Mit der Softwareversion des Korg MS-20 wird auf den Festplatten dieser Welt eine wichtige Emulations-Lücke geschlossen. Korgs "Legacy Collection" verbindet die legendäre halbmodulare Tischhupe mit einem dem Original nachempfundenen Hardware-Controller und den Softwareversionen des Polysix und der Wavestation. Drei Klassiker, jetzt gebundelt.
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 83

Korg Legacy Collection
MS-20, Polysix und Wavestation plus Plastikkeyboard

ÜBERSICHT
Fangen wir mit dem MS-20 Controller an, der irgendwie das eigentümlichste Element dieses Sets ist. Wie schon gesagt, ist er etwa 20 % kleiner als das Original und mit Minitastatur bestückt. So bietet er tatsächlich alle Patchmöglichkeitendes Originals. Dafür werden statt großer Klinken kleine verwendet. Über USB mit dem Rechner und dem PlugIn verbunden, reagiert dieses tatsächlich fast wie das Original, fühlt sich aber irgendwie, weil kleiner, doch wie eine Fälschung an.

MS-20
Die Oberfläche des PlugIns entspricht der des Originals. Wer die Patchkabel in echt ziehen will, kann dazu den Controller anschließen und Monoklinken reinstecken. Ansonsten lässt sich das auch am Bildschirm erledigen. Um genauer editieren zu können, gibt es eine vergrößerte Version der Knöpfe und Drehregler ohne Keyboard im Edit-Fenster. Dazu kommt noch der “Analog”-Drehregler, der die Stimmungsstabilitäten des Originals simuliert.
Der virtuelle MS-20 kann auch, wie das analoge Vorbild, externe Audioquellen mit seinem Filter bearbeiten. In einigen Bereichen übertrifft er sogar das Original Bis zu 32 gleichzeitige Stimmen sowie ein bis zu 16-stimmiger Unison-Modus sind für einen eigentlich monophonen Synthesizer nicht schlecht. Der Grad des Detunings und die Stereobreite bekommen dazu noch je einen Drehregler. Außerdem versteht er jetzt auch MIDI-Clock und kann per definierbarem Controller extern moduliert werden.

POLYSIX
Nicht ganz so begehrt, aber einer der meistverkauften Synthesizer von Korg war der sechsstimmige Polysix, der 1981 auf den Markt kam. Bekannt vor allem für seine satten Stringsounds und Flächen hatte er dazu noch einen Arpeggiator und ein paar einfache, aber gut klingende Effekte. Auch hier ist das Original ein wenig aufgebohrt worden: Wie beim MS-20 kann der virtuelle Polysix bei 32 Stimmen bis zu 16-stimmigen Unison fahren und besitzt einen Spreadregler für die Breite des Stereobildes im Unison-Modus.

LEGACY CELL
Unter dem Namen Legacy Cell gibt es fünf verschiedene Kombinationen aus dem MS-20 und dem Polysix, außerdem zwei Insert Effekte und einen Mastereffekt, die sowohl als PlugIns als auch als Stand Alone wie ein Instrument behandelt werden können. Leider ist es nicht möglich, auch die Wavestation einzubauen. Es gibt zwei Plätze, in die je ein MS-20 oder Polysix eingesetzt werden können. Zweimal der gleiche Synth ist auch möglich. Beide sind parallel geschaltet und haben je einen Insert-Effekt. Danach kommt ein kleiner Mixer und schließlich noch zwei Mastereffekte.

EFFEKTE
Die 19 Effektalgorithmen der Legacy Cell sind auch als einzelnes PlugIn unter dem Namen MDE-X nutzbar. So ist mir die wirklich gute Klangqualität der Effekte erst richtig aufgefallen. Neben ziemlich guten Hallräumen sind es vor allem kräftig zupackende Distortion- und Amp-Effekte, aber sogar als EQ macht das PlugIn eine unerwartet gute Figur. Natürlich kann auch der MS-20 als Insert-PlugIn benutzt werden.

WAVESTATION
Die Wavestation ist der “jüngste” und einzige digitale Synthesizer im Legacy-Package: 1990 auf den Markt gebracht, basierte sie auf dem Prophet VS und benutzte die so genannte Advanced Vector Synthese mit Wave Sequencing, eine Variation der Wavetable Synthese. Sie hat einen sehr eigenständigen Charakter und erlaubt sehr effektive sich bewegende Flächen ebenso wie äußerst merkwürdige rhythmische Sequenzen, indem man sich per Joystick durch verschiedene Wellenformen des 2 MB fassenden Wellenformspeichers morpht, sie mischt oder hintereinander setzt.
Ähnlich mühsam wie die Programmierung von Sounds beim DX-7 ist auch die der Wavestation. Hier hat die Software auf jeden Fall die Nase vorn, denn die grafische Benutzeroberfläche vereinfacht die Programmierung extrem.

PERFORMANCE, BEDIENUNG UND SOUND
Der Sound aller PlugIns ist auf jeden Fall ein wichtiges Argument für die Korg Legacy Collection, denn nicht nur die Synthemulationen MS-20, Polysix und Wavestation klingen überzeugend, sogar die mehr als Gimmick mitgelieferten Effekte sind ziemlich gut. Die Legacy Cell konnte mich dagegen nicht so überzeugen, da die meisten Verschaltungen, die hier möglich sind, auch in einer VST-Umgebung erstellt werden können Vielleicht aber ist das ja was für Leute, die es live ansteuern. Schade nur dass bei der liebevollen Rekonstruktion des MS-20 niemand daran gedacht hat, auch den SQ-10 (Analogsequenzer für den MS-20) nachzubauen. Stattdessen gibt es den meiner Meinung nach eher kuriosen als sinnvollen Plastik-MS-20 als Controller dazu. Insgesamt kann die Legacy Collection aber durchaus überzeugen. Man braucht zwar einen aktuellen Rechner, der wird aber von der Performance her auch nicht überbeansprucht.

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Elektronische Lebensaspekte.

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