Text: boris groendahl aus De:Bug 06

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Text: boris groendahl aus De:Bug 04

imbizz no. 3 Boris Groendahl

Vor zwei, drei Jahren lief im Kino ein ziemlich kryptisches Commercial, in dem in typischer geschichtsklitternder Weise Saurier von palavernden Steinzeitmenschen verfolgt wurden. Die Dinos entledigten sich ihrer Verfolger durch kräftiges Auf-den-Boden-Stampfen. Das war alles ganz lustig, völlig unklar war jedoch aufgrund der vorliegenden Daten, was das mit ihnen beworbene Produkt “Top Ramen” darstellen sollte.

Irgendwann stieß ich im Supermarkt doch auf “Top Ramen” und stellte fest, daß es sich dabei um eine japanische Fertigsuppe handelt. Das sehen und haushaltsübliche Mengen in den Wagen stapeln war natürlich eins; die anschließende Verkostung jedoch eine herbe Enttäuschung. Fade Brühe, völlig stäbchenungeeigneter Nudelzuschnitt, und bei näherem Hinsehen auch durchaus unglamouröses Packungsdesign.

Dennoch verdanke ich der Sensibilisierung durch “Top Ramen” — und der absolut auslaßbaren Zwischenetappe “Maggi Asia-Snack”, einer extrem nach deutscher Hühnerbrühe schmeckenden Angelegenheit, die jedenfalls bei Leuten mit meiner DNS einen unangenehmen pelzigen Belag auf den Zähnen hinterläßt — die Entdeckung von asiatischen Nudelsuppen, die seitdem meine Ernährungsgewohnheiten extrem beeinflußt haben.

Die meisten Varianten dieses perfekt gemachten Produkts werden in Thailand hergestellt. Die Unterscheidung der verschiedenen brands ist deswegen nur visuell möglich; nur eine mir bekannte — “yum-yum” — hat einen lateinischen Schriftzug, und diese in den Filialen der Kaufhof/Hertie/Karstadt-Kette erhältliche Marke ist leider nicht die beste. Eine größere Auswahl der kleinen quadratischen Päckchen gibt es in asiatischen Fachgeschäften.

Das Packungsdesign aller Typen ist absolut frühe Neunziger; unbegreiflich, daß noch keines vom flyer gebootlegt wurde. Der Preis (typischerweise 1 Mark pro Tüte) bewegt sich in der Schokoriegelregion. Die handliche Portionsgröße, die extrem einfache Zubereitung und die teilweise kaum erträgliche Schärfe der Suppen ermutigen dazu, sie in der Art des legendären gallischen Eintopfs aus “Die Lorbeeren des Cäsar” einzusetzen. Die erhältlichen Sorten heißen nicht etwa “duck soup”, sondern sie kommen ganz dekonstruktivistisch als _duck flavor_, gehen also mit ihrer an Tri-Top erinnernden Künstlichkeit offensiv um.

Das Konzept der Tütennudelsuppen ist so rundum und spontan stimmig wie es nur Produktmanager hinkriegen können, die noch nie einen Blick in ein Marketinglehrbuch geworfen haben. Aber das ist natürlich bei jedem gelungenen Imbizz der Fall.

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