Die weißen Flecken werden weniger. LTE kommt schon jetzt in zahlreichen Gebieten in Deutschland zum Einsatz, in denen DSL nicht verfügbar ist, wo die letzte Meile einfach zu lang ist. Der nächste Schritt: die Großstädte. Pünktlich zur Verfügbarkeit von LTE-Telefonen flackern immer mehr Highspeed-Hotspots in unseren Städten auf. Bei Vodafone fühlt man sich für die Zukunft gut gewappnet.

LTE verspricht ein Mobilfunktempo, das DSL hinter sich lässt. Vor allem durch einen Upload bis zu 20Mbit wird so z.B. Videotelefonie oder auch Stream nicht länger ein Qualitätsmassaker, sondern mehr als HD-fähig. Nicht zuletzt durch kürzere Latenzen rasen einem, schnelles LTE-Telefon vorausgesetzt, selbst im besten HSDPA+-Vergleich die Browser davon. Schon träumt man von HD-Voice, massivem Online-Gaming via LTE und liebäugelt mit dem Kappen der eigenen DSL-Leitung, um das eine, schnellere Netz überall hin mitzunehmen. Doch dieses Mal haben in der Entwicklung nicht die Ballungszentren, sondern die ländlichen Gebiete die Nase vorn. Dennoch, 700.000 LTE-Handys erwartet die Herstellerindustrie für dieses Jahr in Deutschland. Und spätestens im Winter dürften auch die meisten Großstädte weitestgehend an das schnelle Netz angeschlossen sein. Und vielleicht können dann auch wir, wie es nach dem Marktstart des iPad in den USA vielen geschehen ist, unsere LTE-Flatrate mit einem HD-Videowochenende leersaugen. Wir sprachen mit dem Pressesprecher von Vodafone, Bernd Hoffmann, über die Geschwindigkeit der LTE-Entwicklung und die Perspektiven der nächsten Jahre.

Debug: Wie ist der Ausbau von LTE bis dato vor sich gegangen?

Bernd Hoffmann: Die Frequenzen im 800MHz-Bereich sind erst im Mai 2010 versteigert worden. Die sind besonders wichtig, weil sie eine sehr hohe Reichweite und Durchdringung haben, im Vergleich zu UMTS die Reichweite sogar verdoppeln. Der Ausbau hat dann schon im August begonnen und wir hatten als erster Anbieter LTE schon zum Jahreswechsel 2010/2011 am Markt. Zunächst ging es um die Nutzung mit USB-Sticks, als sogenanntes Zuhause-Produkt. Die Versteigerung der 800MHz war ja an die Bedingung geknüpft, mit dem Ausbau die weißen Flecken auf der Breitbandlandkarte in Deutschland zu schließen. Wir haben das sehr befürwortet und auch maßgeblich in den Vorgesprächen mit der Bundesregierung vorangetrieben. Die Vorgabe war 1Mbit pro Sekunde, verfügbar in 90 Prozent der ländichen Gebiete. Erst dann durften wir überhaupt mit dem Ausbau in den Ballungszentren beginnen. Die Bundesnetzagentur prüft den Ausbau pro Bundesland, bis auf vier Ausnahmen sind wir jetzt soweit. Der Vorteil von LTE ist, dass man auf die bestehenden Mobilfunknetze aufsetzen kann und nicht viel teureres Kabel verlegen muss. Wir erreichen jetzt schon 14 Millionen Haushalte und haben Deutschland flächenmäßig zu 40% erschlossen.

Debug: Wie war der Zuspruch in den ländlichen Gebieten?

Hoffmann: Sehr gut. Wir stehen aktuell bei 160.000 Kunden. Mit LTE wurde für viele, die bislang keinen Zugang hatten, endlich kurzfristig eine Anbindung bereitgestellt, die mindestens mit DSL vergleichbar, in vielerlei Hinsicht aber auch schon viel besser ist, nicht zuletzt auch wegen der mobilen Nutzbarkeit. Wir hatten schon im Frühjahr 2011 einen kompletten Festnetzersatz: Telefonie via LTE mit Modem und Router, was im Handling genau so wie bei DSL funktioniert. Im Herbst 2011 gab es den ersten Universal-USB-Stick, der nicht nur mit LTE, sondern auch allen anderen Netzen funktionierte. Seit ein paar Wochen nun, haben wir die ersten Handys im Sortiment. Das HTC Velocity, Samung Galaxy SII LTE und nun das LG Optimus Tru HD LTE. Die Hersteller haben sehr schnell nachgezogen, um für jeden LTE-Einsatz Hardwarelösungen zu liefern.

Debug: Man hat also nur fälschlicherweise das Gefühl, dass man sehr lange auf LTE warten musste.

Hoffmann: Ja. Deutschland ist, was LTE betrifft, weit vorne. Bei UMTS war der Zeitrahmen von der Versteigerung bis zum kommerziellen Einsatz noch entschieden länger, rund vier Jahre. In den USA ist man in Sachen LTE schon weiter, in Europa aber sind wir führend. In anderen Ländern sind die Frequenzen zum Teil noch nicht mal versteigert oder müssen erst aus der ursprünglichen Rundfunk-Nutzung umgewidmet werden.

Debug: Wie wird die Entwicklung von LTE in den nächsten Jahren aussehen?


(Illustration: Dan Jazzia)

Hoffmann: Es ist heutzutage immer wichtiger vorzubauen. Wir haben bei der Versteigerung auch Frequenzen im 2,6GHz-Bereich bekommen, mit denen man an Hotspots – Flughäfen, Bahnhöfen, Orten, an denen große Datenmengen anfallen – Mikrozellen einrichten kann. Zellen mit geringer Reichweite, die aber mehr Kapazitäten bereitstellen. LTE ist eine Zukunftstechnologie. Wir setzen jetzt schon auf einem sehr hohen Niveau an, dabei ist die Entwicklung gerade erst am Anfang. LTE Advanced liegt schon in den Schubladen und wird gerade mit mehreren 100MBit pro Sekunde getestet. In wenigen Jahren sieht man da dann schon den Einstieg in die Gigabit-Technologie. Es ist eine Entwicklung, die im Privatkundensegment das Thema kabelgestützte Lösungen immer weiter verdrängen wird. Bei Geschäftskunden sieht das möglicherweise anders aus, weil dort unter Umständen ein anderer Bedarf herrscht. Der Glasfaserausbau wird durch LTE allerdings auch nicht obsolet, sondern weiter vorangetrieben, allein schon um die ganzen Datenmengen aus dem Mobilfunk weiterzuleiten, denn die müssen dann entweder über Glasfaser oder über Sichtfunk angebunden werden.

Bernd Hoffmann, Pressesprecher bei Vodafone

LTE-Verfügbarkeit bei den deutschen Netzbetreibern

Vodafone:
http://www.vodafone.de/privat/hilfe-support/netzabdeckung.html

T-Mobile
http://www.t-mobile.de/funkversorgung

o2
http://www.o2online.de/tarife/netzabdeckung

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Elektronische Lebensaspekte.

6 Responses

  1. Dr. Kimble

    Die meisten Provider erkennen Speedtests, und erhöhen für diese die Geschwindigkeit. Kann man selber testen, wenn man einen Download parralel zum Test startet.
    99% der Internetprovider liefern nicht. Ganz großes Strukturproblem.
    Und hey wir alle Steuerzahler haben den Ausbau der Internet-Infrastruktur bezahlt…
    Bis LTE kommt und die versprochenen Bandweiten liefert, dauert es noch sehr lange.

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  2. ego navigare est!

    Wäre auch schön wenn man mal auf die Preise für Internet mit LTE und ohne eingegangen wäre, oder wie es sich mit den Preisen im Gegensatz zum Ausland verhält.

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