Eine Geschichte der elektronischen Musik in Düsseldorf
(Teil 2: 1978-1991)
Huch-House Hörer der 80er trugen eklige Tennishemden!

Nico Haupt
netzkraut@newmedia.de

Was bislang geschah: 1951 befindet sich noch kein Düsseldorfer in Herbert Eimerts ersten Studio für elektronische Musik in Köln. Später aber zieht einer der Musiker, Robert Bayer, nach Kaiserswerth***1968 Gründung der Organisation von Ralf Hütter und Florian Schneider***1970 treten Kraftwerk mit alten Stehlampen und vergilbten Schirmen auf***1971 Gründung von Neu***Ferdinand Kriwet bastelt an Fortuna-Elektronik-Kollagen***1974 gelangt ‘Autobahn’ in die US-Charts***Die Dinger-Brüder kreieren La Düsseldorf ***1978 wird Wolfgang Riechmann erschossen***Punk wird zunehmend kommerzieller, neue Klänge werden verzweifelt gesucht ***

Dies führte damals zu intensiven Gesprächen in der Punkbar ‘Ratinger Hof’ zwischen Gabi Delgado und Robert Görl (heute Disko B). Nach einer heissen Diskussion über die grauslichen Musikverstrickungen erarbeiteten sie schliesslich in einer Nacht ein völlig neues innovatives Konzept und nannten es ‘Deutsch-Amerikanische Freundschaft’. In der Nacht, als DAF entstand, hatte Gabi Delgado dafür extra seinen letzten Zug verpassen wollen. Bereits am nächsten Tag aber zogen ihre unterschiedlichen Ansichten Früchte. Sie zogen in den Proberaum des ‘Hofs’ und bastelten weiter an ihren Ideen. Hier zeigte sich erneut das ewig wiederkehrende Erfolgsmuster von Düsseldorfer Elektronikstars. Man musste zugezogen sein und eine besondere Affinität zur englischen Musikszene besitzen, besonders aber zu Sheffield oder London. Was der Punkgemeinde ziemlich leicht fiel, musste der Elektronikgilde meistens von weitsichtigen Schallplattenlädenbesitzern eingehämmert werden. Robert stammte jedenfalls aus München, Gabi aus Cordoba in Spanien und die tollen Insiderläden gab es noch nicht. Dies rief Wolfgang Schulze, einen guten Freund von Blaine L. Reiniger, auf den Plan. Zusammen mit seinem Freund Udo Welker (später Important Rec., Essen) eröffneten sie 1978 auf der etwas spiessigeren Shadowstrasse den ‘Rock On’-Laden in der damals noch ziemlich versteckten Shadow-Passage. Dort musste man mühsam eine Treppe hinaufsteigen und schon wurde man erschlagen von den seltensten Wave- , Punk- oder Ambientplatten. Legendär war schon zu jener Zeit der Bericht im Playboy.
Es galt schnell als ziemlich selbstverständlich, sich dort mit Electronic Wave Platten eindecken zu können. Besonders aufmerksames Verständnis bekam jedoch jeder, der sich in die Welt des Industrial Sound hineindenken wollte. Bei Rock On konnte man damals die wichtigsten Erzeugnisse begutachten. So erschien dort auch die erste Throbbing Gristle ‘Second Annual Report’ (Fetish Rec), bevor sie ein Jahr später auf Mute wiederveröffentlicht wurde. Cabaret Voltaire veröffentlichten ihre Extended Play EP auf Rough Trade, doch auf der anderen Seite der Weltkugel boykottierte Arto Lindsay sämtliche Melodiösität auf seine Weise und hämmerte zusammen mit Robin Crutchfield’s elektrischem Piano verzerrte No Wave-Töne in ihrem Projekt DNA. Und es entstand natürlich das erste Produkt der “Deutsch-Amerikanischen Freundschaft” auf ATA TAK Rec. Im Umfeld der Wuppertaler Kunstgalerie Art Atack von Kurt Dahlke, Frank Fenstermacher und Moritz Reichelt gegründet, spielten sich bei ATA TAK ganz besondere Klänge des bewusst gradliniegen Infantilismus ab. Während die Folgegeneration des Punks so langsam auf einen ganz anderen Energietrichter kam, betonten ATATAK verspielt, witzige Klangcollagen und unterstrichen somit ihren einzigartigen Hang zur elektronisch naiven Verspieltheit. Dort starteten viele eigentümliche Musiker ihre Karrieren, so etwa Andreas Dorau, Holger Hiller und die Solinger S.Y.P.H. Natürlich war dies auch Heimatstätte von Kurt Dahlkes Soloprojekt der Pyrolator (anfangs auch Studiomusiker bei DAF) sowie des Labelgemeinschaftsprojekts Der Plan. Einer ihrer grö€ten Fans, John Peel, sorgte dann auch schnell für viel Powerplay in England. Und so trat erneut die vertraute Wechselwirkung zwischen den Inselbewohnern und der kleinen elitären elektronischen Speerspitze des Rheinlands auf. Wer etwas auf sich hielt, musste jetzt verstärkt den NME, Melody Maker oder den etwas flachsigeren Record Mirror in der Hand halten, wenn er über Musik sinnieren wollte. Punk- und Wavebands griffen immer öfter zum Keyboard und entwickelten sich damit weiter. Neue Absatzmöglichkeiten wurden gesucht. Die britischen Independent-Charts entstanden zu einer Zeit, als es noch keine Assoziationen zu bestimmten Stiltypen gab. Peter & the Test Tube Babies lagen dort gleichauf mit X-Mal Deutschland, Cocteau Twins oder Alien Sex Fiend in den Top 10 und alle diese Acts kamen nach Düsseldorf in den Ratinger Hof, organsiert von Pure Freude Rec. Es entstanden Freundschaften von Londoner und Düsseldorfer Plattenlabels, unter anderem auch zwischen Kurt Thielen und Rough Trade, der auch bei Rock On arbeitete und später bei RTD anfing. 1980 gründete der Schriftsteller und Kunsthistoriker Rainer Rabowski dann seinen berühmten Kassettenladen ‘Klar 80’ auf der Aachener Strasse, der aber leider nur zwei Jahre hielt. Neben Rock On war dies damals die zweite Anlaufstelle für avantgardistische Musik, natürlich auch für die aus der englischen, überkontinentalen und deutschen Elektronikszene. In diesem Umfeld entstanden damals sehr vielversprechende Projekte. Cyborg 2 war ein ruhiges, ambientes Tape-Erzeugnis von Jochen Fahr, der später Polizist wurde und noch heute seine Black Swans-Tapes veröffentlicht. Rainer Rabowski arbeitete selbst an seinem stark minimalistischen Projekt Roter Stern Belgrad, welches später auch zu den wichtigsten Vorbildern von Kreidler gehörte. EKG bestand aus Siegfried Sinuga, Stoya und Professor Bernd Kastner. Hieraus entstand auch die später sehr beliebte Strafe für Rebellion. Strafe für Rebellion waren bekannt für ihre verzerrte Zufallsmusik (‘Für Mao, Volk + Religion’), die oft aus willkürlich an- und ausgeschalteten Mikros entstand und meist im Wohnzimmer produziert wurde. Kunden wie Siegfried Fischer (‘Der Tod’), Detlef Funder und Stefan Schneider (‘Sons of Care’) bekamen dort ihre ersten Anregungen und Tips. So auch ein gewisser Ralf Dörper von Deutschdenk, dem geraten wurde, nach London zu fahren und der tatsächlich ganz stolz als Single der Woche in der NME zurückkam. Sein selbstverlegter Track ‘Eraserhead’ wurde dort gebührend honoriert, er trieb somit sein Projekt mit Jürgen Engler (die Lemminge) weiter voran, welches auf dem Pure Freude Label erschien. Statt sich also von der Klippe zu stürzen, kam es dagegen im März 1980 zur Gründung von Krupps. Jürgen Engler und Bernd Malaka hatten schon seit 1976 mit Male (Vorsprung) eine der ersten Punk Bands Deutschlands geleitet und wollten nun ihr Repertoire erweitern. Krupps wurde damals von vielen Gastmusikern unterstützt, so Frank Köllges oder Peter Hein (Fehlfarben). Im gleichen Jahr wurden DAF von Daniel Miller (Mute Rec) unter Vertrag genommen. Ihr Bassist Michael Kemner verliess jedoch die Band, ging zu Fehlfarben, doch die zweite LP ‘Die kleinen und die Bösen’ schaffte für das Duo DAF dann den Durchbruch. 1981 kam die ‘Stahlwerksymphonie’ von Krupps heraus und ihre Single ‘Wahre Arbeit, wahrer Lohn’, damals nahe am Cabaret Voltaire- und DAF-Sound orientiert, kletterte ebenfalls hoch in die Indie-UK Charts. Wieder stand der NME Pate, abermals wurden LP und Single zum besten Wochenrelease gekrönt. Auch DAF gelang mit ‘Alles ist gut’ (nun schon auf Virgin) ein neuer Höhepunkt in der deutschen Body Music und ‘Mussolini’ geriet zum Kulthit auf Parties, nur die zynisch entmystifizierende Message wurde lange Zeit nicht richtig verstanden. Alle hier erwähnten Platten wurden bei Wolfgang Schulze weggekauft wie die warmen Semmeln. 1982 stand dann plötzlich ‘Das Model’ von Kraftwerk in den UK Charts auf Platz 1, Fehlfarben veröffentlichten ’14 Tage’ und galten als Vorreiter des deutschen Funk Pop. Man verglich sie mit Heaven 17 oder ABC, deren Sythesizer bereits nur noch als intelligentes Begleitinstrument fungierte. Tommi Stumpff, Frontmann der Punk Band ‘KfC’ hielt es ebenfalls nicht mehr länger aus, verliess seine Truppe, um endlich seine elektronischen Vorlieben (‘Seltsames Glück’, ‘Mich kriegt ihr nie’) zu verwirklichen. ‘Zu spät, ihr Scheisser, hier ist Tommi Stumpff’ kam heraus und galt als eine der frühen Hardcore Pogo Electro-Platten, freilich mit Gesang, aber reduziert und durch Tommis kratzige Stimme sehr markant. Im Soge der neuen deutschen Welle stand Düsseldorf plötzlich nun neben Berlin und Hamburg (Zick Zack Rec.) im zentralen Mittelpunkt, der neue Kraftwerk-Boom in England konnte die kleinen innovativen Projekte jedoch nicht mehr verunsichern. Mitte des Jahres kam für den Rock On- Laden dann das Aus, ein neuer Laden musste geboren werden. So wurde 1983 der Pure Freude Record Shop von Carmen Knöbel eröffnet. Die neue wichtige Anlaufstelle für Independent Music war geboren. Gabi Delgados Solo-LP ‘Mistress’ erschien und überraschte durch seine schräg souligen Einlagen. Auch Robert Görls Solosingle ‘Mit dir’ erschien und zeigte schon damals seine Vorliebe für minimalistischen Phunk. Die Besitzer von Pure Freude, ursprünglich auf Punk oder Hardcore ausgerichtet, mussten nun ständig flexibel in Richtung Minimal Elektronik, NDW, EBM und Industrial umdenken, denn unter dem Mantel ‘Independent’ war nun alles möglich geworden. Fans von Nischen der etwas ausgefalleneren Elektronik, etwa in Richtung Zoviet France, SPK oder Severed Heads rannten ihnen immer öfter die Bude ein und konnten bald nicht mehr ausreichend befriedigt werden. In diesem Jahr schöpften Kraftwerk die Hymne ‘Tour de France’. Krupps spielten bereits schon in Japan, mit Siouxsie & the Banshees in Holland und ‘Wahre Arbeit..’ wurde auf einer US-Compilation veröffentlicht. Die Relationen innerhalb der elektronischen Musik stimmten nun nicht mehr richtig. Politische, künstlerische, aber auch gewaltvolle oder sexualisierende Elemente wie z.B. von Bands wie Test Department oder Skinny Puppy galten unter vielen Alternativen als verpönt und Hörer dieser Musik galten bald als verschrobene Spinner, Eso-Grufties oder Pseudo-Linke. Alles wurde jedoch undifferenziert vermischt, doch neue Nischen wie Electro Trash, EBM, Nieuw beat hielten den Underground weiterhin am Leben. Die Bandbreite geriet aus den Fugen, denn immer wieder zeugten Hits für neue regulierende Ma€stäbe. Zum Kuriosum geriet 1984 das Duett der Toten Hosen mit dem Street Electro Rapper Fab Five Freddy (arbeitete mit Bill Laswell und Beside, später dann Video Regisseur von KRS-1 und Moderator von MTV-Rap), die mit ‘Hip Hop Bommi Bop’ eine Persiflage auf ‘Bommerlunder’ vertonten. Im gleichen Jahr wurde jedoch ein Klassiker ganz besonderer Art veröffentlicht. Beate Bartel (Ex-Malaria), die markante Stimme von Liasons Dangeroises, sang ‘Los ninos del parque’ und alle waren begeistert. Noch heute gilt diese Scheibe unter Electro Fans als einer der hippsten tracks, die je aus Düsseldorf kam. Das One-Hit-Wonder-Projekt schob jedoch nie mehr etwas Gleichwertiges nach und deshalb soll wohl einer der Mitglieder später dennoch erfolgreich avantgardistische Möbel für Michail Gorbatschow gezimmert haben. Zur gleichen Zeit boomte in London der Human Beat Box-Sound auf ZTT Rec (Art of Noise, FGTH). Dies war eine neue Chance für Ralf Dörper, der dann mit seinem fix gebastelten Projekt Propaganda und ‘Dr. Mabuse’ auf dem selben Label einen Top 30 Hit in England landete. Die Melodiesierung von elektronischen Klängen verunsicherte dagegen die Fans der böseren synthetischen Klänge. Doch es gab noch genug Interessantes aufzustöbern. So ergab sich 1985 eine neue Chance für Wolfgang Schulze, der nun mit seinem damaligen Freund Siegfried Fischer den Heartbeat Laden eröffnete. Die Stammkundschaft entsprang nun einem sehr weitem Rheinumfeld. Dort ging auch Georg Odijk ein und aus, der knapp zwei Jahre später dann seinen A-Musik-Vertrieb ins Leben rief, aus dem später ja auch Laden und Label in Köln wurde. Weitere obskure Projekte entstanden Mitte der 80er. Rainer Rabowski gründete mit Axel Grube Men to Come, um ‘Texturen weiter zur Mehrdeutigkeit hin zu abstrahieren und Phantasie als vermittelnde Kategorie zwischen Sinnlichkeiten und Vernunft’ zu manifestieren. Auf den Heartbeat-Abenden im benachbarten Neusser Okie Dokie wurden dann viele internationale aber auch die heimischen Acts gepuscht. Später gab es auch Spezialabende im Zakk, Din A Null, VP8 oder AK 47. Viele, die dort keine Chance hatten, einen Durchbruch zu erlangen, wurden abermals über die Kunstakademie-Szene weiterempfohlen, eine noch heute funktionierende Seilschaft, die stets gleichzeitig bewundert und gehasst wurde. Zu den interessantesten Projekten dieser Zeit aus dem groben industriellen Umfeld zählten die unterschiedlichsten Erzeugnisse. Stefan Schneider löste Sons of Care auf und gründete nun Deux Baleines Blanches, einen Gesangsvorläufer von Kreidler. Zu der Originalbesetzung zählten damals schon Andreas Reihse und Detlef Funder (später Gilgamesch). Der sehr aktive Siegfried Fischer von Heartbeat arbeitete nun ebenfalls oft mit Stefan Schneider zusammen und so entstand das Soloprojekt ‘We lie’. Die meisten Stücke wurden jedoch nur auf Tape veröffentlicht und so galt damals als wichtigste Adresse der Kasettenvertrieb Lord Litter. Mit Jesus Drum, seinem weiteren Projekt zusammen mit Dirk Grützmann, staunten sie über die erstaunlich professionelle Vorgehensweise, denn einmal erhielten sie sogar Antwort aus Australien. Später entstanden dann andere Kollaborationen mit Konrad Kraft, ein Pseudonym für Detlef Funder. In einem rein postalischen Austausch von Klangkollagen mit Maria Zerfall wurden weitere düster-erotische Werke geschaffen. Als Phase Pervers verteilte Siegfried Fischer schliesslich unter guten Freunden seine schockierensten Werke und mit Heinz P. Tillmann, der später bei Fabian Klaturas Splatterparodie ‘Cleaner’ mitspielte, führten sie als Frusta eine provozierende Bühnenshow auf, die viele aufgrund ihrer pornographischen Posings abschreckte, andere aber durch die literarische Anleihen an den rumänischen Schriftsteller E.M. Cioran faszinierte. Dies war die erfolgreichste Zeit für das Düsseldorfer Label SDV, welches bereits seit 1984 existierte und von Birgit Gasser, Bernd Sevens (Rock On) und Stefan Schneider ins Leben gerufen wurde. Dort erschienen nach und nach die frühen Werke von Konrad Kraft, Seventh Day, Jesus Drum und der damaligen Freundin von Detlef Funder, Dino Oon. Dino Oon wurde schnell durch ihre klare hohe Stimme bekannt, der Rest auf SDV entstammte jedoch eher dem Art Rock Bereich. Obskure frühe Werke von Gundel (=Gerrit von Superbilk) entstanden dort ebenso wie Thomas Liebes Eiterschlangen und den Bad Examples. Als die Mitte der 80er verstrich, waren es dann die Krawattenträger, Tennispieler oder Stammkunden des Checkers Club, die von den ersten ‘Electro’, ‘Funk you’ oder auch frühen House Platten aus USA, England oder Italien erzählten und wahrlich in der restlichen Elektronik-Szene keine Miene verzogen liessen. Im Checkers spielte Jimi Radant (Ex-Ratinger Hof) dagegen unberührt fleissig zwischen Î87 und Î89 die Tracks der Labels DJ International (Tyree, Mr. Fingers, Joe Smooth, Fast Eddie) oder Republic (Blaze, MD-Emm, Phase II) sowie die frühen Tracks von Musto/Bones (‘Just as long as I got you’ Î88). Wahrlich dauerte es etwas in der gesamten Region , bis Deep House sich ein kleines Standbein bildete. In Düsseldorf-Meerbusch legte Brian Carter schliesslich sein deutsches BCM Records ab und veröffentlichte dort jahrelang erfolgreich Platten von Hip Hop bis House Acts wie Tyree, Joe Smooth, Technotronic oder Rob Base. 1987 schafften M.A.R.R.S. (Colourbox + AR Kane) dann in England mit der ersten Indie Electronic No.1 den entgültigen Durchbruch für tanzbare elektronische Musik. Im gleichen Jahr setzten dagegen in den Staaten der Chicagoer DJ Pierre (als erster mit den Phuture Tracks!), Marshall Jefferson und Tyree Cooper neue progressive Ma€stäbe mit der Roland 303. Detroiter wie Derick May, Juan Atkins und Kevin Saunderson bauten einen Alternativsound auf. Von allem war jedoch kein Zeichen der Umsetzung in Düsseldorf zu merken. 1988 bestimmte D Mob dann mit ‘We call it acieed’ entgültig, dass der Lieblingssequenzer zum House dazugehören sollte, die sogenannte jack-Variante wurde von JM Silk, Steve ÎSilk’ Hurley oder Jamie Principle umgesetzt. Im Ratinger Hof wurden nun die ersten Acid House Parties von DJs wie Ziggy Pund Rene Runge unterstützt, aber auch von Ralf Dörper oder Ralf Odermann (Logo/Bochum). Dann öffnete das TOR 3 seine Pforten für die ersten grossen Acid-Parties. Schon früh war klar, da€ Industrial, EBM, House und Techno einfach aus zu unterschiedlichen Richtungen stammten und daher nie in einen gemeinsamen Kontext gesetzt werden konnten. Dennoch war dies noch immer nicht die Geburtsstunde vom Tekkno, der deutschen Variante von Techno House (Lenny D., Scientist, Wishdokta, Altern 8, Bizarre Inc.), denn dies sollte wirklich weit nach 1989 erfunden werden. Stattdessen geriet Torsten Fenslau aus Darmstadt um 1989 zum Vorreiter des heute stark verpönten Euro Beats und coverte mit seinem Projekt ‘Out of the Ordinary’ den ‘Los Ninos’-Mix von Liasons Dangeroises. Dann verlagerte er seine Ambitionen auf eingänglichere Acts wie Culture Beat (‘Erdbeermund’, ‘Mr. Vain’) oder sein Trance Projekt Abfahrt. Ein paar Monate später pushte Jimi Radant dann im Checkers ‘The power’ von Snap und verhalf so dieser Musikrichtung zur entgültigen Beliebtheit. 1990 wollten dann auch die restlichen Tüftler die elektronischen Beats entgültig weiter verhärten. In Deutschland waren zunächst Frankfurt oder Berlin besonders weit vorne. Diejenigen, die dies in Düsseldorf am marktstrategischsten umsetzten, hiessen Mario de Bellis, Jens Lissat oder Ramon Zenker (Hardfloor), welcher auch noch 1997 seine Lorbeeren mit ‘Bellini’ (Samba de janeiro) geniesst. Am Anfang stand jedoch die Frage ‘Who killed Elvis?’ (Zyx Rec), die zwar niemals von ‘Interactive’ beantwortet wurde, aber als Phenomenia 1991 nochmals aufgegriffen wurde und zu heftigen Rechtstreitigkeiten führte. Im Ratinger Hof wurde Techno nun rund um die Uhr gedreht, die Frontpage aus Frankfurt (die damals EBM und Industrial noch stark unterstützte) lag immer häufiger aus, doch bald wechselten die Düsseldorfer in Scharen auf die andere Rheinseite nach Köln und zogen ins erste deutsche Warehouse ein. Jeff Mills (Underground Resistance) oder Blake Baxter (‘Prince of Techno’) tauchten dort als Gast-DJs auf und begeisterten die trillernden Massen. Auch Miss Yetti, später nach ihrem Umzug nach Köln und Berlin einer der beliebtesten Djanes, tanzte sich dort aus und so begannen Kölner und Düsseldorfer weiter, gemeinsam oder getrennt ihre Cluberfahrungen in eigenen Tracks umzusetzen. Noch orientierte man sich eher an Acts wie Front 242 oder Nitzer Ebb, doch schon bald war klar, da€ Techno ein eigenes Ding war. Die Sicht nach London nahm nun für eine Weile ab, obwohl dort schon seit 1990 auf Reinforced 4 Hero, Rufige Cru oder Nasty Habits (Doc Scott) und bei Suburban Base Rap+ Aston auf deren Gehaltsliste standen, die bereits schon wieder an einer ganz anderen Alternative bastelten, dem später typischen Hardcore Breakbeat Sound, den in Düsseldorf anfangs überhaupt keiner mochte. Die Düsseldorfer waren also nun wieder ganz auf sich selbst gestellt. Der Frust über den erfolgreicheren Techno Boom in Köln geriet zum Frust, Szenen spalteten sich erneut und der Union Rave des TOR 3 galt als neue Anlaufstelle zu Acts von aussen. Als 1991 zu Ende ging, tanzten die Punks zur Wiederveröffentlichung ‘Is Vic there?’ der Electro Punker Department S (Î81) und hassten Techno. Technos dagegen konnten keinen einzigen Computer bedienen und hassten Discolalla. No Respect Rec. entstand, Ralf Dörper coverte als Technocrats ‘Ruck Zuck’ von Kraftwerk, Francois Kervorkian wiederum ‘Radioactivity’. Die süchtigsten Tänzer fuhren zur ersten Mayday nach Berlin. Ziggy P. veröffentlichte seine erste 130 bpm-Nummer und Hardfloor schafften mit ‘Once again back’ eines ihrer frühen Hard Trance Bretter, dem ersten Techno Genre, das zum Ausverkauf verdammt sein sollte.

Fortsetzung folgt

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.

Leave a Reply