ist Unsinn, weil dazu gehört, dass es Jugendliche annehmen und gut finden. Es gibt im Netz massenhaft Nazi-Propaganda, deswegen werden ja nicht Jugendliche massenhaft zu Nazis. Die werden damit konfrontiert und können sich eine Meinung bilden mit allen Facetten, aber man wird doch nicht Nazi, nur weil man rechte Propaganda liest. Genauso wenig wird jemand Neonazi, nur weil ich ihn zwei Stunden mit Landser in den Keller sperre. Und das vermutet man auch nur bei Jugendlichen. Wenn ich jetzt behaupten würde, wegen der rechten Propaganda im Netz hätten wir eine neue Generation rechter Lehrer vor uns, würden alle empört aufschreien.

Wieso hat sich die Sicht in den Medien über die Jugend noch immer nicht gewandelt?

Im Fernsehen lässt sich das gut vermarkten. Die gute Nachricht ist keine Meldung. Zu sagen: Immer weniger Jugendkriminalität, ist langweilig. Die Jugend hat ja keine Lobbygruppe, daher ist es wie gesagt einfach darüber zu richten. Der Skandal ist das Gute. Der Zank zwischen Eltern und Kindern ist wahrscheinlich ein genetischer Fehler. Das ist ja seit Sokrates schon so. Zu sagen: Wir sind besser als die nachkommende Generation. Das wird man wohl nie wegbekommen. Diedrich Diederichsen sagte mal, dass Kulturpessimismus die schlimmste Erfahrung ist, die Menschen mitmachen können, und da kommt man wohl nicht dran vorbei. Es gibt ganz wenige Menschen, die positiv auf die Jugend zugehen, weil sich das mit der eigenen Ästhetik beißt.

Wird es in der Form den Begriff der Jugend in Zukunft noch geben? Wenn jetzt von Threenagern und Kidults die Rede ist, also die Begriffe immer mehr verschwimmen und man zudem die heute 40-Jährigen nicht mehr schocken kann. Zugleich sind die über 40-Jährigen auch noch häufig “Jugendliche“. Löst sich das gesamte Konstrukt irgendwann auf?

Früher waren Jugendliche ganz strikt 13-18. Einerseits beginnt die Jugend ja schon früher, heute sind die 12-Jährigen biologisch schon viel reifer als in den 60ern. Andererseits wenn man heute in den Duden guckt, dann steht: Jugendlicher (13-30). Es heißt, dass Jugendliche nicht zu früh erwachsen werden, obwohl sich heutzutage die jungen Menschen schon viel früher Sorgen um einen Job machen müssen. Die Jugendphase dehnt sich aus. Die historische Definition von Erwachsensein heißt ja heiratsfähig zu sein. Heute würde man autonom dazu sagen. Also zu Hause ausziehen, eigenes Geld verdienen, Familie gründen und die Dinge. Das können aber viele 25-28-Jährige von heute nicht. Arbeitslosigkeit, verlängerte Ausbildungszeit, Studium usw. Die Jugend dehnt sich also nach obenhin aus. Abgesehen vom Jugendkult, in dem jeder jung sein will. Es gibt ja nur noch jung oder peinlich: So, jetzt bist du 30 und du bringst dich um oder bist nur noch peinlich. Da bieten Jugendkulturen natürlich viel an. Wobei es aktuelle Standpunkte wie den von Roland Hitzler gibt, die Jugend unabhängig vom Alter definieren wollen, ähnlich der Gender-Diskussion. Geschlecht ist wie die Jugend eine soziale Konstruktion, und ich als 53-Jähriger kann mich jetzt als Jugendlicher sehen, so argumentiert er. Ob ich die Ansicht teile, ist eine andere Sache. Jugendkulturen sind ja emotional und werden nicht intellektuell am Reißbrett entworfen.

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Elektronische Lebensaspekte.

7 Responses

  1. Benny

    Ein verdammt guter und sehr interessanter Beitrag!
    Respektable Arbeit!

    Ich mit meinen 18 Jahren finde das immer so lustig, da denkt man, man hat schon jede Perversion gehört und dann kommt irgend so ein Erwachsener an und erzählt dir einen Witz der dich vom Hocker reißt.

    Endlich wird hier mal den “Erwachsenen” gesagt, dass sie sich auch mal ruhig an die eigene Nase fassen dürfen 😉

    MfG Benny

    PS: Das die Jugend von heute politisch immer mehr interesse zeigt, dem stimme ich teilweise zu!

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  2. Naru

    Respect !

    Ich finde dieser beitrag sollte jeder mal lesen

    Weil Farin und die beiden andern es sehr gut dargestellt haben
    wie die Jugendlichen von heute aufwachsen.
    : ) Ich bin auch der Meinung das die | erwachsenen| sich ruigh mal
    mit ihren kinder zusammen setzen.

    mfg Naru . –

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  3. Leser 18

    Ich finde den Bericht sehr zeitkritisch, bin aber in vielen Teilen nicht damit einverstanden.
    Schaut man sich SchülerVZ genau an, merkt man, wie sie die Jugendlichen/Teenager vor den PC fesseln und alles tun, damit sie in dieser Welt bleiben.
    Meldungen über Nutzer, die andere beleidigen werden abgestellt indem man sagt, man solle sich selbst helfen (probiert es aus).

    Die Jugendgruppierungen waren schon immer von älteren Personen kritisch beäugt worden. Doch was heute passiert ist auch aus meiner Sicht nur noch dumm und hirnlos.
    Ich bin jetzt 18 Jahre alt und sozusagen ja auch noch ein Jugendlicher :-)
    Komasaufen von 11 Jähreigen (“Jugendliche”…), Jedes Wochenende und auch unter der Woche in die Disco, SchülerVZ Besuchzeiten von durchschnittlich 3 Stunden am Tag, Respektlosigkeit gegenüber älteren Menschen und Lehrern, Musik mit Texten wie:” Spreiz die Beine lass dich gehn…” Die Musik dreht sich nicht mehr um die Musik sondern um eine einzige Party, Nicht-mit-dem-Stromschwimmer sind sogenannte “Opfer”, unser “CH” wird durch ein “SCH” ersetzt… siehe Hopper Sprache “Ey alta… isch schwör… isch geb dir alta”

    Andere Jugengruppierungen in früheren Zeiten waren auflehnerisch gegenüber Erwachsenen, zollten ihnen aber den nötigen Respekt und brachten sich in das öffentliche Leben ein. Heutzutage ist Einbringung in das öffentliche Leben, zu einer Flatradeparty zu gehen oder gemeinsam die Schule zu schwänzen und auf öffentlichen Plätzen rumzugammeln.

    Deutsche Jugendliche lassen sich gehen und machen sogar noch den Franzosen in Sachen “Jugendsprache” Konkurrenz! -> Unseren Jugendlichen fehlt ein extra Hirn für Verhalten, Respekt und vor allem NIVEAU!

    Nath. 18

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