Digitale Währung


Foto: Bitcoin-Münzen sind eine paradoxe Spielerei, die der digitalen Währung eine Gestalt aus reinem Silber verleiht. cc-by Christopher Thompson

Die Symbiose aus Geld, Rechenleistung und Internet gebiert rätselhafte Ökonomien, deren Funktionsweise sich dem Vorstellungsvermögen hartnäckig entzieht. Neben den dubiosen Produkten der Finanzindustrie etablierte sich dabei 2011 auch ein Geldkonstrukt, bei dem noch völlig offen ist, ob es Fluch oder Segen für Finanzmärkte und Realökonomien darstellt: die Währung Bitcoin.

Wie Bitcoin genau funktioniert, bleibt auch bei eingehender Betrachtung ein Mysterium, fest steht, dass es funktioniert und dabei bemerkenswerte Eigenschaften aufweist, irgendwo zwischen Bargeld und Paypal: Bitcoin-Zahlungen sind absolut sicher und anonym, aber gleichzeitig spekulativ und ewig nachvollziehbar. WTF? Ja, auch wenn das Bitcoin-Kürzel BTC lautet. Tatsächlich werden die paradoxen Bitcoin-Eigenschaften durch den Aufbau der Währung als endliche Menge von Sicherheitszertifikaten möglich: Einerseits garantieren unknackbare Verschlüsselungen die Echtheit des einzelnen Bitcoins, andererseits sorgt ihre begrenzte Gesamtmenge dafür, dass der Wechselkurs zu herkömmlichen Währungen auf den einschlägigen Tauschplattformen wie Mt Gox ständigen Kursschwankungen unterliegt, derzeit wird ein Bitcoin für etwa zwei Euro gehandelt.

Die strikte Anonymität einzelner Transaktionen ist derweil möglich, weil die Bitcoin-Software die IP-Adressen der Handelspartner verschleiert, gleichzeitig speichert das System sowohl zentral als auch im Code des jeweiligen Bitcoins dessen komplette Geschichte – als ob ein 50-Cent-Stück sich exakt an seine Reise durch Brieftaschen und Kassen erinnern könnte. Durch dieses stark verschlüsselte Gedächtnis wird gewährleistet, dass es jedes Bitcoin nur einmal gibt und kein Schlaumeier auf die Idee kommt, den Inhalt seiner virtuellen Geldbörse einfach zu vervielfältigen. Solche und andere Manipulationen werden durch die extrastarke Verschlüsselung der Daten verhindert, während das Vertrauen ins gesamte Währungssystem durch seine Offenheit entsteht: Die Bitcoin-Software ist natürlich Open Source.

Aus dem Special in De:Bug 158: FAZIT 2011

5 Responses

  1. Menschi

    Die strikte Anonymität einzelner Transaktionen ist derweil möglich, weil die Bitcoin-Software die IP-Adressen der Handelspartner verschleiert,

    DAs stimmt einfach nicht. Man kann die IP verschleiern indem man zB Tor benutzt. Von Haus aus macht es die Bitcoin Software nicht…

    Ansonsten gut =)

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  2. Giszmo

    Der Autor kratzt leider nur sehr an der Oberfläche und bringt auch einiges durcheinander. Signieren ist zum Beispiel nicht das selbe wie Verschlüsseln. Auch wenn der Artikel kein Datum trägt, so darf man wohl annehmen, dass er im Dezember entstand und im Dezember fiel der Kurs niemals auf 2€. ( http://bitcoincharts.com/charts/mtgoxEUR#rg60ztgSzm1g10zm2g25zv ). Meine Kauforder für 2.05€ wurde nicht erfüllt, was ich sehr bedauer, da der Kurs momentan wieder bei über 3€ steht.
    Ansonsten stehe ich gerne ausführlich Rede und Antwort zu allen Hintergründen vergangener Skandale, Aussichten neuer Features und Entwicklungen in diesem ökonomischen Mikrokosmos. Meine EMail-Adresse dürfte dem Autor ja zugänglich sein.

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