10 Jahre De:Bug: 10 elementare Bücher


Kodwo Eshun
More brilliant than the sun
Quartet Books, 1998

Musik und Theorie. Ein Kreuz, wo man eigentlich drei Kreuze hätte machen wollen. Cultural Studies brachten eigentlich schon Ende der 90er nur noch ein Gähnen hervor. Szepanski hatte uns zu Recht überzeugt, dass man keine Raveliteratur braucht, wenn schon das erste Kapitel von Anti-Ödipus mehr kickt als ein Zentner Goetz-Geschreibsel. Und technologische Analysen und Konzepte machten ab einem bestimmten Punkt einfach mehr Spaß, wenn man sich auf, ähem, Technologiehybride konzentrierte (Latour, Haraway etc.).

Obendrein: Der Mainstream des Undergrounds hatte sich schon ’97 in diverseste Kleinstszenen aufgespalten und was an Musiktheorie dennoch übrigblieb, war schlichtweg durch und durch unfunky. Kodwo Eshuns “More brilliant than the sun” musste also ein Querschläger sein. Afrofuturismus war zwar musikalisch präsent, aber in ein solches Fest von Konzepten und eine so verdreht eigene Sprache gebracht, hatte es niemand.

Objektive Wissenschaft, großväterliches Schulterklopfen, steife Akademikerlyrik und halbwegs theoretisch verkleidete Geschichtsaufarbeitung, all das fand bei Eshun einfach nicht statt, auch weil es eben nicht aus der Akademie kam. Und das war es dann aber auch mit wirklich relevanten Büchern an der Schnittstelle Musik und Theorie der letzten zehn Jahre. Bei Technologie & Design hat Sterlings “Shaping Things” vor kurzem das Zepter übernommen.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.

Leave a Reply