Minimal ist ein eigentümliches Biest


Minimal ist ein eigentümliches Biest. So leicht man es sich auch machen kann, zu behaupten, da tut sich nichts mehr, wer genau hinhört, und das ist eine der Essenzen beim Verständnis von Minimal, der wird an vielen Stellen merken, dass das Gegenteil wahr ist. Eine der eigenwilligsten Arten mit Minimal umzugehen, dürfte zur Zeit wohl die von Ion Ludwig, aka Koos Ludwig sein, dessen Platten auf seinem eigenen Label Quagmire, aber auch auf Stock 5, Alphahouse und jetzt Resopal, ihm schnell den Ruf eines Geheimtipps eingehandelt haben.

Irgendwas ist anders an seinen Tracks. Minimal hat – neben anderen Facetten – ja auch manchmal den Hang, etwas dark zu wirken. Das ist Ludwigs erste Basis. Die Soundeffekte, die bei vielen Minimal-Tracks so wirken wie beliebige Streusel auf einem groovenden Kuchen, dessen Hefe seit Generationen weitergereicht wird, sind bei Ludwig als Effekte kaum noch von den Sounds zu unterscheiden. Soundeffekte, darin ist seine Minimalkonzeption schon der von Lusine sehr ähnlich, werden auf seine Tracks eher aufgetragen wie eine Farbschicht, anders aber als bei Lusine, meint man noch Wochen später, die Farbe riechen zu können.

Während es in Minimal oft um Informationsreichtum, Trickyness oder auch trockenes kantiges Design geht, haben die Tracks des noch sehr jungen Holländers immer vom ersten Moment an eine sehr weitläufige Stimmung, eine völlig eigene Dichte, die den Stücken immer auch etwas von einer Erzählung gibt. Man kann seine Musik trotz aller Grooves auch als Ambient hören, wobei der minimale Aspekt als sicherer Kitschfilter wirkt, und die erzeugte Weite bei allem Surroundkinosound nie bewegungslos wirkt, sondern ständig zu flimmern scheint. Auf die Frage, welche Platte man diesen Sommer mit in die Wüste nehmen würde, sollte man auf jeden Fall mit Ion Ludwig antworten.
http://www.ionludwig.com

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.

Leave a Reply